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Gezielt mit Corona infiziert: Erste Ergebnisse nach umstrittener Studie

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Von: Stefan Krieger, Lukas Rogalla

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Während Leute versuchen, sich vor Corona zu schützen, haben Forschende in London Freiwillige gezielt damit infiziert. Nun liegen Ergebnisse vor. Was hat das Wagnis gebracht?

+++ 17.30 Uhr: Knapp ein Jahr nach Beginn einer umstrittenen Studie, bei der Freiwillige gezielt mit dem Coronavirus infiziert worden sind, hat das Londoner Imperial College erste Ergebnisse vorgestellt. „Aus wissenschaftlicher Sicht bieten diese Studien einen echten Vorteil, da der Zeitpunkt der Ansteckung immer genau bekannt ist und daher Dinge wie das Intervall zwischen dem Kontakt und der Art der Viruslast genau beschrieben werden können“, sagte Jonathan Van-Tam, ein medizinischer Berater der britischen Regierung, die die Forschung unterstützt hatte, am Mittwoch.

Unter Medizinethikern sind die sogenannten Human-Challenge-Studien jedoch äußerst umstritten. Die britische Studie gilt als weltweit erste, die im Zusammenhang mit Covid-19 auf diese Weise geforscht hat. Human Challenge Trials, bei denen gesunde Menschen einem Erreger ausgesetzt werden, kamen in der Vergangenheit zum Beispiel bei der Entwicklung von Grippe- und Malaria-Impfstoffen zum Einsatz. Allerdings wurde den Probanden dabei – anders als bei der britischen Studie – zunächst ein potenzieller Wirkstoff verabreicht.

Corona-Testlabor
Die ersten Ergebnisse einer umstrittenen Corona-Studie sind veröffentlicht worden. (Symbolbild) © Sebastian Kahnert/dpa

Den ersten Ergebnissen des Imperial College London zufolge, die in dieser Woche als noch nicht von Fachleuten begutachtete Preprint-Studie veröffentlicht wurden, soll die Inkubationsphase des Coronavirus kürzer sein als zuvor angenommen. Im Schnitt traten schon zwei Tage nach der Ansteckung bei Probanden Corona-Symptome auf. Allerdings beziehen sich die Ergebnisse nicht auf die Delta- oder Omikron-Variante, sondern auf früher verbreitete Varianten des Virus. Die Autoren sehen jedoch Potenzial für schnelle Erkenntnisse über weitere Varianten, den Ablauf der Ansteckung und Erkrankung sowie die Anpassung der Corona-Impfstoffe.

Umstrittene Corona-Studie: 30 Erwachsene gezielt infiziert

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung, die in dieser Woche als noch nicht von Experten begutachtete Preprint-Studie veröffentlicht wurde, ist, dass der Großteil der ausgeschiedenen Viruslast aus den Nasen der Probanden statt aus dem Rachen kam, wo diese schwächer ausfiel und schneller wieder abnahm. Die britischen Forscher leiten daraus ab, wie wichtig es ist, Masken auch über der Nase zu tragen.

Die Forscher träufelten gut 30 jungen, gesunden Erwachsenen, die zuvor weder geimpft waren, noch eine Infektion hinter sich hatten, in einer kontrollierten Umgebung eine niedrige Dosis ein. 16, also gut die Hälfte davon, infizierten sich. So auch Jacob Hopkins, der in den ersten Tagen noch nicht viel merkte, aber dann doch Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Grippe-Symptome bekam. Rund drei Wochen verbrachte er in einem hermetisch abgeriegelten Raum, rund um die Uhr überwacht und immer wieder getestet. Eigentlich habe er in der Zeit eine Sprache lernen wollen, erzählt Hopkins. Doch die Untersuchungen und Tests hätten dann doch viel Zeit gekostet. Hopkins ist keiner, der Covid-19 verharmlost. „Ich weiß, wie viel Schaden das angerichtet hat“, sagt er. Gerade deshalb wolle er helfen.

Corona: RKI meldet neue Höchstwerte – „Keine Entwarnung für Deutschland“

+++ 13.45 Uhr: In Dänemark werden die Corona-Regeln trotz hoher Fallzahlen abgeschafft. Die Lage in Deutschland sei aber nicht mit der im Nachbarland vergleichbar, behauptet der Virologe Christian Drosten. „Es gibt eine Sache, die sich erstmal nicht verändert hat. Das ist die Impflücke in Deutschland. Da kommen wir nicht so richtig vorwärts“, sagte er im aktuellen NDR-Podcast „Coronavirus-Update“.

Zuletzt sei die Impfrate sogar wieder gesunken. „Deswegen ist eben keine Entwarnung für Deutschland zu geben“, fügte er hinzu. Darüber hinaus warnt Drosten vor dem neuen Omikron-Subtypen BA.2.

Corona: Justizminister Buschmann stellt Lockerungen der Maßnahmen in Aussicht

Update vom Mittwoch, 02.02.2022, 11.35 Uhr: Die Corona-Fallzahlen in Deutschland steigen weiter. Doch zugleich werden Rufe nach Lockerungen der Maßnahmen laut. Nun hat Bundesjustizminister Marco Buschmann eine Rücknahme von Corona-Regeln für kommenden März in Aussicht gestellt. „Ich hoffe, dass im März viele Schutzmaßnahmen zurückgenommen werden können“, sagte der FDP-Politiker der Rheinischen Post. Voraussetzung sei, dass sich das Infektionsgeschehen so entwickle wie vom Robert-Koch-Institut prognostiziert „und ab Mitte Februar die Fallzahlen wieder sinken“.

