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Corona-Impfungen in Hausarztpraxen

Scharfe Kritik am Impfstart in Hausarztpraxen: „Der schlimmste Tag in meiner Praxis“

  • Sophia Lother
    VonSophia Lother
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Das Impfen in Hausarztpraxen hat begonnen, die Corona-Impfstatistik steigt sprunghaft an. Doch statt Lobeshymnen hagelt es vonseiten vieler Mediziner massiv Kritik.

Frankfurt – Der Impfstart in den Praxen der Hausärzte und Hausärztinnen in Deutschland soll ein großer Schritt im Kampf gegen die Corona-Pandemie sein. Seit Dienstag (06.04.2021) darf auch Praxis gegen das Coronavirus geimpft werden. Und die ersten Zahlen deuten auf eine erfolgreiche Maßnahme hin: Über zwölf Millionen Menschen haben laut Daten des Robert Koch-Instituts bis Freitag (09.04.2021) ihre Erstimpfung erhalten. Das sind zwei Millionen Menschen mehr als am Freitag der Vorwoche. Doch statt zu jubeln, machen viele Medizinerinnen und Mediziner ihrem Ärger Luft – und äußern massiv Kritik am Impfstart in Deutschland.

„Das war seit 20 Jahren der schlimmste Tag in meiner Praxis“, rekapituliert Hausarzt Thomas Aßmann aus Lindlar (Nordrhein-Westfalen) gegenüber der „Rheinischen Post“ den Tag des Impfstarts. Dabei habe der Mediziner selbst noch gar keine Corona-Impfstoff-Dosis erhalten. Statt zu impfen, sei er mit seinen Mitarbeitenden damit beschäftigt gewesen Abläufe in der Praxis zu organisieren – natürlich parallel zum ohnehin größeren Aufkommen an Feiertagen. „Meine Mitarbeiter sind am Ende, die wartenden Patienten knubbeln sich auf der Straße“, so der Arzt im Interview.

Corona-Impftstart in Deutschland – Kritik an praxisfernen Vorgaben der Bundesregierung

Der Organisationsaufwand für die Hausärztinnen und Hausärzte sowie ihre Teams ist enorm. Hinzu kommt die Unsicherheit, ob und wie viele Dosen überhaupt in der Praxis ankommen, erklärt Oliver Funken, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Nordrhein in einer Mitteilung. „Am Dienstagmorgen wussten viele Praxen noch nicht, wann der Impfstoff tatsächlich angeliefert wird. In einigen Regionen erhielten Hausärzte die Mitteilung, dass ihre bestellte Menge in der aktuellen Woche gar nicht angeliefert werden könne“, schildert der Vorsitzende das Problem.

Zwar seien viele Praxen gut vorbereitet und organisiert gewesen, doch das helfe nur wenig. „Immer wieder machen uns Politik und Behörden völlig praxisfern in letzter Minute neue Vorgaben oder ändern diese.“ Immer mehr nehme die Bürokratie Überhand, dabei stehe das Impfen im Fokus der hausärztlichen Arbeit, betont Funken.

Viele Hausärztinnen und Hausärzte kritisieren, wie der Corona-Impfstart in ihren Praxen in Deutschland abgelaufen ist. (Archivbild)

Corona-Impfstart: Bürokratie in Deutschland sorgt für Ärger in Hausarztpraxen

Die Bürokratie erschwert vielen Ärztinnen und Ärzten die Lage. Insgesamt 26 Abrechnungsziffern musste beispielsweise der Arzt Guido Pukies angeben – und das für nur 24 Corona-Impfdosen. Von diesem Papier-Dschungel berichtete der Mediziner einen Tag nach dem Impfstart dem „WDR“. Neben der Abrechnung stellt auch die Bestellung des Corona-Impfstoffs viele Praxen vor Herausforderungen. Wie Pukies weiter erzählte, benötigte er für das Ausfüllen der ersten Rezepte eineinhalb Stunden. Bei anderen Mitteln dauere dieser Vorgang meist nur wenige Sekunden. „Das sind alles Dinge, die sehr bedauerlich sind und die, die große Freude, die die Ärztinnen und Ärzte zunächst hatten schon ordentlich betrüben“, resümierte er.

Corona-Krise

Alles Wichtige zur Pandemie im kompakten Überblick in den Corona-News

Hinzu kommt noch die große Verunsicherung der Patientinnen und Patienten. Das Hin und Her über die Eignung des Astrazeneca-Impfstoffs macht vielen Menschen Angst. Daher müssen viele Hausärztinnen und Hausärzte für ihre Beratungen weitaus mehr Zeit einplanen – zusätzlich zum hohen bürokratischen Aufwand. „Es ist ärgerlich, dass den Ärzten solche Knüppel zwischen die Beine geschmissen werden“, erklärt Monika Baaken, Verbandssprecherin des Hausärzteverbands Nordrhein.

Das Impftempo in Deutschland lässt bislang zu wünschen übrig. Ein Hausarzt hat nun einen Corona-Impfplan aufgestellt – Wie täglich eine Million Menschen geimpft werden könnten. (slo)

Rubriklistenbild: © Andreas Arnold/dpa

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