Deutschland

Corona in Deutschland: Harte Einschränkungen bis mindestens Ende des Jahres

  • Matthis Pechtold
    vonMatthis Pechtold
    schließen
  • Sophia Lother
    Sophia Lother
    schließen

In Deutschland breitet sich das Coronavirus weiter aus. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet auch nach November mit harten Einschränkungen. Der News-Ticker.

  • Die Infektionszahlen mit dem Coronavirus* haben sich in Deutschland innerhalb von fünf Wochen verdoppelt.
  • Eine Corona-Impfung könnte bald schon möglich sein – erste Vorschläge beinhalten, wer zuerst geimpft wird.
  • Ob der seit dem 2. November laufende zweite Teil-Lockdown effektiv gegen Corona ist, lässt sich derweil noch nicht sagen.

Update vom Donnerstag, 12.11.2020, 11.07 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht wegen der Corona-Pandemie auch über die aktuellen Maßnahmen im November hinaus von harten Einschränkungen aus. „Wir müssen es miteinander schaffen, durch diesen Winter insgesamt zu kommen mit niedrigeren Zahlen auf einem niedrigeren Niveau“, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag (12.11.2020) im RBB-Inforadio mit Blick auf die Infektionszahlen.

Veranstaltungen mit mehr als 10 bis 15 Personen wie Weihnachtsfeiern oder andere Geselligkeiten sehe er „in diesem Winter nicht mehr“. Wenn die Infektionszahlen zurückgehen sollten, „heißt das nicht, ab Dezember oder Januar kann es wieder richtig überall losgehen mit Hochzeitsfeiern oder Weihnachtsfeiern als wäre nichts gewesen“. Die Lage verlange Geduld: „Dieses Virus hat sehr lange Bremsspuren.“

Die Corona-Pandemie bringt auch hunderte Miet-Weihnachtsmänner in Deutschland um ihren Job.

Für eine Beurteilung der Effekte des derzeitigen Teil-Lockdowns wegen der Corona-Pandemie ist es aus Sicht des Robert Koch-Instituts (RKI) noch zu früh. Man müsse abwarten, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Donnerstag in Berlin. Wie schnell das Infektionsgeschehen abgebremst werden könne, hänge vom Verhalten der Menschen ab. Im Winter sei es schwieriger, weil man mehr Zeit in geschlossenen Räumen verbringe – das bedeutet bessere Bedingungen für Ansteckungen. „Wir müssen noch ein paar Monate die Pobacken zusammenkneifen“, sagte Wieler.

Spahn zu Corona in Deutschland: „Höher dürfen die Zahlen nicht steigen“

+++ 19.04 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet damit, dass sich die Zahl der auf Intensivstationen behandelten Corona-Patient:innen noch im November verdoppelt. „Wenn es über einen längeren Zeitraum täglich 20.000 Neu-Infizierte gibt und davon zwei Prozent jeweils 14, 15 Tage lang auf Intensivstationen behandelt werden müssen, werden wir jetzt im November wahrscheinlich noch über 6000 Covid-19-Patienten gleichzeitig auf unseren Intensivstationen sehen“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Donnerstagsausgabe).

Am Mittwoch (11.11.2020) meldete die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) deutschlandweit 3127 Corona-Patient:innen in intensivmedizinischer Behandlung. Das waren 68 mehr als am Vortag. Zu der von ihm erwarteten Zahl von mehr als 6000 Intensivpatient:innen sagte Spahn: „Höher dürfen die Zahlen nicht steigen. Falls doch, würden wir absehbar an einen Punkt kommen, an dem das Gesundheitssystem überfordert ist.“ Mit 6000 Corona-Patient:innen auf Intensivstationen könnten Ärzt:innen und Pflegekräfte umgehen - „aber nur unter sehr großem Stress.“ Deshalb müssten alle Kräfte in den Krankenhäusern zusammengezogen werden. „Es müssen wieder Operationen verschoben werden, Personal aus dem OP-Saal muss auf den Intensivstationen mithelfen.“ Einen Notfallmodus für Kliniken in Ballungsgebieten empfiehlt auch die DIVI.