„Und es setzt voraus, dass wir es nicht kurzfristig mit neuen Varianten des Virus zu tun bekommen, die die Lage wieder komplett verändern.“ Auf die Frage, welche Lockerungen er sich zurzeit vorstellen könne, sagte Buschmann: „Wir müssen beispielsweise hinterfragen, ob 2G im Einzelhandel noch begründbar ist.“ Aufgrund von Gerichtsentscheidungen gebe es Bundesländer mit und ohne diese Maßnahme. „Wir sollten diese Situation nutzen, um seriös zu prüfen, ob sich eine unterschiedliche Entwicklung beim Infektionsgeschehen und den Zuständen in den Krankenhäusern bei beiden Gruppen ergibt“, betonte der Minister.

Sollte sich das Infektionsgeschehen in den Ländern ohne 2G-Regelung nicht schlechter entwickeln als in den anderen Ländern, wecke dies Zweifel an der Geeignetheit und der Erforderlichkeit der Maßnahme. „Fehlt es einer Maßnahme aber an Geeignetheit und Erforderlichkeit, dann muss sie entfallen“, sagte Buschmann.

Corona-Fallzahlen in Deutschland: Überblick über Neuinfektionen, Todesfälle, Inzidenz

Erstmeldung vom Mittwoch, 02.02.2022, 03.58 Uhr: Berlin/Frankfurt – Seit Wochen meldet das Robert Koch-Institut (RKI) täglich Höchstwerte bei der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz in der Corona-Krise. Die Daten für den heutigen Mittwoch (02.02.2022) liegen jetzt vor.

TagNeuinfektionen | Todesfälle | Inzidenz
Mittwoch (02.02.2022)208.498 | 196 | 1227,5
Dienstag (01.02.2022)162.613 | 188 | 1206,2
Montag (31.01.2022)78.318 | 61 | 1176,8
Sonntag (30.01.2022)118.970 | 59 | 1156,8
Samstag (29.01.2022)189.166 | 182 | 1127,7
Freitag (28.01.2022)190.148 | 170 | 1073,0
Donnerstag (27.01.2022)203.136 | 188 | 1017,4
Mittwoch (26.01.2022)164.000 | 166 | 940,6
Dienstag (25.01.2022)126.955 | 214 | 894,3
Quelle: Robert Koch-Institut / RKI

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist erneut gestiegen und erreicht in Deutschland einen neuen Höchstwert von 1227,5. Am Vortag hatte das RKI die Inzidenz noch mit 1206,2 angegeben. Am Mittwoch vor einer Woche hatte der wichtige Kennwert in der Corona-Krise laut dem RKI bei 940,6 gelegen.

Information zu den Fallzahlen

Die Fallzahlen des RKI können von denen der einzelnen Bundesländer abweichen. Ein Grund dafür sind die längeren Übertragungswege zwischen RKI und den zuständigen Gesundheitsämtern. Das Covid-19-Dashboard des RKI kann darüber hinaus im Laufe des Tages angepasst werden.

Fachleute gehen von einer hohen und weiter steigenden Zahl von Fällen aus, die in den RKI-Daten nicht erfasst sind, unter anderem, weil Testkapazitäten und Gesundheitsämter vielerorts am Limit sind. Zudem melden einige Städte und Kreise seit Tagen Probleme bei der Übermittlung der Corona-Fallzahlen.

Wie das RKI unter Berufung auf Daten der Gesundheitsämter mitteilte, lag die Zahl der Neuinfektionen binnen 24 Stunden am Dienstagmorgen bei 208.498  – nach 78.318 am Montag und 126.955 am Dienstag vergangener Woche. Wie das RKI weiter meldet, wurden am Vortag 196 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus verzeichnet.

Abstrichproben aus Corona-Testzentren für die Untersuchung im PCR-Labor
Das RKI meldet täglich die Zahlen zur Pandemie in Deutschland. (Symbolbild) © Jens Büttner/dpa

Seit Pandemie-Beginn meldeten die Gesundheitsämter nach Angaben des RKI insgesamt 10.186.644 Infektionsfälle. Die Gesamtzahl der registrierten Corona-Toten in Deutschland liegt nun bei 118.170. Die Zahl der von einer Corona-Erkrankung genesenen Menschen in Deutschland beziffert das RKI auf rund 7.789.600.

Corona-Fallzahlen in Deutschland: Auch Hospitalisierungs-Inzidenz steigt

Als entscheidenden Maßstab für eine Verschärfung oder Lockerung der Corona-Maßnahmen hatten Bund und Länder im November 2021 die sogenannte Hospitalisierungs-Inzidenz festgelegt. Dieser Wert gibt an, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen wegen einer Corona-Infektion im Krankenhaus liegen. Die Zahl der in Kliniken gekommenen infizierten Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Mittwoch mit 4,77 an (Dienstag 4,59). Darunter können auch Menschen mit positivem Corona-Test sein, die eine andere Haupterkrankung haben. (skr/lrg/dpa/afp)

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