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Virologe Streeck kritisiert RKI-Entscheidung scharf – „Keine Studie, die das begründen kann“

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Das RKI meldet am Samstag (05.02.2022) erneut einen Anstieg der Corona-Inzidenz. Virologe Hendrik Streeck kritisiert die Verkürzung des Genesenenstatus durch das RKI.

+++ 21.47 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat sich hinter RKI-Chef Lothar Wieler gestellt. Für die Entscheidung des RKI, den Genesenenstatus auf drei Monate zu verkürzen, hatte es heftige Kritik gegeben, auch an Wieler als Person.

„Des Vertrauens der FDP kann sich Herr Wieler aber aufgrund dieser neuerlichen Verfehlung, die ja leider keinen Einzelfall darstellt, nicht mehr sicher sein“, sagte der designierte FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai dem Spiegel.

Auf die Frage, ob RKI-Chef Wieler noch das Vertrauen des Kanzlers genieße, sagte eine Regierungssprecherin „Ja“. Das berichtet Zeit Online. Auch Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen verteidigte Wieler. Der RKI-Chef verdiene Respekt und Dank für seinen „unermüdlichen und professionellen“ Einsatz in der Pandemie, schrieb Dahmen auf Twitter. „Seine Expertise ist von unschätzbarem Wert. Ohne ihn stünden wir heute viel schlechter da.“ An die FDP gerichtet schrieb Dahmen: „Wer verantwortlich ein Land regieren möchte, sollte verantwortlich mit der eigenen Exekutive umgehen. Menschen öffentlich „anzuzählen“ ist nicht nur unverantwortlich, sondern so geht man einfach nicht miteinander um!“

Streeck kritisiert RKI-Entscheidung scharf – „Keine Studie, die das begründen kann“

+++ 16.48 Uhr: Nach der Verkürzung des Corona-Genesenenstatus von sechs auf drei Monate durch das Robert Koch-Institut (RKI) geht die FDP auf Distanz zu RKI-Chef Lothar Wieler. Der designierte FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai sagte dem Spiegel: „Ich habe großen Respekt vor den Leistungen des RKI-Chefs Lothar Wieler in den vergangenen zwei Jahren während der Pandemie.“ Er fügte hinzu: „Des Vertrauens der FDP kann sich Herr Wieler aber aufgrund dieser neuerlichen Verfehlung, die ja leider keinen Einzelfall darstellt, nicht mehr sicher sein.“

Mit Wirkung vom 15. Januar hatte das RKI den Genesenenstatus überraschend von sechs auf drei Monate verkürzt. Kritisiert wird, dass diese Änderung durch das RKI vorher nicht angekündigt wurde. Viele Bürger verloren quasi über Nacht ihr Recht, in Restaurants, Bars oder in Fitnessstudios zu gehen. FDP-Fraktionschef Christian Dürr hatte daraufhin gefordert, dass künftig das Parlament wieder über den Genesenenstatus entscheiden soll.

Virologe Hendrik Streeck kritisiert die RKI-Entscheidung, den Genesenenstatus auf drei Monate zu verkürzen.
Virologe Hendrik Streeck kritisiert die RKI-Entscheidung, den Genesenenstatus auf drei Monate zu verkürzen. © Fabian Sommer/dpa

Virologe Streeck kritisiert RKI-Entscheidung scharf – „Keine Studie, die das begründen kann“

Auch der Virologe Hendrik Streeck kritisiert die RKI-Entscheidung scharf. „Das hat mich, milde ausgedrückt, geärgert“, sagte er dem Focus. „Es wird als Begründung auf die Wissenschaft verwiesen. Mir ist aber keine Studie bekannt, die diese Entscheidung begründen kann. Im Gegenteil: Nach allen Studien zu diesem Thema, die mir bekannt sind, weisen Genesene einen gleich guten oder zum Teil besseren Schutz auf als Geimpfte“, kritisiert der Virologe.

Corona-Lage in Deutschland: Labore zum PCR-Testmangel - Das ist „ein Skandal“

+++ 13.44 Uhr: Die PCR-Testkapazitäten in Deutschland sind ausgeschöpft - mit diesem Statement haben die Gesundheitsminister der Länder Ende Januar über eine Änderung der Teststrategie beraten. Wenn die Tests knapp werden, müsse priorisiert werden, war der einhellige Tenor. Sprich: Nur noch besonders vulnerable Gruppen sollten einen PCR-Test erhalten - wer nicht dazu gehört, soll dann trotz positivem Schnelltest keinen PCR-Test mehr erhalten. Doch ist das überhaupt notwendig. Ein Bericht der Welt zumindest legt nahe, dass in Deutschland die Kapazitäten bei PCR-Tests ziemlich schnell gesteigert werden könnte.