Um die Kliniken zu entlasten, soll dem Zeitungsbericht zufolge der zuständige Beirat am Donnerstag Empfehlungen zu einem neuen Rettungsschirm abgeben. „Ziel ist es, dass Krankenhäuser keine wirtschaftlichen Nachteile haben, wenn sie sich um Corona-Patienten kümmern oder bereitstehen, um Patientinnen und Patienten aus anderen Krankenhäusern zu übernehmen“, sagte dazu Spahn.

Trotz Lockdown-Light: Gesundheitsminister Jens Spahn rechnet mit Anstieg der Corona-Toten

+++ 15.00 Uhr: Der Bundesregierung zufolge sei es derzeit noch unklar, ob der seit dem 2. November geltende Teil-Lockdown* erfolgreich gegen die Ausbreitung von Corona ist. „Ob das jetzt der Wellenbrecher war, wird sich noch zeigen müssen“, sagte stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Mittwoch in Berlin. Aktuell steigt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Virus zwar etwas langsamer als vorige Woche, flächendeckend verzeichnet das Robert-Koch-Institut (RKI) jedoch weiter in allen Bundesländern und Altersgruppen alarmierend hohe Infektionszahlen.

Auch die Zahl der Todesfälle steigt weiter stark an, zuletzt innerhalb eines Tages um 261 Tode auf insgesamt 11.767. So hoch war der Wert zuletzt Ende April. Gesundheitsminister Spahn macht angesichts dieser Zahlen klar, das man sich auf weiter steigende Zahlen einstellen müsse, bei der Belegung der Intensivbetten wie der an Covid-19 verstorbenen. Die aktuell verzeichneten Todeszahlen gehen laut Experten vor allem auf die Neuinfektionen vor einem Monat zurück. Im Oktober hat die Zahl der täglich neu mit Corona infizierten noch bei rund 4000 gelegen.

Die Corona-Lage in Deutschland: Es bleibt weiter ernst

Bundesinnenminister Horst Seehofer mahnt an, ein weniger dynamischer Anstieg der Fallzahlen sei kein Grund, jetzt die Disziplin im Kampf gegen das Virus zu verlieren. „Unterschätzen Sie nicht bei schweren Erkrankungen mit Covid-19, dass viele der schwer Erkrankten lebenslang Folgeschäden haben“, so Seehofer. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek* (CDU) zeigt sich derweil zufrieden damit, dass die Schulen bisher offen geblieben sind. Dass derzeit immer mehr Kinder an den Schulen in Deutschland in Quarantäne müssten, sei der Entwicklung geschuldet. Kommende Woche Montag berät sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wieder mit den Ministerpräsidenten der Länder über die Corona-Lage.

Mehr als 300 000 Schüler und bis zu 30 000 Lehrer befinden sich derzeit nach Angaben des Deutschen Lehrerverbandes in Quarantäne.

Corona in Deutschland: Impfpflicht laut Karliczek nicht geplant

+++ 13.30 Uhr: Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) räumt Bedenken um eine mögliche Impfpflicht aus. Diese sei nicht vorgesehen, gab sie in einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ zu verstehen. Zuletzt hatte das Mainzer Unternehmen „Biontech“ einen Durchbruch in der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Corona gemeldet. Karliczek setze stattdessen auf kontinuierliche Aufklärung der Bevölkerung über Wirksamkeit und Risiken einer Impfung. Die Menschen sollten sich selbstbestimmt entscheiden können, ob sie sich gegen Corona impfen lassen oder nicht. Gleichzeitig betonte sie, dass der Impfstoff laut aktuellen Prognosen erst kommenden Sommer flächendeckend zur Verfügung stehen werde. Auch SPD-Politiker und Mediziner Karl Lauterbach spricht sich in der „Rhein-Neckar-Zeitung“ gegen die Impfpflicht aus: Die Zahl derjenigen, die sich impfen lassen wollen, sei sehr hoch.

Anja Karliczek (CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung.

