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Coronavirus - Großbritannien
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Corona-„Pingdemic“ in Großbritannien: Tausende Beschäftigte müssen sich isolieren. Das sorgt für leere Regale in vielen Supermärkten.

„Pingdemic“

Corona-Chaos in Großbritannien: Hunderttausende in Isolation – Leere Supermarkt-Regale

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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Weil immer mehr Leute wegen Corona als Kontaktperson in häusliche Quarantäne geschickt werden, fehlt es in Großbritannien an Mitarbeiter:innen.

London – Täglich werden in Großbritannien aktuell zehntausende Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Hunderttausende werden als Kontaktpersonen benachrichtigt – und entsprechend in Quarantäne geschickt. Im ganzen Land wird das zum Problem. Denn nun fehlt es im öffentlichen Dienst und in Unternehmen an Mitarbeiter:innen. Auswirkungen sind bereits vielerorts zu spüren.

Daten des nationalen Gesundheitssystems NHS zeigen, dass fast 620.000 Beschäftigte im Einzelhandel in England und Wales per Corona-App „gepingt“ und aufgefordert wurden, sich in Isolation zu begeben. Schätzungen zufolge müssen derzeit rund 1,7 Millionen Britinnen und Briten in Quarantäne ausharren, da sie an Covid-19 erkrankt sind oder in Kontakt mit einer infizierten Person standen.

Corona in Großbritannien: „Pingdemic“ sorgt für Chaos und leere Regale im Supermarkt

Mehrere Supermarkt-Ketten entschuldigten sich am Donnerstag (22. Juli 2021) für teils leere Regale. Laut Richard Walker, Chef der Kette Iceland, fehle es derzeit an Personal, auch bei den Lieferketten. Es gebe jedoch genug Waren, heißt es. Sein Unternehmen müsse nun 2.000 temporäre Mitarbeiter:innen einstellen, erzählte er der BBC.

Die „Pingdemic“, wie das Phänomen von britischen Medien bezeichnet wird, hat eine Debatte darüber ausgelöst, ob vollständig Geimpfte der Quarantäne entgehen und sich stattdessen täglich testen dürfen. Ab Mitte August soll diese Regelung gelten. Viele Branchen, darunter der Einzelhandelsverband British Retail Consortium und die Fleischindustrie, fordern weitere Ausnahmen für ihre Beschäftigten. Diese gelten aktuell nur für Tätige im Gesundheitswesen und Teilnehmer:innen von Pilotprojekten.

Auch in anderen Bereichen gibt es Probleme. Die BBC berichtet, dass Mülltonnen teils nicht geleert werden. Die Polizei warnt vor längeren Wartezeiten, da sich viele Einsatzkräfte isolieren müssen. Zudem mussten viele Schulen wegen eines Mangels an Lehrkräften früher in die Sommerferien gehen. Bei der Post kann es zu Verzögerungen kommen. Zwei der größten Bahnbetriebsgesellschaften, Southern und Thameslink, müssen ihre Fahrpläne einschränken. Viele Leute sollen die Corona-Warnapp der NHS einfach von ihrem Handy gelöscht haben.

„Pingdemic“ sucht Großbritannien heim: 1,7 Millionen Menschen wegen Corona in Isolation

Angesichts der Aufhebung der meisten Corona-Maßnahmen in England seit Montag (19.07.2021) dürfte sich dieses Problem weiter verschärfen. Abstandsregeln und die Maskenpflicht sind weggefallen. Premierminister Boris Johnson geht davon aus, dass die Corona-Impfungen die Zahl der schweren Krankheitsverläufe und Todesfälle durch Covid-19 bremsen wird. Derzeit werden hohe Infektionszahlen registriert, vor allem durch die als hochansteckend geltende Delta-Variante des Coronavirus. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter. Am 21. Juli liegt der Wert bei 472,3 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner:innen.

Doch nicht nur die Corona-Krise scheint für die leeren Regale im Supermarkt verantwortlich zu sein. Auch die ungewöhnliche Hitze und der Brexit, der zum Jahresbeginn offiziell vollzogen wurde, tragen jeweils einen Teil dazu bei, wie Branchen-Experte Bryan Roberts der BBC erklärte. Verbände schätzen, dass bis zu 100.000 Lkw-Fahrer:innen fehlen. Diese kamen bislang vor allem aus Osteuropa.

Corona: Leere Regale in Großbritannien – Minister Kwarteng „besorgt“

Seit dem Brexit benötigen EU-Bürger:innen allerdings teure Arbeitsvisa, wenn sie in Großbritannien arbeiten wollen. Obst, Gemüse und weitere Frischwaren importiert Großbritannien hauptsächlich aus der EU. Hinzu kommen hohe Temperaturen von mehr als 30 Grad in England, die zu einem verheerenden Ausfall von Kühlregalen führten, sagte Roberts.

Corona-„Pingdemic“ in Großbritannien: Minister Kwasi Kwarteng sagt, dass es keinen Grund zur Panik gebe.

Minister Kwasi Kwarteng, zuständig für Energie, Geschäftsbeziehungen und industrielle Strategie, sei angesichts der drohenden Verschlechterung der Lage „besorgt“. Bilder von leeren Regalen sollen allerdings nicht den Eindruck erwecken, dass jeder Supermarkt im Land betroffen sei: „Das ist nicht der Fall“ und es bestehe kein Grund zur Panik, sagte er am Donnerstag. (lrg/dpa/afp)

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