Reisen wegen Reisewarnung erschwert

Wegen Corona gestrandet: Ein Schach-Großmeister steckt in Deutschland fest

Corona: Wegen einer weltweiten Reisewarnung kann ein Schach-Großmeister aus Serbien nicht zurück in seine Heimat reisen. Jetzt ist er obdachlos in Deutschland gestrandet.

  • Aufgrund einer weltweiten Reisewarnung kann ein Schach-Großmeister aus Serbien nicht mehr in seine Heimat reisen
  • Jetzt ist er in Zeiten von Corona obdachlos in Deutschland gestrandet.
  • Diese Brüder aus Hessen helfen dem Serben.

Korbach - Keine Reisen, bleiben Sie Zuhause! Dieser Aufforderung wäre Misa Pap zu Beginn der Corona-Krise Mitte März gern nachgekommen, aber er durfte wegen der Reisewarnung nicht mehr in seine Heimat. Zu diesem Zeitpunkt wurden die Grenzen in einigen europäischen Ländern geschlossen.

Und auch Serbien ließ den Serben nicht mehr rein. Obwohl Pap in Novi Sad ein Dach über dem Kopf hat, wurde der Schach-Großmeister von heute auf morgen in Zeiten von Corona obdachlos. Gestrandet in Deutschland, weil das internationale Turnier im bayerischen Bad Wörishofen noch zu Ende gespielt werden sollte.

Corona: Weltweite Reisewarnung - Reisen nicht mehr möglich

Existenzielle Fragen bauten sich plötzlich vor dem 41-Jährigen auf. Was tun? Wohin soll er jetzt reisen während Corona und der Reisewarnung? Da der Schachprofi schon für drei deutsche Vereine Turm und Läufer gezogen hat, gab es für ihn Anlaufstellen.

So erinnerte er sich auch an die Brüder Wolfgang und Dieter Käding von den Schachfreunden aus Korbach in der Nähe von Kassel. Für diesen Verein hatte Pap ab 2012 für drei Jahre auch in der Hessenliga gespielt. Danach kam jeweils eine Saison Bundesliga für Hansa Dortmund und Regionalliga für die Schachfreude aus Augsburg hinzu.

Name

Misa Pap

Geburtsdatum

01.05.1979

Wohnort

Novi Sad, Serbien

Turniersiege (international)

24

Corona: Reisen wegen Reisewarnung erschwert 

Sein Gefühl sagte dem internationalen Großmeister, dass er den besten Draht nach Korbach hat und so bat er die Kädings um Hilfe, da er nicht nach Serbien reisen konnte. Die Brüder benötigten nicht eine Sekunde Bedenkzeit und nahmen Pap in Zeiten von Corona auf. Es passte gut, dass Dieter Käding seine Wohnung in Korbach gerade nicht benötigte.

Schach ist ein Geduldsspiel und so kommt bei Pap, der nicht nach Serbien reisen kann, in dieser Zeit des Corona-Lockdowns fast nie Langeweile auf. „Ich konnte hier täglich viel trainieren“, erzählt der 41-Jährige der seinen Nachnamen seinem aus Ungarn stammenden Vater verdankt.

Weltweite Reisewarnung - Reisen in Zeiten von Corona kaum möglich 

Natürlich wird ihm auch die Frage gestellt, wie er bisher finanziell über die Runden gekommen ist. Aber seine Antwort überrascht: „Ich rede grundsätzlich nicht über Geld!“, da ist er konsequent. 

So hört man von ihm auch kein Wort über die Höhe der Spielergehälter in der Schach-Bundesliga und ob man in der höchsten spanischen Liga noch mehr oder weniger verdienen kann, in der sitzt Pap am Schachbrett.

Corona: Schach-Großmeister wegen Reisewarnung in Deutschland gestrandet

Er hat bislang 24 internationale Turniersiege eingefahren und einer davon gelang ihm 2012 in Korbach, wo er die Brüder Käding kennenlernte. Pap kann bei seinen Ausflügen in verschiedene europäische Ligen nicht nur sportlich, sondern meist auch sprachlich gut mithalten, denn der 41-Jährige spricht neben seiner Muttersprache sehr gut Englisch, Deutsch und Spanisch.

Corona: Reisen wegen Reisewarnung erschwert

Da Corona den Sport weitgehend matt gesetzt hat, haben Schachspieler gegenüber anderen Sportarten das Glück, dass sie zumindest gegen den Computer antreten können. Das Duell gegen den Rechner zählt natürlich auch zu den Trainingsinhalten von Pap, der wegen Corona nicht reisen kann. 

Er sitzt aber auch täglich mehrere Stunden am Spielbrett und zerbricht sich den Kopf darüber, neue Möglichkeiten zu finden, die sein Spiel variantenreicher und damit für den Gegner weniger gut durchschaubar machen.

Corona: Schach-Großmeister kann wegen Reisewarnung nicht nach Serbien reisen

Der Laie stellt sich dabei eine Frage: Kann ein Schachspieler überhaupt effektiv trainieren, denn er weiß ja nie, wie sein Gegenüber auf seinen Zug reagieren wird? „Ja, das kann er bis zu einem gewissen Punkt“, betont Pap, der wegen Corona nicht in seine Heimat reisen kann. 

Schachspieler könnten sich auf jeden einzelnen Gegner vorbereiten, dessen Stärken und Schwächen analysieren und so eine Taktik herausarbeiten. Dafür teilt er den Verlauf der Partie in drei Teile ein: die Eröffnung, das Mittelspiel und das Endspiel. 

Corona: Reisen derzeit erschwert - Schach-Großmeister trainiert weiter

Eine Trainingseinheit kann sich ausschließlich mit der Eröffnung beschäftigen. Sie umfasst etwa die ersten zehn bis 15 Züge einer Partie und endet nach der Entwicklung der Figuren.

Es gibt mindestens 50 verschiedene Eröffnungen und hunderte von Varianten ein Spiel zu eröffnen und all diese Anfangszüge haben auch einen Namen, etwa die Spanische Eröffnung, die Italienische oder Schottische. Sie tragen auch die Namen ihrer Erfinder, wie etwa die Réti-, Larsen- und Bird-Eröffnung.

Corona: Reisen nicht möglich - Schachmeister hat Eröffnungsstrategie erfunden

Die Pap-Eröffnung fehlt noch, aber er hofft, dass die von ihm erfundene Anfangsstrategie auch eines Tages in den Schachlehrbüchern auftauchen wird. Zumindest findet sich im Internet schon die nach ihm benannte Variante Misa Pap-Attack. 

Von rsm

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