Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

CSU-Chef Markus Söder während einer Pressekonferenz in München.
+
CSU-Chef Markus Söder hat aufgrund der hohen Inzidenzen den Corona-Katastrophenfall ausgerufen. (Symbolbild)

Pandemie in Deutschland

Corona-Inzidenzen über 1000 in Bayern: Woher kommen die dramatischen Zahlen?

  • Andreas Apetz
    VonAndreas Apetz
    schließen

In Bayern gibt es deutschlandweit die meisten Corona-Hotspots. Allein in drei Landkreisen liegt die Inzidenz bei mehr als 1000. Warum ist das so?

München – Die steigenden Corona-Fallzahlen sorgen für eine angespannte Stimmung in Deutschland. Dass der Winter eine neue Welle an Neuinfektionen mit sich bringt, war bereits im Vorhinein klar. Mit welcher Kraft die neue Corona-Welle zurückschlägt, überrascht selbst Experten.

Deutschland brach in den letzten Wochen immer wieder den Tagesrekord an Neuinfektionen. Landkreise erreichen Inzidenzen, die bis in den vierstelligen Bereich gehen. Bayern ist von der vierten Welle besonders stark betroffen. Ein Blick auf die aktuellen Inzidenzen zeigt: Von den bundesweiten Corona-Hotspots liegen acht im Freistaat. Spitzenreiter sind die Landkreise Rottal-Inn, Miesbach und Mühldorf am Inn – alle drei mit einer 7-Tage-Inzidenz von mehr als 1000. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder rief deshalb den Corona-Katastrophenfall aus. Doch warum sind die Zahlen in Bayern stellenweise so absurd hoch?

Inzidenzen in Bayern liegt bei mehr als 1000: Das könnten die Ursachen sein

Dem Robert Koch-Institut zufolge liegt die aktuelle bayerische Inzidenz bei 454,9. Damit belegt sie unter den Bundesländern den dritten Platz, nur Sachsen (569,0) und Thüringen (491,3) hatten innerhalb der letzten sieben Tage mehr Neuinfektionen. Im Bund sind es derzeit 263,7 (Stand: 13.11.2021).

Trotzdem wird die Bestenliste der Corona-Hotspots von den bayerischen Landkreisen dominiert. Und die Gründe dafür lassen sich nur mutmaßen. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland hat mit der Politik-Professorin Ursula Münch gesprochen. Sie ist Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing und eine Expertin, wenn es um den Freistaat geht.

Corona-Hotspots in Bayern: Zu wenig Vertrauen in die bayerische Regierung?

Warum Bayern so viele Corona-Hotspots hat, darüber lässt sich streiten. Auffällig ist, dass viele betroffenen Landkreise im Süden am Rand der Alpen und im Bayrischen Wald liegen. Die Nähe zu dem beliebten Urlaubsland Österreich könne der Expertin zufolge durchaus ein Problem sein. „An der Grenze wird ja faktisch nicht kontrolliert“, meint Münch. Außerdem hätten ländliche Gegenden häufig keinen Zugang zu den nötigen Corona-Tests. Dabei hinterfragt Münch auch, ob auf dem Land die Corona-Maßnahmen wirklich ernst genommen werden: „Auf dem Land sind PCR-Tests manchmal schwer erhältlich. (...) Wer beim Schnelltest positiv ist und dann ein paar Tage warten muss – bleibt der dann auch in Quarantäne?“

Die Einhaltung der Corona-Maßnahmen hinge auch mit der Einstellung von Land und Leuten zusammen. Die wechselnde Corona-Politik habe vielen Menschen aufs Gemüt geschlagen und ihnen das Vertrauen in die Regierung geraubt. Außerdem seien „Querdenker“ keine Seltenheit in den ländlichen Regionen Bayerns. „In den letzten Jahren hat vor allem auf dem Land der Vertrauensverlust gegenüber staatlichen Institutionen und auch den Medien enorm zugenommen. Je weiter weg die Leute von den Zentren sind, desto größer ist die Abneigung.“ Ein gescheitertes Volksbegehren zur Auflösung des Landtages belegt Münchs These.

Corona-Hotspots in Bayern: Zahl der Intensivbetten sinkt weiter

Aus wenig Vertrauen in den Staat und dessen Maßnahmen resultiert eine geringe Impfquote. Doch die hohen Inzidenzen zeigen Wirkung. Mittlerweile nimmt die Impfbereitschaft auch in dörflichen Regionen zu: Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, hätten auch die Einwohner des negativ Spitzenreiters Rottal-Inn den Ernst der Lage erkannt und würden seit letzter Woche in die Impfzentren strömen. Allein am Impfzentrum in Eggenfelden habe sich die Zahl der Erstimpfungen innerhalb einer Woche im Vergleich zur Vorwoche nahezu verdoppelt. DIes berichtet ein Sprecher der Behörde am 12. November gegenüber dem BR. Das Impfzentrum hätte nun seine Kapazitäten erhöht und weitere Schritte geplant, um das Impfniveau zu steigern.

Die Eindämmung der Corona-Infektionsrate in den bayerischen Hot-Spot-Gebieten wird immer dringlicher. Denn wie der BR berichtet, sinkt mit den steigenden Infektionszahlen auch die Anzahl an freien Intensivbetten. Man könne nur dazu aufrufen, dass sich die Leute jetzt impfen lassen, sagt Michael Fahmüller, Landrat in Rottal-Inn.

Mittlerweile hat sich die Situation im Landkreis bis aufs Extremste zugespitzt: Aktuell sei nur noch ein Intensivbett in Rottal-Inn frei (Stand: 11.11.2021). Sollte auch das letzte Bett belegt werden, beginne die Verlegung der Patienten in andere Landkreise.

Bayern: Immer mehr Corona-Tote – trotz Impfung

Mit der steigenden Zahl an Intensivpatienten steigt auch die Zahl der Corona-Toten in Bayern. Im Oktober meldete das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittel (LGL) 372 bayerische Todesopfer, darunter auch einige vollständig geimpfte Menschen. Der Anteil liegt mit 108 verstorbenen doppelt Geimpften bei rund 30 Prozent.

Doch die Zahlen müssen mit Vorsicht interpretiert werden. Als Corona-Todesopfer zählt, wer mit dem Virus infiziert war. Das bedeutet aber nicht, dass Corona auch unbedingt die Todesursache ist. Ein großer Teil der Corona-Toten ist 80 oder älter. Dementsprechend litt die Mehrzahl mit hoher Wahrscheinlichkeit auch unter anderen Krankheiten. Einer Auswertung der Todesfälle nach Vorerkrankungen ist jedoch laut LGL nicht möglich.

Die Infektionszahlen für den November sind noch nicht vollständig, zeigen aber schon jetzt die dramatische Entwicklung Bayerns: Laut dem Corona-Portal der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität wurden in den vergangenen sieben Tagen 309 Todesfälle im Freistaat gemeldet – eine Verdopplung im Vergleich zu den Zahlen Mitte Oktober. (aa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare