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Gelber Stern mit „Ungeimpft“-Aufschrift: Berliner Polizei wertet Tragen als Straftat

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Von: Kerstin Kesselgruber

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Manche Impfgegnerinnen und Impfgegner tragen bei Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen gelbe Sterne, auf die das Wort „Ungeimpft“ geschrieben ist.
Manche Impfgegnerinnen und Impfgegner tragen bei Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen gelbe Sterne, auf die das Wort „Ungeimpft“ geschrieben ist. © Christophe Gateau/dpa

Wenn Menschen auf Demos einen gelben Stern mit der Aufschrift „Ungeimpft“ tragen, soll das künftig in Berlin nicht mehr straffrei bleiben. Die Polizei geht dagegen vor.

Berlin – Es ist nur eine der hässlichen Ausprägungen der Holocaust-Verharmlosung, die derzeit auf den Straßen in Deutschland zu sehen sind: Impfgegnerinnen und Impfgegner tragen bei Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen teilweise gelbe Sterne, auf welchen das Wort „ungeimpft“ zu lesen ist. Diese Sterne erinnern an die von den Nationalsozialisten eingeführten und „Judensterne“-Aufnäher, die Jüdinnen und Juden im Zweiten Weltkrieg in Deutschland gut sichtbar auf ihrer Kleidung tragen mussten. Die Demonstrierenden, häufig aus dem „Querdenker“-Milieu, stellen damit ihre vermeintliche Opferrolle in der Corona-Pandemie zur Schau. Und sie setzen ihre Lage mit dem Schicksal der Jüdinnen und Juden während des Völkermords durch die Nazis gleich.

Das Tragen dieser gelben „Ungeimpft“-Sterne soll in Berlin künftig nicht mehr straffrei bleiben. Wie eine interne Anweisung der Berliner Polizei besagt, wird diese Verharmlosung der Shoa nun als Straftat gewertet. „Beim Verwenden adaptierter ‚Judensterne‘ bei Versammlungen ist nunmehr grundsätzlich von einer Störung des öffentlichen Friedens auszugehen“, heißt es dort, wie der Tagesspiegel berichtet.

Corona-Proteste: Berliner Polizei soll Tragen von „Ungeimpft“-Sternen unterbinden

Polizistinnen und Polizisten sollen das Zeigen dieser Sterne in der Öffentlichkeit „grundsätzlich gefahrenabwehrend zur Verhinderung der Fortsetzung“ unterbinden. Die gelben Sterne sollen sichergestellt werden. Wie der Tagesspiegel weiter berichtet, rufe der Antisemitismusbeauftragte der Berliner Polizei dazu auf, „alles, was mit der Verharmlosung des Holocaust in Verbindung gebracht werden könnte“, zu ahnden.

In Frankfurt hatte die Polizei bereits Anfang Dezember einen Mann festgenommen, der einen „Ungeimpft“-Stern trug. Keine Davidsterne mit der Aufschrift „Ungeimpft“ zu zeigen, war auch Mitte Januar Auflage bei einer Demonstration.

Nicht nur bei Corona-Demos: Antisemitismus in Deutschland nimmt zu

Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hatte sich erst am Montag (24.01.2022) „beschämt“ über die Zunahme des Antisemitismus in Deutschland gezeigt. Sie äußerte sich bei einer virtuellen Veranstaltung der jüdischen Organisation B‘nai B‘rith International in Washington zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. „Terroristische Angriffe auf Synagogen, Hassrede, Juden, die eine Kippa tragen und deshalb auf offener Straße in Berlin angegriffen werden, und Menschen, die gelbe Sterne mit der Aufschrift ,ungeimpft‘ bei Demonstrationen tragen – all das ist unerträglich“, sagte sie in einer vorab aufgezeichneten Videobotschaft. „Wir reagieren auf solche Taten mit der ganzen Härte unserer Gesetze.“

Für die neue Bundesregierung bekannte sich Baerbock dazu, „die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten“. Sie kündigte einen verstärkten Kampf gegen Antisemitismus und gegen die Verfälschung des Holocaust in Deutschland ebenso wie im Ausland an. (kke/dpa)

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