Corona-Pandemie

Frankreich registriert erneut 16.000 Coronavirus-Neuinfektionen

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    Lukas Rogalla

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Frankreich erreicht einen neuen Höchststand. Besonders in Paris ist die Lage verheerend. Krankenhäuser werden auf eine „große Welle“ von Patienten vorbereitet.

  • Frankreich meldet eine Rekordzahl an Neuinfektionen mit dem Coronavirus.
  • Die Gesundheitsbehörden in Paris warnen die Krankenhäuser vor neuen Intensivpatienten mit Covid-19.
  • Präsident Macron kündigt weitere Maßnahmen an.

Update vom Montag, 12.10.2020, 05:15 Uhr: Die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen steigt in Frankreich weiter dramatisch an. Am Sonntag lag sie nach Angaben der Behörden bei mehr als 16.000 binnen 24 Stunden. Die Zahl der Coronavirus-Patienten auf den Intensivstationen wuchs auf 1483 und damit den höchsten Stand seit Mai.

Am Samstag hatte die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen in Frankreich sogar bei fast 27.000 gelegen. Aufgrund der stark steigenden Zahlen soll die höchste Corona-Warnstufe ab Dienstag auch in den Großstädten Toulouse und Montpellier gelten.
Diese Warnstufe wird ausgerufen, wenn die Schwelle von 250 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen überschritten wird, ferner diese sogenannte Inzidenz bei den über 65-Jährigen bei mehr als 100 liegt und wenn zudem 30 Prozent der Intensivbetten in einer Region belegt sind. Mit der höchsten Warnstufe treten strikte Schutzmaßnahmen in Kraft: Bars und Sporthallen müssen schließen, Restaurants dürfen nur unter Auflagen offen bleiben.

Die höchste Warnstufe gilt bereits seit Samstag in Lyon, Grenoble, Saint-Etienne und Lille. Zuvor war sie bereits für Paris und die südfranzösischen Städte Marseille und Aix-en-Provence sowie für das Überseegebiet Guadeloupe in Kraft getreten.

Gesundheitsbehörde in Paris warnt Kliniken vor „sehr großer Welle“

Update vom Donnerstag, 8.10.2020, 14.50 Uhr: Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus hat in Frankreich einen neuen Höchststand erreicht. Innerhalb von 24 Stunden wurden fast 19.000 Fälle registriert. Das teilte die nationale Gesundheitsbehörde am Mittwochabend mit. Emmanuel Macron hat weitere Einschränkungen für das öffentliche Leben angekündigt. Städte wie Lyon, Grenoble, Lille und Toulouse könnten betroffen sein. Reisebeschränkungen schloss der Präsident vor den Herbstferien ab dem 17. Oktober allerdings aus. Gesundheitsminister Olivier Véran und Wirtschaftsminister Bruno Le Maire werden sich voraussichtlich um 18.00 Uhr in einer Pressekonerenz äußern.

In ganz Frankreich werden derzeit mehr als 1.400 Covid-19-Patienten auf der Intensivstation behandelt. Es starben nach offiziellen Angaben 80 weitere Menschen innerhalb eines Tages. Damit liegt die Gesamtzahl der Todesfälle bei mehr als 32.400. Vor allem in der Hauptstadt Paris ist die Lage derzeit besorgniserregend. Die regionale Gesundheitsbehörde warnt vor einer „sehr großen Welle“ von Corona-Patienten und rief zur Mobilisierung der Gesundheitskräfte auf. 40 Prozent der Intensivbetten in der Stadt seien bereits belegt. Direktor der Gesundheitsbehörde, Aurélien Rousseau sagte, die Krankenhäuser sollten „alle Kräfte in die Schlacht schicken“. In Paris gilt derzeit die höchste Warnstufe. Mehr als 270 Leute haben sich pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen mit dem Coronavirus infiziert.

Vor allem in Paris vermeldet Frankreich viele Infektionen mit dem Coronavirus.

Corona in Frankreich: Bars in Paris müssen schließen

+++ 12.47 Uhr: Didier Lallement, Polizeipräfekt von Paris, hat neue Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie angekündigt. Wie der Nachrichtensender „France 24“ berichtet, werden Bars mindestens für die nächsten zwei Wochen geschlossen bleiben, sowie Clubs und Tanzsäle. Auch Studentenpartys und Feste sind untersagt. Restaurants dürfen nur öffnen, wenn strikte Hygieneregeln eingehalten werden, ebenso wie kulturelle Einrichtungen wie Museen und Kinos.

Fitnessstudios müssen jedoch schließen. Jegliche Messen und ähnliche Veranstaltungen in Paris werden abgesagt. Im öffentlichen Bereich dürfen sich nur noch maximal 10 Leute ansammeln. Der Verkauf von Alkohol zum Mitnehmen, sowie der Konsum auf der Straße bleiben ab 22 Uhr verboten. Sportveranstaltungen dürfen vor maximal 1.000 Zuschauern ausgetragen werden, oder einer Auslastung von 50 Prozent, je nachdem, welche Zahl niedriger ist.

Die Corona-Maßnahmen in Paris werden wieder verschärft.

„Die Epidemie schreitet zu schnell voran. Wir müssen jetzt auf die Bremse treten, bevor das Gesundheitssystem überfordert wird“, mahnte Lallement. Mehr als 250 von 100 000 Menschen haben sich in Paris in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus infiziert. Auch unter den über 65-Jährigen ist die Zahl besorgniserregend hoch. Die verschärften Corona-Maßnahmen treten ab Dienstag in Kraft. Nach den kommenden zwei Wochen soll die Lage erneut bewertet werden.

Corona in Frankreich: Strikte Maßnahmen in Paris

+++ 9:42 Uhr: Wegen der weiter steigenden Corona-Infektionszahlen wird in Paris die höchste Warnstufe verhängt. Bars und Cafés müssen ab Dienstag (06.10.2020) in Paris geschlossen bleiben, Restaurants dürfen geöffnet bleiben. In einem Interview äußerte sich hierzu Innenminister Gérald Darmanin und räumte ein, dass dies die Menschen „hart“ treffen werde. „Wir sind Franzosen - wir lieben es zu trinken, essen, leben, lachen und einander zu küssen“, sagte er. „Wir tun das aber auch, weil die Menschen das von uns wollen.“

Laut einer vom Sender BFM zitierten Umfrage befürworten 61 Prozent der Bewohner des Großraums Paris eine komplette Schließung von Bars. Nähere Angaben sollen am Montag die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo und Polizeipräfekt Didier Lallement machen, wie die Regierung weiter mitteilte. Hidalgo sprach am Sonntag von einer „sehr ernsten“ Gesundheitssituation.

Paris droht die höchste Corona Warnstufe.

Corona-Lage in Frankreich: „Maximale Alarmstufe“ in Paris

+++ 22.42 Uhr: Wegen der sehr angespannten Corona-Lage soll in Paris und der direkten Umgebung am Montag die „maximale Alarmstufe“ ausgerufen werden. Neue Sicherheitsmaßnahmen könnten unter anderem die Schließung von Cafés auslösen, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf das Amt des französischen Regierungschefs Jean Castex. Restaurants könnten mit verstärkten Corona-Vorsichtsmaßnahmen hingegen offen bleiben.

Überraschend kommt der Schritt nicht. Gesundheitsminister Olivier Véran hatte bereits Ende der zurückliegenden Woche gesagt, dass sich die Lage in der Hauptstadt und den Vorstädten zuletzt rapide verschlechtert habe.

Corona in Frankreich: Neue Maßnahmen sollen zunächst 15 Tage gelten

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie gilt die „maximale Alarmstufe“ bisher im französischen Überseegebiet Guadeloupe und in Marseille. In der südfranzösischen Hafenstadt mussten die Restaurants und Bars daher bereits schließen - dagegen hatte es massiven Protest gegeben. In Paris müssen Bars bisher um 22 Uhr schließen, Restaurants dürfen auch länger geöffnet bleiben. Allerdings dürfen sie Alkohol nur im Zusammenhang mit einer Mahlzeit ausschenken.

Die neuen Maßnahmen sollen am Montag von der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo vorgestellt werden und zunächst 15 Tage gelten, berichtete die Agentur.