Corona in Deutschland: Scharfe Kritik an Jens Spahn wegen Überlastung in der Pflege

Update von Mittwoch, 11.11.2020, 10.10 Uhr: Der Präsident des Deutschen Pflegetags, Franz Wagner, übt scharfe Kritik an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)*. Dieser blockiere die Entlastung von Pflegekräften. Der Personalbedarf müsse endlich akkurat bemessen werden. Ein geeignetes Instrument dafür gebe es, auf dieses haben sich bereits der Deutsche Pflegerat, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Gewerkschaft Verdi geeinigt. Es werde jedoch von Spahn „seit Monaten ignoriert“, so Wagner in einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Mittwoch (11.11.2020).
Auch mit der Verteilung von Geldprämien für das Pflegepersonal nach der ersten Pandemiewelle zeigt sich Wagner, der auch dem Präsidium der neuen Bundespflegekammer angehört, im Interview unzufrieden. Mit solchen „symbolischen Gesten“ helfe man der Belegschaft nicht nachhaltig.

In der Kritik: Jens Spahn (CDU) verhindere die dringend nötige Entlastung von Pflegekräften.

+++ 20.13 Uhr: Mit der Verkündung des zweiten Lockdowns ging das Versprechen der Bundesregierung einher, die Gastronomie und weitere von erneuten Schließungen betroffene Betriebe finanziell zu unterstützen. Ein Volumen von 10 Milliarden Euro sollen die „Novemberhilfen“ haben. Beantragt werden können sie allerdings noch nicht, die entsprechende Homepage ist noch nicht fertig. „Derzeit erfolgt die nötige Programmierung des Antragsformulars durch den IT-Dienstleister des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie“, heißt es auf der Seite des Bundesfinanzministeriums auf die Frage, ab wann die Novemberhilfen beantragt werden können.

Dass die Überbrückungshilfe noch nicht beantragt werden kann, erntet Kritik von der Linkspartei im Bundestag. Zwei Wochen sei es her, dass Bund und Länder beschlossen haben, Restaurants und andere Unternehmen wegen rasant gestiegener Corona-Neuinfektionen im November zu schließen. „Dass die ‚Novemberhilfen‘ immer noch nicht beantragt werden können, dass das Wirtschaftsministerium nicht einmal die entsprechende Homepage programmiert hat, ist völlig inakzeptabel“, sagte Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Mittwoch, 11.11.2020). „Ich erwarte, dass die Bundesregierung endlich in die Puschen kommt und die Novemberhilfen nicht erst im Dezember kommen.“

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte vergangene Woche den Betrieben zugesagt, dass die Hilfen so schnell wie möglich fließen und Abschlagszahlungen möglichst bis Ende November erfolgen sollen. Die Anträge sollen über die bundeseinheitliche IT-Plattform der Überbrückungshilfe gestellt werden. Diese sollte noch entsprechend geändert werden.

Corona in Deutschland: AfD klagt gegen Maskenpflicht, Klinikum macht Platz für Patienten

Update von Dienstag, 10.11.2020, 11.20 Uhr: Abgeordnete der AfD-Faktion haben beim Bundesverfassungsgericht gegen die Maskenpflicht im Bundestag geklagt. Die Klage sei bereits am 4. November eingegangen, so ein Gerichtssprecher in Karlsruhe. Die insgesamt 19 Abgeordnete berufen sich darin auf ihre grundgesetzlich verbrieften Rechte, wie der Tagesspiegel am Dienstag (10. November) berichtet.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) erließ die Maskenpflicht am 6. Oktober für alle Gebäude des Bundestags. Abgeordnete und Mitarbeiter der AfD hatten sich seitdem mehrfach geweigert, der Allgemeinverfügung Folge zu leisten. Es gebe keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage, die eine Maskenpflicht rechtfertigen würde, so die Begründung der AfD. Außerdem habe Schäuble auch als Bundestagspräsident nicht das Recht, die Ausübung der Abgeordnetenrechte so weit zu einzuschränken. Mitarbeiter der Fraktion reichten auch bei Berliner Gerichten Klage ein, ein Eilverfahren läuft.

