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Eine Frau in Großbritannien wird gegen Corona geimpft.
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In Großbritannien sind Veganerinnen und Veganer von der Corona-Impfpflicht am Arbeitsplatz ausgenommen.

Großbritannien

Corona-Impfpflicht in Großbritannien: Warum für vegane Personen eine Ausnahme gilt

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
    schließen

In Großbritannien gilt bald ein Corona-Impflicht in bestimmten Arbeitsbereichen – aber nicht für alle. Was steckt dahinter?

London – Ab Oktober heißt es in Großbritannien vielerorts „Jabs for Jobs“. Dann tritt eine Impfpflicht am Arbeitsplatz in bestimmten Bereichen in Kraft. Beschäftigte im Gesundheitswesen und in der Pflege müssen also bis Mitte September zwei Dosen Corona-Impfstoff* erhalten haben – es sei denn, es besteht ein medizinischer Grund zur Ausnahme.

Einige große Unternehmen wie Google oder Facebook setzen ebenfalls auf eine Impfung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegen das Coronavirus*, möchten diese an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Doch selbst Leute mit bestimmten Überzeugungen könnten von dieser Impfpflicht ausgenommen sein, wie die Tageszeitung The Telegraph berichtet.

Corona in Großbritannien: Keine Impfpflicht am Arbeitsplatz für Veganerinnen und Veganer

Nach einem Gerichtsurteil aus dem Jahr 2020 zählt ethischer Veganismus in Großbritannien als philosophische Überzeugung und ist rechtlich entsprechend geschützt. Mindestens eine halbe Million Britinnen und Briten, die vegan leben, müssten sich demnach nicht impfen lassen, auch wenn es ihr Arbeitgeber eigentlich verlangt. Doch was hat die Corona-Impfung mit Veganismus zu tun?

„Einige ethische Veganer lehnen Impfungen mit der Begründung ab, dass diese Corona-Impfstoffe unweigerlich an Tieren getestet* wurden“, erklärt ein Sprecher der Anwaltskanzlei Lewis Silkin. „Ein Arbeitsgericht hatte ethischen Veganismus zu einer Überzeugung erklärt, die Schutz bedarf.“ Auch religiöse Ansichten fallen etwa unter diesen Schutz. Arbeitgeber riskieren demnach Gerichtsprozesse, wenn sie vegan lebende Beschäftigte aufgrund einer nicht vorhandenen Corona-Impfung entlassen. Auch bei Neuanstellungen dürfte es schwierig werden, eine Impfung zu verlangen.

Tierische Bestandteile enthalten die Corona-Vakzine nicht. Die meisten Veganerinnen und Veganer lehnen Versuche an Tieren jedoch prinzipiell ab.

Corona-Impfstoffe ernhalten keine tierischen Bestandteile, werden aber an Tieren getestet

Vielen ist bewusst, dass es nicht immer möglich ist, die Verwendung von Tieren zu vermeiden. Es sei wenig sinnvoll, ein Medikament aus ethischen Gründen zu verweigern, solange Tierversuche gesetzlich vorgeschrieben sind, heißt es beispielsweise von der Tierschutzorganisation Peta. Stattdessen wird sogar die „erfolgreiche Vorgehensweise“ gelobt, bestimmte Tierversuche „aufgrund der Dringlichkeit“ der Corona-Pandemie zu überspringen und klinische Studien mit Menschen parallel durchzuführen.

Die Regel „Jabs for Jobs“, die zahlreiche Unternehmen angekündigt hatten, einzuführen, pries Außenminister Dominic Raab vergangenen Donnerstag (29. Juli 2021) als „kluge Maßnahme“. Das Büro von Premierminister Boris Johnson* ruderte etwas zurück und betonte, dass die Entscheidung bei den jeweiligen Unternehmen liege. Für den Gesundheits- und Pflegebereich wurde entsprechende Gesetzgebung, die zu einer Corona-Impfung verpflichtet, bereits vom Parlament verabschiedet.

Jeanette Rowley von der „Vegan Society“ berichtet, etwa 100 Nachrichten von Veganerinnen und Veganern erhalten zu haben, die wegen der Corona-Impfung Bedenken hätten und sich deshalb Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen würden. „Sie sind psychologisch sehr betroffen, weil sie sich diesem Dilemma stellen müssen.“ Allerdings habe sich die überwiegende Mehrheit „wegen der Verantwortung gegenüber den Menschen“ für eine Impfung entschieden.

Corona-Impflicht in Großbritannien: Vegan lebende Menschen ausgenommen? Rechtliche Brisanz

Die Rechtsanwältin Clare Chappell geht davon aus, dass die Regelung in den kommenden Monaten und Jahren für viel Streitigkeiten sorgen wird. „Irgendein Impfgegner wird irgendwann einmal behaupten, dass es eine philosophische Überzeugung sei, gegen Impfungen zu sein.“ Der Telegraph berichtet, dass die Arbeitsgerichte ohnehin einen gewaltigen Arbeitsrückstand aufarbeiten müssen. Bevor es zu Entscheidungen zur Corona-Impfpflicht am Arbeitsplatz kommen kann, dürfte also noch eine lange Zeit vergehen. (lrg) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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