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Impfpflicht für Pflegekräfte: Medien berichten über fragwürdige Job-Gesuche

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Von: Sandra Kathe

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Die sogenannte einrichtungsbezogene Corona-Impfpflicht ist bereits im Dezember beschlossen worden und soll zum 15. März 2022 in Kraft treten. (Symbolfoto)
Die sogenannte einrichtungsbezogene Corona-Impfpflicht ist bereits im Dezember beschlossen worden und soll zum 15. März 2022 in Kraft treten. (Symbolfoto) © Fabian Strauch/dpa

Hunderte Pflegekräfte planen laut Zeitungsinseraten in Deutschland einen Jobwechsel wegen der Impfpflicht. Doch einige Anzeigen scheinen Medienberichten zufolge fragwürdig.

Berlin - Ab Mitte März soll in Deutschland eine bundesweite Corona-Impfpflicht für Pflegeberufe gelten, doch einige Vertreter:innen der Berufsgruppe drohen mit Kündigung und Branchenwechsel. Nun tauchen vermehrt Inserate von Jobsuchenden in Tageszeitungen auf. Ihre Echtheit ist jedoch in einigen Fällen fragwürdig.

Das legt etwa ein Bericht von RBB-Journalist Andreas Rausch nahe, der für den Lokalsender in Berlin und Brandenburg versuchte, Kontakt mit den vermeintlichen Jobsuchenden aufzunehmen und seine Erfahrungen für das Portal rbb24.de niederschrieb. Anlass dazu sei eine Anzeigenseite in einem Bautzener Anzeigenblatt gewesen, auf der 126 Stellengesuche gelistet waren. Ihre Gemeinsamkeit: Alle kamen von Beschäftigten aus dem Gesundheitswesen, alle von Ungeimpften.

Häufung von Jobgesuchen Ungeimpfter wegen Corona-Impfpflicht: RBB-Journalist forscht nach

Nachdem Rausch ein Foto der Seite getwittert hatte, machten ihn Nutzer des Kurznachrichtendiensts darauf aufmerksam, dass es sich bei den Anzeigen zumindest zum Teil um Fälschungen handeln könnte. In einschlägigen Telegram-Gruppen sei zu solchen Aktionen aufgerufen worden. Rausch entschließt sich dazu, bei einigen der angegebenen Rufnummern anzurufen.

In 18 Fällen versucht er Kontakt aufzunehmen, in 18 Fällen scheitert er mit seinem Kontaktversuch. Der Journalist berichtet, dass einige Nummern unvollständig oder nicht vergeben seien. Bei einer Nummer, die eine Krankenschwester in ihrer Annonce angegeben hatte, sei ein Mann ans Telefon gegangen und hätte bei der Frage nach der Krankenschwester aufgelegt.

Stellenanzeigen im Fränkischen Tag wegen Corona-Impfpflicht: Häufung ist „ungewöhnlich“

Die Annoncenseite des Bautzener Anzeigenblattes ist deutschlandweit nicht die einzige, die zuletzt mit einer hohen Anzahl von Stellengesuchen Ungeimpfter auffiel. Mehrere Medien berichten derzeit über das Phänomen. So verzeichnete die Bamberger Zeitung Fränkischer Tag laut einer Meldung der Deutschen Presseagentur mehr als 50 Anzeigen am Samstag. „Diese Häufung von sich ähnelnden Inseraten ist ungewöhnlich. Das wirkte auf den ersten Blick fast wie abgesprochen“, sagte Gerhard Staudt, Teamleiter des Auftragsmanagements der Mediengruppe Oberfranken.

Der „Fränkische Tag“ berichtete, in einer Bamberger Chatgruppe von Gegnern der Corona-Maßnahmen seien ungeimpfte Pflegekräfte dazu aufgerufen worden, die Zeitung mit Stellenanzeigen zu „fluten“. Unwiderlegbare Beweise für einen Zusammenhang zu der Häufung ähnlich lautender Inserate gebe es aber nicht. Die Zeitung vermutet laut dem Bericht dennoch, dass der Anzeigenteil des Blattes „zu einem Feld der gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung über die Impfpflicht geraten sein“ könnte.

Corona-Impfpflicht für Pflegekräfte kommt im März: Droht Verschärfung des Pflegenotstands?

Dass es sich bei einigen Inseraten um Fälschungen handeln könnte, bedeutet allerdings nicht, dass sich zur Einführung der Impfpflicht die Probleme des Pflegenotstands nicht um ein Vielfaches verschärfen könnten. Seit Jahren klagen Beschäftigte in der Branche über schlechte Arbeitsbedingungen und schlechte Bezahlung, die Probleme der Corona-Pandemie haben die Lage in vielen Bereichen verschärft. Das Job-Portal Stepstone berichtete, dass im Dezember und Januar in einer aktuellen Untersuchung 42 Prozent der Beschäftigten in der Pflege angaben, dass sie auf der Suche nach einer neuen Arbeit seien.

Die sogenannte einrichtungsbezogene Corona-Impfpflicht ist bereits im Dezember beschlossen worden und soll zum 15. März 2022 in Kraft treten. Dann müssen Beschäftigte in Einrichtungen mit schutzbedürftigen Menschen wie Kliniken und Pflegeheimen nachweisen, dass sie gegen Corona geimpft oder von Corona genesen sind. In den vergangenen Tagen wurden aus den Ländern erste Forderungen laut, aufgrund der Zulassung des Impfstoffs von Novavax die Einführung der Impfpflicht noch um einige Wochen zu verschieben. (ska mit dpa)

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