Auch im Bundestag gelten Maßnahmen, welche die Ausbreitung des Corona-Virus stoppen sollen.

+++ 19.12 Uhr: Das Klinikum Ludwigshafen schließt vorübergehend die Geburtshilfe, damit es mehr Covid-19-Patienten behandeln kann. Das teilte das Krankenhaus am Montag (09.11.2020) mit. „Auch wir erwarten eine wesentlich größere Belastung für unser Haus als in der ersten Phase im Frühjahr“, heißt es in der Mitteilung. In der Rhein-Neckar-Region sei das Klinikum Ludwigshafen Maximalversorger und spiele als Betreiber der Corona-Infektionsambulanz eine Schlüsselrolle. Zudem sei das städtische Klinikum die einzige medizinische Einrichtung in der Region, das Patienten unter Einsatz einer künstlichen Lunge mithilfe der sogenannten ECMO-Therapie behandeln könne. Und weiter: „Für uns heißt das: Konzentration auf unser Kerngeschäft und vor allem auf die Notfallversorgung.“ Andere Krankenhäuser gingen ähnliche Schritte, so das Klinikum.

Werdende Mütter sollen zeitweise im Marienkrankenhaus in Ludwigshafen betreut werden. Die eigene Geburtshilfe werde ihre Arbeit wieder aufnehmen, „sobald es der Pandemieverlauf zulässt“, heißt es in der Mitteilung des Klinikums. In Ludwigshafen hat die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus ebenso wie im restlichen Rheinland-Pfalz in den vergangenen Wochen drastisch zugenommen. Der Inzidenzwert liegt aktuell bei 120 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner je Woche.

Corona in Deutschland: CDU-Politiker Merz und Röttgen in Quarantäne

+++ 17.13 Uhr: Nach einer Parteiveranstaltung in Sachsen haben sich die beiden CDU-Vorsitzkandidaten Friedrich Merz* und Norbert Röttgen* sowie der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (ebenfalls CDU) vorsorglich in häusliche Quarantäne begeben. Sie hatten am Freitagabend (06.11.2020) gemeinsam mit weiteren CDU-Politiker:innen an einer Online-Konferenz der sächsischen Union teilgenommen. Dabei war auch Sachsens Regionalentwicklungsminister Thomas Schmidt (CDU). Er wurde am Sonntag positiv auf das Coronavirus getestet. Schnelltests fielen bei den drei Politikern negativ aus, wie Merz‘ Sprecher, eine Mitarbeiterin von Röttgens Abgeordnetenbüro und die sächsische Staatskanzlei am Montag mitteilten.

Auf einem Foto sind die fünf Politiker zu sehen, wie sie ohne Mundschutz um einen Tisch herum sitzen. Sie hätten gerade etwas gegessen und getrunken, hieß es von der sächsischen CDU. „Ansonsten wurde Maske im Raum getragen.“ Der Abstand hätte größer sein können, räumte der Landesverband ein. Merz und Röttgen sitzen auf dem Foto jeweils einen freien Sitzplatz von den drei Kabinettsmitgliedern entfernt. Medienberichten zufolge hat Ministerpräsident Kretschmer am Sonntag noch ein Pressebriefing abgehalten, obwohl er sich schon in häuslicher Quarantäne hätte befinden sollen.

Corona in Deutschland: Höchststand bei Corona-Infizierten auf Intensivstationen – DIVI-Präsident warnt

+++ 14.36 Uhr: Immer weiter breitet sich das Coronavirus in Deutschland aus. Innerhalb der letzten Wochen haben sich die Corona-Infektionszahlen im Land verdoppelt. Das bekommen auch die Krankenhäuser und Kliniken zu spüren. Die Anzahl an Intensivbetten, die von Infizierten belegt werden, hat einen neuen Höchststand erreicht. Nach Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) waren am Montag (9.11.2020) 3005 der Intensivbetten in Deutschland belegt. Das sind mehr als bei der ersten Corona-Welle im Frühjahr. Damals hatten lediglich 2933 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen gelegen.