Frankreich registrierte im ganzen Land innerhalb von 24 Stunden 12 565 Corona-Neuinfektionen, wie die Behörden am Abend mitteilten. Einen Tag zuvor waren es 16 972 Neuinfektionen gewesen, also deutlich mehr. Frankreich ist von der Covid-19-Pandemie schwer getroffen, über 32 000 Menschen starben bisher.

Corona: Infektionen in Frankreich auf Höchststand – Paris droht finale Warnstufe

Update von Sonntag, 04.10.2020, 16.30 Uhr: In vielen Teilen Europas spitzt sich die Corona-Krise derzeit drastisch zu. Frankreich ist besonders hart getroffen. Fast 17.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus innerhalb von nur 24 Stunden meldete das Land am Samstag (03.10.2020). So viele Corona-Neuinfektionen gab es in Frankreich bisher noch nie. Insgesamt sind nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität in Frankreich insgesamt 629.509 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. 32.171 Menschen starben in Zusammenhang mit einer Infektion (Stand 04.10.2020, 15.56 Uhr).

Paris droht die höchste Corona Warnstufe.

Corona in Frankreich: Paris droht die maximale Warnstufe

Mit am stärksten betroffen ist Paris. Hier drohen ab Montag weitere Verschärfungen der Corona-Maßnahmen, denn die maximale Corona-Warnstufe ist fast erreicht. Diese liegt vor, wenn die Corona-Infektionszahlen auf 250 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner steigen und die Inzidenzrate bei älteren Menschen auf mehr als 100 Fälle pro 100.000 Einwohner kommt. Auch muss der Anteil der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen 30 Prozent betragen, so das Gesundheitsministerium von Frankreich. Die beiden letzten Kriterien sind für die Stadt bereits erfüllt.

Erreicht Paris die finale Corona-Warnstufe, dann würden dort beispielsweise Bars und Restaurants wieder schließen müssen. Auch alle öffentlich zugänglichen Gebäude, die kein strenges Gesundheitsprotokoll eingeführt haben, wären von den Schließungen betroffen. Der Ernstfall ist in zwei Regionen Frankreichs bereits eingetreten. Guadeloupe, ein französisches Überseedepartement im südlichen Karibischen Meer und die Millionenmetropole Marseille sind in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden.

Corona: Schottland und Teile der Niederlande zu Risikogebieten erklärt

Update vom Samstag, 03.10.2020, 08.00 Uhr: Die Bundesregierung hat ganz Schottland, Nordengland und fast die ganzen Niederlande zu Corona-Risikogebieten erklärt und warnt nun vor touristischen Reisen dorthin. Die Risikoliste des Robert Koch-Instituts (RKI) und die Reisehinweise des Auswärtigen Amts wurden entsprechend aktualisiert.

In den Niederlanden kamen unter anderem vier Regionen an den Grenzen zu Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen hinzu: Groningen, Drenthe, Gelderland und Overijssel. Limburg ist die einzige Grenzregion zu Deutschland, die noch nicht betroffen ist. Außerdem ist noch Zeeland an der Nordseeküste ausgenommen. Bisher waren erst drei von zwölf niederländischen Provinzen als Risikogebiete eingestuft.

Die Bundesregierung hat ganz Schottland zum Risikogebiet erklärt.

In Großbritannien wurden mit Wales und Nordirland bereits am Mittwoch die ersten Regionen auf die Risikoliste des RKI gesetzt. Am Freitag kamen Schottland und die drei nordenglischen Regionen North West, North East und Yorkshire and the Humbers hinzu.

Unter dem Strich bleiben nur noch zwölf Länder übrig, für die weder vor Reisen gewarnt noch von ihnen abgeraten wird: Italien, Griechenland, Zypern, Malta, Polen, Schweden, Slowakei, Georgien, Liechtenstein, San Marino, Monaco und der Vatikan.

