Dynamisches Infektionsgeschehen

Neue Corona-Verschärfungen ab nächster Woche? Sie könnten vor allem Kinder hart treffen

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    vonJoel Schmidt
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Um die Corona-Pandemie in Deutschland einzudämmen, haben Bund und Länder über eine Verschärfung der bestehenden Regeln beraten. Von den neuen Einschränkungen sollen auch Kinder betroffen sein.

  • Deutschland hat noch immer mit hohen Infektionszahlen mit dem Coronavirus zu kämpfen.
  • Um die Pandemie einzudämmen, soll in der nächsten Woche über eine Verschärfung der Corona-Regeln entschieden werden, die auch Kinder betrifft.
  • Alle Entwicklungen zur aktuellen Corona-Lage in Deutschland finden Sie im News-Ticker.

Berlin - Erst mal noch abwarten oder schon jetzt nachlegen im Kampf gegen die Corona-Pandemie? Diese Frage stellten sich Bund und Länder bei ihrer letzten Zusammenkunft am Montag (16.11.2020). Angesichts weiterhin hoher Infektionszahlen werden sich die Menschen in Deutschland aber vermutlich schon bald auf noch strengere Corona-Regeln im Alltag einstellen müssen. Besonders umstritten ist dabei die Forderung einer Verschärfung der Kontaktbeschränkung, die künftig auch schon für Kinder und Jugendliche gelten soll.

Corona in Deutschland: Verschärfte Regeln sollen Inzidenz-Wert senken

Erklärtes Ziel der Bundesregierung ist es, an einen Inzidenz-Wert von 50 heranzukommen, damit Kontakte von Corona-Infizierten wieder nachvollzogen werden können. Um dies zu erreichen, haben sich Bund und Länder bei ihrer Zusammenkunft am Montag (16.11.2020) darauf verständigt, am 25. November über eine ganze Reihe von möglichen neuen Corona-Verordnungen zu entscheiden. Dabei sollen auch einige Verschärfungen der bereits bestehenden Regeln diskutiert werden, die künftig ebenfalls für Kinder und Jugendliche gelten sollen.

Die Vorschläge für die anstehende Debatte über neue Corona-Verordnungen im Überblick:

  • Kontaktbeschränkungen: Der Aufenthalt in der Öffentlichkeit soll nach dem Willen des Bundes nur mit den Angehörigen des eigenen und maximal zwei Personen eines weiteren Hausstandes gestattet sein.
  • Private Treffen: Zur Senkung der Gefahr sollen sich auch Kinder und Jugendliche nur noch mit einem festen Freund in der Freizeit zu treffen. Auch private Zusammenkünfte sollen sich generell nur noch auf einen festen weiteren Hausstand beschränken.
  • Quarantäne: Der Bund empfiehlt allen Menschen mit Erkältungssymptomen und insbesondere bei Husten und Schnupfen, sich unmittelbar nach Hause in Quarantäne zu begeben und dort fünf bis sieben Tage zu bleiben.
  • Schutz von Risikogruppen: Besonders gefährdete Menschen wie Alte, Kranke oder Personen mit Vorerkrankungen sollen nach dem Willen des Bundes zum Schutz vor dem Coronavirus von Dezember an vergünstigte FFP2-Masken erhalten.
  • Impfzentren: Die Länder sind gehalten, ihre Impfzentren und -strukturen ab dem 15. Dezember so vorzuhalten, dass eine kurzfristige Inbetriebnahme möglich ist.
  • Nachverfolgung von Infektionen: Bei Corona-Ausbruchsgeschehen in einem bestimmten Cluster wie einer Schule oder einem Unternehmen sollen die Maßnahmen wie eine Quarantäne auch ohne positives Testergebnis angewendet werden.
  • Gesundheitsämter: Bis Ende des Jahres sollen die neuen digitalen Werkzeuge zur Erfassung der Infektionen in den Behörden deutlich stärker genutzt werden. Zudem soll die Corona-Warn-App fortwährend verbessert und mit neuen Funktionen angeboten werden.

Verschärfung der Corona-Regeln in Deutschland: Kritik an Einschränkungen für Kinder

Kinderärzt:innen und der Kinderschutzbund kritisieren indes den jüngsten Vorstoß der Ministerpräsident:innen und der Bundeskanzlerin, dass sich auch Kinder wegen der Corona-Pandemie derzeit nur mit einem bestimmten Freund oder einer Freundin treffen sollten. „Da Kinder bis zehn Jahre das Virus erwiesenermaßen deutlich seltener weitergeben, selbst wenn sie sich anstecken, ist die geplante Begrenzung auf einen Spielkameraden für diese Altersgruppe überflüssig und schädlich“, sagte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, am Donnerstag (19.11.2020) der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Eine neue Corona-Studie britischer Forscher:innen hat zudem Hinweise darauf gefunden, dass Kinder bereits vor einer Infektion mit Corona-Antikörpern ausgestattet sein könnten.

Nach Wünschen des Bundes sollen sich künftig auch Kinder nur noch mit einer Freundin oder einem Freund treffen (Symbolbild).

Corona in Deutschland: Kinder sollten sich nicht zwischen Freunden entscheiden müssen

Auch Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers rügte den geplanten Vorstoß, dass Kinder sich in der aktuellen Corona-Pandemie nur noch mit einem bestimmten Freund oder einer Freundin treffen sollten. „Da werden Kinder gezwungen, sich zwischen Freunden zu entscheiden. Es wird tränenreiche Zurückweisungen geben. Das ist unbarmherzig“, sagte er im Interview mit der „Passauer Neuen Presse“. Dafür gebe es aber keinen vernünftigen Grund. Die Kinder seien zusammen in der Schule und im Kindergarten, da müsse man auch ermöglichen, dass sie privat mehrere Freund:innen treffen.

Corona-Infektionsgeschehen in Deutschland: Noch keine Anzeichen für Trendumkehr

Auch nach Inkrafttreten des Teil-Lockdown fehlt es bislang weiterhin an deutlichen Anzeichen für eine Trendumkehr beim Corona-Infektionsgeschehen in Deutschland. So meldeten die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut (RKI) nach Angaben vom Donnerstag (19.11.2020) 22.609 neue Infektionen mit dem Coronavirus binnen 24 Stunden. Bundesweit lag die Inzidenz der letzten sieben Tage zuletzt bei 139 Fällen pro 100.000 Einwohner:innen (Stand: 18.11.2020). (Joel Schmidt mit dpa)

Rubriklistenbild: © David A.Williams/dpa

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