Die Welt-Redaktion hatte sich bei verschiedenen Laboren unter anderem in Berlin und Tübingen umgehört, in denen PCR-Tests zwar ausgeführt werden können - die aber nicht beziehungsweise nur wenige PCR-Tests außerhalb der wissenschaftlichen Arbeit durchführen dürfen. Grund dafür ist, dass die Tests von einem Arzt der richtigen Fachrichtung begleitet werden müssen. So schildert es Karsten Heidtke von der Atlas Biolabs GmbH in Berlin gegenüber der Welt. Allein sein Labor hätte die Kapazität, Tausende Tests pro Monat durchzuführen. Seiner Meinung nach hätten die PCR-Testengpässe in Deutschland verhindert werden können, wenn die Politik die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen hätte.

In Deutschland werden die Kapazitäten für PCR-Tests knapp, weshalb künftig priorisiert werden soll. Das halten Leiter von privaten Laboren für einen Skandal. Sie könnten die Testkapazitäten locker um 50 Prozent steigern, berichten sie. (Symbolbild)
In Deutschland werden die Kapazitäten für PCR-Tests knapp, weshalb künftig priorisiert werden soll. Das halten Leiter von privaten Laboren für einen Skandal. Sie könnten die Testkapazitäten locker um 50 Prozent steigern, berichten sie. (Symbolbild) © Matthias Balk/dpa/Symbolbild

Dirk Biskup, Geschäftsleiter des humangenetischen Labors CeGaT GmbH in Tübingen, geht sogar einen Schritt weiter. Er vermutet, dass an dem Ausschluss zahlreicher Labore ohne speziellen Facharzt, eine starke Lobby der „abrechnungsberechtigten Labore“ stecke: „Aus Sicht der Pandemie-Bekämpfung ein Skandal“, sagte er der Welt. Würde man alle humangenetischen Labore und Firmen, die sich mit PCR-Tests auskennen, einbeziehen, könnte man ihm zufolge die Kapazitäten ohne Qualitätseinbußen um 50 Prozent anheben, heißt es in dem Bericht weiter.

Corona-Lage in Deutschland: RKI registriert 217.815 Neuinfektionen - Inzidenz bei 1388,0

Erstmeldung vom Samstag, 05.02.2022, 6.37 Uhr: Berlin/Frankfurt - Auch am Samstag meldet das Robert Koch-Institut (RKI) einen weiteren Anstieg der bundesweiten Corona-Sieben-Tage-Inzidenz gemeldet und damit erneut einen Höchstwert. Das RKI gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner:innen und Woche mit 1388,0 an.

Am Vortag hatte der Wert bei 1349,5 gelegen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 1127,7 (Vormonat: 258,6). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 217.815 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.57 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche waren es 189.166 Ansteckungen.

Corona-Fallzahlen für Deutschland: Inzidenz steigt auf 1388,0

TagNeuinfektionen | Todesfälle | Inzidenz
Samstag (05.02.2022)217.815 | 172 | 1388,0
Freitag (04.02.2022)248.838 | 170 | 1349,5
Donnerstag (03.02.2022)236.120 | 164 | 1283,2
Mittwoch (02.02.2022)208.498 | 196 | 1227,5
Dienstag (01.02.2022)162.613 | 188 | 1206,2
Montag (31.01.2022)78.318 | 61 | 1176,8
Sonntag (30.01.2022)118.970 | 59 | 1156,8
Samstag (29.01.2022)189.166 | 182 | 1127,7
Quelle: Robert Koch-Institut / RKI
Ein Mitarbeiter hält in einem Corona-Testzentrum einen Corona-Schnelltest.
Offizielle Corona-Tests fließen in die Fallzahlen des RKI mit ein. Am Samstag (05.02.2021) steigt die Inzidenz weiter an. (Symbolbild) © Sebastian Kahnert/dpa

Experten gehen von einer hohen und weiter steigenden Zahl von Fällen aus, die in den RKI-Daten nicht erfasst sind, unter anderem, weil Testkapazitäten und Gesundheitsämter vielerorts am Limit sind. Zudem melden einige Städte und Kreise seit Tagen Probleme bei der Übermittlung der Corona-Fallzahlen.

Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 172 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 182 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 10.889.417 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der in Kliniken gekommenen Corona-infizierten Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Freitag mit 5,45 an (Donnerstag: 5,00). Darunter können auch Menschen mit positivem Corona-Test sein, die eine andere Haupterkrankung haben.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI am Samstag mit 8.016.000 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 118.676. (ktho/dpa)

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