Das Coronavirus breitet sich weiter rasant in Deutschland aus. Jetzt wurde ein neuer Höchststand bei der Belegung der Intensivbetten gemeldet.

Corona in Deutschland: Höchststand bei Belegung von Intensivbetten – DIVI-Präsident warnt

DIVI-Präsident Uwe Janssens hat beunruhigende Prognosen für die kommenden Wochen. Denn anders als bei der Spitze am 18. April werde diesmal kein Abflauen folgen, der Corona-Anstieg werde sich vielmehr vorerst fortsetzen, so Janssens. Der Grund sei, dass sich die jeweilige Zahl an Neuinfektionen erst verzögert in schweren Verläufen und schließlich in der Belegung der Intensiv-Stationen niederschlagen würde. „In vier Wochen werden wir die Folgen der Spitzenwerte jetzt sehen“, warnt Janssens.

Die Kliniken in Deutschland haben laut dem aktuellen DIVI-Tagesreport knapp 8400 freie Intensivbetten gemeldet (Stand 9.11.2020, 12.15 Uhr), bei denen sowohl ausreichend Technik als auch Personal zur Verfügung steht.

Verteilung der ersten Corona-Impfungen: Vorschläge für Personengruppen mit Priorität

Update von Montag, 9.11.2020, 12.05 Uhr: Auf der Bundespressekonferenz haben der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx sowie der Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Gerald Haug, über eine Verteilung einer Corona-Impfungen in Deutschland gesprochen und ihr Positionspapier zum Thema präsentiert.

Wer soll zuerst gegen das Coronavirus geimpft werden? Fachleute aus der Wissenschaft stellen ihr Positionspapier zum Thema vor.

Corona-Impfungen in Deutschland: Fachleute präsentieren Vorschläge zur Verteilung

So sollen nach der Zulassung eines Corona-Impfstoffs in Deutschland ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen zuerst gegen das Coronavirus geimpft werden. Dasselbe gilt auch für Mitarbeiter:innen in Pflegeheimen, Krankenhäusern und in Schlüsselpositionen in der Gesellschaft sowie der öffentlichen Ordnung. Dazu sollen beispielsweise Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Gesundheitsämtern, Polizist:innen, Feuerwehrleute, Lehrende sowie Erzieherinnen und Erzieher gehören, erklärte die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats. Zudem sollten auch solche Personen priorisiert werden, die unter sehr engen Bedingungen lebten, wie beispielsweise in Obdachlosenheimen oder in Aufnahmeeinrichtungen für Asylsuchende.

Weiterhin sagte Buyx, dass die genaue Priorisierung in Sachen Corona-Impfung in Deutschland noch nicht abgeschlossen sei, denn dazu fehlten noch Daten. Dennoch betonte sie aber, dass „sehr alte Patienten (...) mit Abstand die höchste Risikokonstellation“ hätten.

Corona in Deutschland: Wer wird zuerst gegen das Coronavirus geimpft – Experten machen Vorschläge

Die Vorschläge der Wissenschaftler seien noch keine Entscheidung, wer bei einer Corona-Impfung priorisiert werde, wie der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission erläuterte. „Die Priorisierung muss von den Verantwortungsträgern der Politik festgesetzt werden auf Basis der Empfehlungen.“ Die letzte Priorisierung müssten diejenigen vor Ort treffen, „die die Spritze führen“, so Mertens.

Verteilung der ersten Corona-Impfungen - mehrere Vorschläge für Verteilung

Erstmeldung von Monatag, 9.11.2020: Berlin - Das Rennen um den Impfstoff gegen das Coronavirus ist in vollem Gange. In Deutschland, wie auch im Rest der Welt, arbeiten Fachleute fieberhaft an einem Impfstoff im Kampf gegen die Corona-Krise. Anfang nächsten Jahres könnte es nach Schätzung der Bundesregierung endlich so weit sein. Doch ist die Corona-Impfung erst einmal da, tauchen plötzlich viele weitere Probleme und drängende Fragen auf, die es zu beantworten gilt. Denn ein solcher Impfstoff wird zunächst nur in kleineren Chargen vorliegen. Aber wen zuerst gegen Corona impfen?

