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Invasive Beatmung

Corona-Behandlung: Mediziner warnt vor verfrühter Intubation – „Das ist ein Teufelskreis“

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Tausende Covid-19-Patient:innen werden in Deutschland invasiv beatmet. Ein Pneumologe warnt vor einer vorschnellen Anwendung der Methode – und weist auf die hohen Todeszahlen hin.

  • Covid-19 kann die Lunge befallen und für Atembeschwerden sorgen.
  • In Deutschland werden Tausende Corona-Patient:innen invasiv beatmet.
  • Ein Pneumologe fordert ein Umdenken bei der Behandlung von Covid-19-Intensivpatient:innen.

Moers – Das Coronavirus hält Deutschland weiterhin im Griff. Trotz verschärfter Maßnahmen sind Entwarnungen kaum in Sicht. Ganz im Gegenteil: Über die letzten Wochen sind die Infektions- und Todeszahlen deutlich angestiegen. Rund 5.000 Covid-19-Patient:innen werden derzeit intensivmedizinisch behandelt. Etwa die Hälfe wird künstlich beatmet. Deutlich zu viele, glaubt der Pneumologe und Chefarzt der Lungenklinik Moers Thomas Voshaar.

Corona: Pneumologe fordert Umdenken bei Covid-19-Behandlung

Die Krankheit Covid-19, die durch das Coronavirus ausgelöst wird, kann die Lunge befallen und für schwere Probleme bei der Atmung sorgen. Eine künstliche Beatmung ist in vielen Fällen überhaupt nicht notwendig oder kann sogar schädlich sein, meint Thomas Voshaar, Vorsitzender des Verbandes Pneumologischer Kliniken in Deutschland.

In Deutschland werden Tausende Intensivpatient:innen mit Covid-19 invasiv beatmet. Oftmals ein Fehler, sagt der Pneumologe Thomas Voshaar. (Symbolbild)

„Fakt ist, dass wir in Deutschland Covid-19-Patienten viel zu früh künstlich beatmen“, so Voshaar im Interview mit dem „Focus“. Zwar sei es nach wie vor eine wichtige Maßnahme für Schwerstkranke und diejenigen, die nicht mehr zu einem selbstständigen Atmen in der Lage sind. Bei einem großen Teil bestehe jedoch kein Grund für dieses Vorgehen.

Vielmehr warnt Voshaar vor den Risiken, die eine Intubation mit sich bringt. Mit Druck pumpt ein Gerät Luft durch einen Schlauch, der durch die Luftröhre führt. Das Gewebe der Lunge, das durch Covid-19 bereits angeschlagen ist, wird durch zu viel Druck und Sauerstoff zusätzlich geschädigt, benötigt diese aber zunehmend, wenn sie den Körper nur schlechter mit Sauerstoff versorgen kann: „Das ist ein Teufelskreis – bereits nach drei Tagen steigt die Gefahr für Komplikationen exponentiell an.“

Corona: Hälfte der invasiv beatmeten Covid-19-Erkrankten stirbt

Für eine Intubation müssen Patient:innen zudem über einen längeren Zeitraum sediert werden. Ein Schlauch in der Luftröhre im Wachzustand wäre nicht tolerierbar. Für ältere Menschen sei eine wochenlange Sedierung besonders gefährlich. Etwa 50 Prozent der invasiv beatmeten Covid-19-Patient:innen erliegen der Krankheit. Für den Pneumologen „ein klares Zeichen, dass wir in der Medizin einen anderen Weg gehen müssen“. Diese Risiken seien bereits „seit zehn Jahren“ bekannt.

Wird zu früh eine invasive Beatmung angeordnet, könne dies die Behandlungszeit auf der Intensivstation zudem deutlich verlängern und die Kapazitäten einer Klinik ausreizen. Die Intubation dauere in der Regel zwei bis drei Wochen. Patient:innen, die den Vorgang überleben, bleiben normalerweise noch weitere Wochen im Krankenhaus.

„Der Lockdown, der uns Milliarden kostet, soll verhindern, dass die Intensivstationen mit Covid-19-Patienten überlastet werden, aber dann wählen wir eine Behandlungsmethode, die dazu beiträgt, dass Patienten vielleicht unnötig sterben und auch länger auf der Intensivstation bleiben müssen. Das ergibt keinen Sinn.“ Die Strategie sei „einer der größten Fehler, den wir in der Pandemiebekämpfung gemacht haben, denn dafür gab es keinerlei wissenschaftliche Evidenz“. Sie habe in Kombination mit einer Vielzahl an Patient:innen für die hohen Todeszahlen in Teilen Europas gesorgt. Man habe sich weltweit an chinesischen Beobachtungen orientiert und „die Warnung, dass viele sterben, wenn zu spät beatmet wird, in eine Strategie des frühen Intubierens umgewandelt“, kritisiert Voshaar.

Corona: Verfrühte invasive Beatmung – Pneumologe kritisiert Covid-19-Behandlung

Wer mit einer Corona-bedingten Lungenentzündung in die Moerser Lungenklinik eingeliefert wird, erhalte Sauerstoff über eine Nasenbrille oder sogenannte Venturi-Maske, wird also nicht-invasiv behandelt. Mit Atemmasken kann der Klinikaufenthalt im Vergleich zu invasiv Beatmeten zeitlich halbiert werden. Diese Methode sei zudem viel risikoärmer und erfordere keine Sedierung oder künstliche Ernährung. Covid-19-Patient:innen bleiben ansprechbar und können selbstständig atmen. Voshaar setze zudem auf den Einsatz von Antibiotika, Blutverdünnern und einer umfangreichen Diagnostik.

In der Lungenklinik in Moers seien seit Beginn der Corona-Pandemie 250 Menschen mit Covid-19 behandelt worden, 15 starben. Mit dieser Sterblichkeitsrate liegt sie deutlich unter dem deutschlandweiten Schnitt von 22 Prozent „über alle Altersgruppen und Schweregrade“. Eine Intubation ließe sich zwar nicht immer verhindern, in Moers gilt für die Behandlungsmethode allerdings: „so spät wie möglich oder am besten gar nicht“.

Rubriklistenbild: © Bodo Schackow/dpa

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