Corona: Fast ganz Frankreich jetzt Risikogebiet - auch Belgien und Island betroffen

Update 01.10.2020, 05:20 Uhr: Angesichts der deutlich gestiegenen Coronavirus-Infektionszahlen in Europa hat die Bundesregierung weitere Regionen der EU zu Risikogebieten für Reisende erklärt, darunter die gesamten Länder Belgien und Island. Auch weitere Gebiete Frankreichs wurden am Mittwochabend als Risikogebiete eingestuft. Das Auswärtige Amt erließ entsprechende Reisewarnungen.

Insgesamt gelten die Neueinstufungen als Risikogebiete für Regionen in zehn EU-Staaten, wie das Robert Koch-Institut (RKI) mitteilte. Dazu gehören auch Teile von Großbritannien, nämlich ganz Nordirland und Wales. In Irland wurde das Grenzgebiet zu Nordirland derart eingestuft.

In Marseille demonstrieren Gastronomen gegen die neuen Corona-Beschränkungen.

In Frankreich gilt die Einstufung als Risikogebiet und damit die Reisewarnung inzwischen für den größten Teil des Landes. Davon ausgenommen bleibt nur noch die an Deutschland angrenzende Region Grand-Est, zu der das Elsass und Lothringen gehören.

In Frankreich war die Zahl der Neuinfektionen mit dem neuartigen Coronavirus am Mittwoch wieder auf mehr als 10.000 gestiegen. Die Gesundheitsbehörden gaben 12.845 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden bekannt, nach rund 8000 am Dienstag.

Corona: Tschechien und Slowakei rufen den Notstand aus

+++ 21.34 Uhr: Die Bundesregierung hat wegen deutlich steigender Corona-Infektionszahlen nun für ganz Belgien eine Reisewarnung ausgesprochen. Das geht aus den am Abend aktualisierten Reisehinweisen des Auswärtigen Amts hervor.

+++ 19:28 Uhr: In Tschechien und der Slowakei haben die Regierungen einen neuen Notstand wegen stark steigender Infektionszahlen ausgerufen. Das berichtete die Nachrichtenagentur AFP am Mittwochabend. Der Notstand soll in Tschechien ab kommender Woche gelten, für die Slowakei schon ab Donnerstag.

Tschechien und Slowakei rufen in Folge schnell steigender Infektionszahlen den Notstand aus

Die Teilnehmerzahlen von Veranstaltungen sollen in Tschechien strikt begrenzt werden, Opern und Musicals komplett verboten werden. Auch Fans von Sportveranstaltungen dürfen die Stadien nicht mehr betreten. Weiterführende Schulen in besonders gefährdeten Gebieten werden wieder geschlossen.

In der Slowakei soll ab morgen die Maskenpflicht auch im Freien gelten, wenn ein Mindestabstand nicht einzuhalten ist. Großveranstaltungen werden auf maximal 50 Teilnehmer begrenzt. Die Regelungen bleiben vorerst bis November in Kraft, teilte Regierungschef Igor Matovic mit.

Zu Beginn der Pandemie hielten die beiden Länder durch rasche Gegenmaßnahmen die Ausbreitung des Coronavirus unter Kontrolle. Vor den Sommerferien hoben sie jedoch einen Großteil der Beschränkungen wieder auf. Inzwischen steigen die Infektions- und Todesfälle wieder deutlich an.

Update 30.09.2020, 05:20 Uhr: In Großbritannien sind am Dienstag zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie mehr als 7000 neue Corona-Fälle gezählt worden. Insgesamt gab es 7142 Neuinfektionen, wie die zuständige Regierungsbehörde mitteilte. Zudem verdoppelte sich die Zahl der neuen Todesfälle innerhalb einer Woche: Lag die Zahl der Todesfälle mit einer Corona-Infektion in der vergangenen Woche noch bei 37 Fällen an einem Tag, waren es am Dienstag 71 Todesfälle. Auch die Zahl der Corona-Patienten in Krankenhäusern stieg merklich an.

In England gilt wieder die frühe Sperrstunde in Restaurants und Pubs.

Angesichts der stark steigenden Zahlen gelten in großen Teilen des Landes wieder schärfere Schutzmaßnahmen: So dürfen sich im Nordosten Englands, aber auch in Nordirland und Schottland bis auf wenige Ausnahmen keine Angehörige verschiedener Haushalte mehr treffen. In England müssen Pubs und Restaurants um 22 Uhr schließen.

Tschechien, Luxemburg und Tirol zu Risikogebieten erklärt

Update vom Freitag, 25.09.2020, 19.21 Uhr: Die Bundesregierung hat ganz Tschechien, Luxemburg und das österreichische Bundesland Tirol wegen rasant steigender Infektionszahlen zu Corona-Risikogebieten erklärt. Die Risikoliste des Robert Koch-Instituts wurde am Freitag (25.09.2020) entsprechend aktualisiert.

Frankreich meldet Rekordanstieg von Corona-Neuinfektionen

+++ 21.00 Uhr: Die Corona-Lage in den Nachbarländern Deutschlands spitzt sich zu: Nachdem die Bundesregierung fast ganz Tschechien als Risikogebiet erklärt hat, meldet Frankreich einen Rekordanstieg.

Mehr als 16.000 Menschen wurden in Frankreich in den vergangenen 24 Stunden positiv auf das Coronavirus getestet. Noch nie zuvor wurden so viele Menschen seit Einführung der massenhaften und großflächigen Corona-Tests positiv getestet. Das meldete die AFP.

Frankreich, Marseille: Ärzte testen Patienten auf das Coronavirus in einem mobilen Testzentrum. Gesundheitsminister Veran hatte in einer Pressekonferenz angekündigt, dass für Marseille und das Überseegebiet Guadeloupe die «maximale Alarmstufe» ausgerufen worden sei.

Deutschland stuft fast ganz Tschechien als Corona-Risikogebiet ein

+++ 17.06 Uhr: Der tschechische Außenminister Tomas Petricek hat sich nach der Entscheidung Deutschlands, fast ganz Tschechien als Corona-Risikogebiet einzustufen, zur aktuellen Situation geäußert. Angesichts der Infektionszahlen in seinem Land sei die Reaktion der Bundesregierung „verständlich“, so der Politiker.

Man habe in Verhandlungen mit Berlin Ausnahmen für Berufspendler, Lkw-Fahrer und Transitreisende erreichen können. „Wir verhandeln weiter über den sogenannten kleinen Grenzverkehr, also mögliche Ausnahmen für Menschen, die unmittelbar an der Grenze leben“, sagte der Sozialdemokrat.

Schätzungen zufolge arbeiten rund 37.000 tschechische Berufspendler in Deutschland, vor allem in der Gastronomie und dem Gesundheitswesen. In Bayern sieht die sogenannte Einreisequarantäneverordnung vor, dass Berufspendler aus dem Ausland nicht in Corona-Quarantäne müssen, wenn sie sich regelmäßig nicht länger als 48 Stunden im Ausland aufhalten und keine Symptome aufweisen. Sie gilt noch bis zum 3. Oktober.

Bundesregierung erklärt Hälfte der EU-Länder ganz oder teilweise zu Corona-Risikogebieten

+++ 21.20 Uhr: Die deutsche Bundesregierung hat Regionen in elf Ländern der Europäischen Union wegen steigender Infektionszahlen zu Corona-Risikogebieten erklärt. Darunter sind auch Gebiete in den Nachbarländern Dänemark, Tschechien, Frankreich, Österreich und den Niederlanden. Das geht aus der am Mittwochabend aktualisierten Liste des Robert-Koch-Instituts hervor. Insgesamt sind damit nun schon 14 von 27 EU-Mitgliedstaaten wieder ganz oder teilweise als Corona-Risikogebiete ausgewiesen.

Neu hinzugekommen sind am Mittwoch Regionen in Dänemark, Portugal, Irland und Slowenien. Zudem wurden weitere Regionen in Frankreich, Tschechien, den Niederlanden, Kroatien, Rumänien, Österreich und Ungarn als Risikogebiete ausgewiesen. Für Tschechien gilt, dass nun das gesamte Land mit Ausnahme der Regionen Aussiger Region (Ústecký) und der Mährisch-Schlesischen Region (Moravskloslezský) als Risikogebiet eingestuft wird.

In Tschechien steigen die Corona-Infektionen stark an.

Update vom Mittwoch, 23.09.2020, 16.02 Uhr: Um die Corona-Pandemie einzudämmen, führt Tschechien eine landesweite Sperrstunde für Kneipen und Gaststätten ab 22 Uhr ein. Die Regelung soll vorerst zwei Wochen lang gelten. Unter Alkoholeinfluss komme es häufiger zu Kontakten und zur Missachtung der Corona-Regeln, sagte der neue Gesundheitsminister Roman Prymula am Mittwoch. Auch bei sportlichen und kulturellen Großveranstaltungen kommt es zu Einschränkungen. Im Freien werden sie auf 2.000, in Innenräumen auf 1.000 Sitzplätze begrenzt.

Am Dienstag wurden in Tschechien 2.400 Neuinfektionen registriert, wie Behörden mitteilten. Die Regierung erwartet, dass Deutschland das ganze Land in Kürze zum Risikogebiet erklären wird. Bislang gilt dies nur für Prag und die Mittelböhmische Region.

Corona: Erklärt Deutschland Tschechien zum Risikogebiet?

Erstmeldung vom Dienstag, 22.09.2020: Prag - Die Infektionen mit dem Coronavirus in Tschechien nehmen deutlich zu. Das Gesundheitsministerium teilt mit, dass die Zahl der Fälle bei mittlerweile 50.800 liegt. Die Zahl soll sich seit Ende August verdoppelt haben. Am Montag wurden 1.476 neue Fälle registriert.

Angesichts der steigenden Zahlen erwartet Außenminister Tomas Petricek, dass das ganze Land von Deutschland zum Corona-Risikogebiet erklärt wird. Die Entscheidung könnte bereits am Mittwoch (23.09.2020) fallen, teilte Petricek der Nachrichtenagentur „CTK“ mit. Im Bezug auf die Einwohnerzahl seien die Infektionszahlen in Tschechien „deutlich höher“ als in Deutschland.

Die Infektionen mit dem Coronavirus steigen in Tschechien stark an.

Tschechien: Regierung erwartet Erklärung zum Corona-Risikogebiet in Deutschland

Am Rande von EU-Beratungen in Brüssel soll sich Petricek mit Deutschlands Außenminister Heiko Maas über das Thema unterhalten haben, berichtet die „Passauer Neue Presse“. „Für uns wird es vor allem wichtig sein, dass diese Entscheidung keine negativen Auswirkungen hat auf Grenzpendler, auf Menschen, die zum Studium oder zur Arbeit nach Deutschland fahren“, wird Petricek von der „PNP“ zitiert. Etwa 37.000 Tschechen sollen in Deutschland beschäftigt sein.

Daher stehe man mit Berlin bereits in Verhandlungen über Ausnahmen für der Quarantänepflicht für Pendler. Auch andersherum könnten deutsche Pendler betroffen sein. Täglich pendeln etwa 18.000 Leute aus Ostbayern über die Grenze nach Tschechien. Auch in Sachsen sind es Tausende.

Corona in Tschechien: Gesundheitsminister tritt zurück

Laut dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) soll die 14-Tage-Inzidenz in Tschechien bei 207 liegen. In Deutschland liege der Wert bei 26,3. Prag und die Mittelböhmische Region hatte die Bundesregierung bereits zum Risikogebiet erklärt und eine Reisewarnung ausgesprochen.

Erst gestern hatte der tschechische Gesundheitsminister seinen Rücktritt bekanntgegeben. Er wolle „neuen Raum“ für die Lösung der Krise eröffnen, erklärte Adam Vojtech seinen Rückzug. Ministerpräsident Andrej Babis, dass Vojtech Tschechiens bester Gesundheitsminister aller Zeiten hätte sein können. Zuletzt hatten sich angesichts der explodierenden Fallzahlen in Tschechien jedoch kritische Stimmen gegen Vojetech vermehrt. Vor dem Sommer hatte die Regierung alle Beschränkungen aufgehoben. Einen zweiter Lockdown schließe man in Tschechien aus. (Von Lukas Rogalla)

Rubriklistenbild: © Michel Euler/AP/dpa

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