Auch die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, ist bei der Vorstellung des Positionspapiers zum Thema Corona-Impfung mit dabei (Archivbild).

Corona in Deutschland: Mit dem näherrücken des Impfstoffs stellen sich drängende Fragen

Noch bevor ein Impfstoff gegen das Coronavirus* vorliegt, will die Regierung in Deutschland beim Thema Impfstoff-Priorität vorankommen. Es sollen sogenannte „Vorranggruppen definiert werden“. Am Montag (9.11.2020) gegen 11 Uhr sollen in Berlin entsprechende Vorschläge vorgelegt werden.  Der Deutsche Ethikrat, die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina und die am Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelte Ständige Impfkommission planen dann, ein gemeinsames Papier zum Thema vorzulegen.

Währenddessen hat die deutsche Bundesregierung bereits durchblicken lassen, wer von ihrer Seite aus in Sachen Corona-Impfstoff im Fokus steht. Risikogruppen wie Vorerkrankte und Senior:innen sowie das Personal aus wichtigen Bereichen wie dem Gesundheitswesen stehen hier im Blick. In einem Video sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): „Ganz vorn dran sind natürlich Pflegekräfte, Ärzte und auch Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören. Das sind dann allerdings schon recht viele in unserem Land.“

Corona-Impfung in Deutschland: Welche Personengruppen haben beim Impfstoff Priorität?

Eine sehr ähnliche Priorisierung bei der Corona-Impfung in Deutschland sieht auch die Nationale Impfstrategie von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor. Diese verweist auf die Ständige Impfkommission. Das hat das Nachrichtenportal „ThePioneer“ berichtet. Am Montag soll es dem Bericht zufolge vom Corona-Kabinett beschlossen werden.

Der Nachrichtenplattform zufolge plant die Bundesregierung, dass die Corona-Impfungen zentral in einem webbasierten Datenportal dokumentiert werden sollen. Damit soll ein möglichst umfassender und aktueller Überblick darüber gelingen, welche Bevölkerungsgruppen bereits geimpft sind. Erfasst werden sollen nicht-personenbezogene Angaben wie Alter, Geschlecht, Wohnort und Impf-Indikation, außerdem Ort und Datum der Impfung sowie das Impfstoff-Produkt mit Chargennummer.

Deutschland: Corona-Impfstoff – Gesundheitsministerkonferenz berieten sich

Bereits am Freitag (6.11.2020) haben sich die Gesundheitsminister der Länder und Bundesressortchef Jens Spahn auf ein einheitliches und abgestimmtes Vorgehen zur Versorgung mit Impfstoffen geeinigt. So sieht der Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz vor, dass der Bund die Corona-Impfung beschafft und finanziert und die Länder Impfzentren einrichten. Die Impfdosen sollen dem Bevölkerungsanteil entsprechend an die Bundesländer in Deutschland verteilt werden. Weiterhin ist im Beschluss festgehalten, dass die Corona-Impfung freiwillig erfolgt.

Corona in DeutschlandInfektionszahlen mit dem Coronavirus
2. März203
1. April80.390
1. Mai163.333
1. Juni182.283
1. Juli195.493
1. August210.711
1. September245.873
1. Oktober296.632
1. November556.301
Quelle: RKI

Indes steigen die Corona-Zahlen in Deutschland weiterhin rapide an. Seit Sonntag (8.11.2020) wurden 13.363 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Insgesamt wurden sich seit Beginn der Pandemie im Land 671.868 Menschen positiv auf Corona getestet. Die 7-Tage-Inzidenz von Deutschland insgesamt, liegt auch bereits über der Marke von 100 und beträgt 139,0. (slo mit dpa) *merkur.de und fr.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktonsnetzwerks.

Der Schutz vor Corona kommt nicht schnell genug, sagt Virologe Hendrik Streeck*. Er kritisiert, dass Deutschland nach wie vor eine Strategie gegen die Pandemie fehle. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare