Russland

Brand im Covid-19 Krankenhaus -  Beatmungsgeräte im Verdacht

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Mindestens fünf Menschen starben bei einem Brand in einem russischen Krankenhaus für Covid-19-Patienten. Nun wird untersucht, ob völlig veraltete Beatmungsgeräte das Feuer entfachten.

  • Bei einem Brand auf einer Intensivstation in Russland kommen fünf Menschen ums Leben 
  • Elf Covid-19-Patienten konnten gerettet werden 
  • Nun wird untersucht, ob veraltete Beatmungsgeräte die Ursache für den Brand waren 

Der Tod kam offenbar aus dem Respirator. „Eines der Beatmungsgeräte flammte förmlich auf, danach breitete sich sofort Rauch aus“, sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur Tass. Am Dienstagmorgen kamen bei einem Brand im Petersburger Sankt-Georgs-Krankenhaus fünf Menschen ums Leben. Die Flammen erfassten etwa zehn Quadratmeter einer Intensivstation, elf Covid-19-Patienten konnten gerettet werden, fünf kamen um.

Sie alle waren an Geräte zur künstlichen Beatmung angeschlossen. Laut Medienberichten starben vier von ihnen an Rauchvergiftung, einer erstickte, sein Beatmungsgerät soll ausgefallen sein. 150 Kranke konnten demnach in Sicherheit gebracht werden.

Russland: Strafverfahren wegen „fahrlässiger Tötung von zwei oder mehr Personen“

Schlimmeres wurde offenbar durch das schnelle Eingreifen des Pflegepersonals und der Löschmannschaften verhindert, die nach sechs Minuten eintrafen. Das Ermittlungskomitee von Sankt Petersburg hat ein Strafverfahren wegen „fahrlässiger Tötung von zwei oder mehr Personen“ eingeleitet.

Es sind nicht die ersten Covid-19 -Patientinnen und -Patienten, die in den vergangenen Tagen bei Bränden starben. Am Samstag kam bei einem Feuer in einem Moskauer Krankenhaus ein weiterer Patient ums Leben. Anfangs hieß es, persönliche Gegenstände eines Patienten seien in Brand geraten. Später sagte ein anonymer Beamter des Rettungsdienstes gegenüber Tass, auch hier habe ein defektes Beatmungsgerät Feuer gefangen.

In beiden Krankenhäusern soll nach Angaben des örtlichen Katastrophenschutzes ein Kurzschluss den Sauerstoff in den Apparaten entzündet und eine Stichflamme verursacht haben. Möglich seien an beiden Brandorten auch die Überlastung eines Beatmungsgerätes oder seine unsachgemäße Bedienung als Brandursache.

Wladimir Putin: Produktion von Beatmungsgeräten sollten gesteigert werden 

Der staatliche TV-Sender NTW berichtet unter Berufung auf eine Polizeiquelle, beide Apparate seien in der Uraler Instrumentenfabrik bei Jekaterinburg hergestellt worden. Das Sankt-Georgs-Krankenhaus hatte laut dem Rechercheportal fontanka.ru vergangenen Monat bei der Fabrik 237 Beatmungsgeräte für umgerechnet fünf Millionen Euro gekauft.

Ende April hatte Präsident Wladimir Putin verkündet, Russland werde die Produktion der Apparate zur künstlichen Beatmung von knapp 70 Stück im Januar auf 2500 im Mai steigern. „Diese Eile kann Probleme schaffen“, kommentierte das sibirische Portal 4-S Info – Defekte und Kurzschlüsse seien nicht auszuschließen.

Russland: „Zu sagen, es gäbe genügend Geräte, wäre geheuchelt“

Der Duma-Abgeordnete und Mediziner Alexej Kurinny aber sagte gazeta.ru, vielleicht handle es sich bei den Geräten aus der Uraler Fabrik um alte Beatmer. „Zu sagen, es gäbe genügend Geräte, wäre geheuchelt.“ Die Krankenhäuser seien gezwungen, uralte ebenso wie ganz neue Apparate zu verwenden.

Mitte April meldete die Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“, ein Krankenhaus in Wladimir sei mit 50 Beatmungsgeräten beliefert worden, deren Haltbarkeitsdauer vor 15 Jahren ausgelaufen sei. Wenig später zitierte das Nachrichtenportal koza.press David Melik-Gusseinow, Vizegouverneur des Nischegorodsker Gebiets, 300 Apparate aus den Beständen der Region hätten sich als defekt erwiesen.

Igor Moltschanow, Chefanästhesist des Gesundheitsministeriums, versichert jedoch, ihm sei kein Fall bekannt, bei dem in Russland je ein Atmungsgerät in Brand geraten sei – „vielleicht war ja eine Steckdose kaputt“. Nun überprüft die Aufsichtsbehörde Rossdrawnadsor die Qualität der Beatmungsgeräte in beiden Krankenhäusern.

Von Stefan Scholl 

Kaum gibt es in Russland erste Lockerungen, gibt es wieder einen prominenten Corona-Fall. Diesmal im engsten Umfeld von Kremlchef Wladimir Putin. Der News-Ticker.

Rubriklistenbild: © Dmitry Lovetsky/AP/dpa

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