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Armin Laschet
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Kanzlerkandidat Armin Laschet hat sich am Mittwoch zum Einfluss der Delta-Variante auf den Corona-Inzidenzwert geäußert. (Archivfoto)

Kanzlerkandidat der Union

Delta-Variante: Armin Laschet stellt Corona-Prognose auf – und erntet dafür Hohn und Spott

  • Tobias Utz
    VonTobias Utz
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Armin Laschet (CDU) äußert sich zur Ausbreitung der Delta-Variante in Deutschland. Auf die Prognose des Kanzlerkandidaten folgen prompt erste Reaktionen.

Düsseldorf – Armin Laschet steckt mitten im Wahlkampf für die Bundestagswahl 2021. Er möchte im September neuer Kanzler werden. Doch auf dem Weg ins Bundeskanzleramt scheint der 60-Jährige noch zahlreiche Stolpersteine überwinden zu müssen. Das jüngste Beispiel zeigt, wie er sie sich selbst vor die Füße wirft. Am Mittwoch (23.06.2021) erklärte der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen (NRW) in Düsseldorf vor Journalist:innen: „Wenn trotz der Verbreitung der Delta-Variante die Inzidenz nicht steigt, sondern jede Woche immer weiter sinkt, scheint ja die Auswirkung nicht so groß zu sein.“

Ein Satz, der insbesondere in den sozialen Netzwerken in den folgenden Tagen für Aufregung sorgte. Laschet, gestandener CDU-Politiker, Ministerpräsident und Kanzlerkandidat, beraten durch einen Corona-Stab, zeigte schließlich Lücken in puncto Wissen über das Virus. Seiner Aussage, dass die „Auswirkungen“ der Verbreitung der Delta-Variante „nicht so groß“ seien, widersprechen zahlreiche Fachleute aus der Wissenschaft.

Corona in Deutschland: Laschet verwirrt mit Delta-Aussage – statt aufzuklären

Zentraler Zusammenhang von Laschets Aussage verbindet die Faktoren der Inzidenz und der Ausbreitung der Delta-Variante. Selbst führende Fachleute wagen keine finale Einschätzung, wie sich diese bedingen. Klar ist jedoch: Die Delta-Variante, welche erstmals in Indien festgestellt wurde, weist einen circa doppelt so hohen R-Wert wie die Alpha-Variante auf, welche in Deutschland erstmal im März 2020 auftrat. Dieser liegt bei sechs bis sieben. Der R-Wert sagt in diesem Fall aus, dass eine mit Sars-CoV-2 infizierte Person durchschnittlich – ohne Eindämmungsmaßnahmen, wie Quarantäne oder Impfungen – sechs bis sieben weitere Personen ansteckt. Hinzu kommt der Aspekt der deutlich leichteren Übertragung der Delta-Variante im Vergleich zu anderen Mutationen des Coronavirus. Das Beispiel Großbritannien zeigt, wie schnell die Variante das Infektionsgeschehen prägen kann. Dort hat die Delta- die Alpha-Variante längst abgehängt. In Deutschland liegt der Anteil der Delta-Infektionen laut Angaben des Robert Koch-Instituts bei rund 15 Prozent, Tendenz steigend. Das geht aus dem neuesten Bericht des RKI zu verschiedenen Virusvarianten hervor.

Laschets These, dass die Delta-Variante einen „nicht so großen“ Einfluss auf das Infektionsgeschehen und somit den Sieben-Tage-Inzidenzwert habe, ist schwer zu widerlegen. Jedoch ist das auch beim Gegenteil der Fall. Mehrere Faktoren weisen darauf hin, dass die Entwicklung lediglich verzögert beziehungsweise zeitlich verschoben wird – in den Herbst. Hierbei ist der saisonale Sommereffekt anzuführen, da sich viele Menschen derzeit draußen aufhalten. Forscherinnen und Forscher werden nicht müde zu betonen, dass das Infektionsrisiko im Freien deutlich geringer ist als in geschlossenen Räumen. Das bestätigte jüngst eine Studie der Universität Oxford. Sobald die Temperaturen erneut sinken werden, werden sich die Menschen wohl wieder mehr drinnen aufhalten, was das Infektionsrisiko demnach erhöhen wird. Die aggressive Delta-Variante könnte somit gute Bedingungen für eine noch raschere Ausbreitung vorfinden. Virologe Christian Drosten rechnet beispielsweise damit, dass die Corona-Fallzahlen im Herbst wieder ansteigen.

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Corona: Armin Laschet mit problematischer Aussage über Delta-Variante

Abgesehen von zeitlichen und saisonalen Effekten gibt es auch statistische Verzögerungen bezüglich den Inzidenzwertes. Dieser ist derzeit relativ niedrig, wie das RKI bekannt gab. Jedoch bildet der Wert nicht das tatsächlich aktuelle Infektionsgeschehen ab. Von der Corona-Infektion bis zur Erkrankung an Covid-19 vergehen in der Regel mehrere Tage. Als Inkubationszeit werden in mehreren pandemischen Studien fünf bis sechs Tage angegeben. Auch aus dieser Perspektive erscheint Laschets Aussage problematisch zu sein, da Prognosen in diesem Kontext selbst der Forschung schwerfallen.

Hinzu kommt der Faktor des Impffortschritts in Deutschland, welcher der Bevölkerung zwar zahlreiche Lockerungen im Sommer beschert. Mittlerweile sind laut Angaben des Bundesgesundheitsministeriums mehr als 28 Millionen Menschen vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Ob Alpha- oder Delta-Variante: Je mehr Menschen geschützt sind, desto schwerer hat es das Virus. Zwar bestätigten erste Studien von Impfherstellern, wie Biontech/Pfizer, eine hohe Wirksamkeit gegenüber Mutationen. Jedoch erscheint auch diese Tatsache sehr unsicher. Viren sind wandelbar, sehr anpassungsfähig. Auch deshalb arbeitet die Forschung mit Hochdruck daran, weitere Vakzine gegen Sars-CoV-2 zu entwickeln. Jüngst wurden sogar Drittimpfungen als Auffrischung im Herbst empfohlen. Kanzlerin Angela Merkel adressierte dies insbesondere an die Risikogruppen.

Alles in allem zeigt sich, wie vage Laschets Aussage am Mittwoch war. Die beratenden Fachleute rieten dem Kanzlerkandidaten der Union offenbar zuvor zu einem besonnenen Umgang mit dem aktuellen Infektionsgeschehen – und verwiesen ebenfalls auf eine mögliche Verzögerung der Entwicklung. Das berichtet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung.

Prognose zur Delta-Variante: Armin Laschet – Hohn und Spott im Internet

Wie anfangs erwähnt, kommentierten zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer die Aussagen des NRW-Ministerpräsidenten in sozialen Netzwerken. Zu den bekanntesten Beispielen zählten unter anderem der Journalist Sascha Lobo und der Grünen-Politiker Janosch Dahmen. Lobo überschrieb ein Video von Laschet satirisch auf Twitter: „Hab den Eindruck, Armin Laschet ist Spezialist dafür, den exakt gleichen Fehler immer wieder zu machen.“

Dahmen kommentierte deutlich nüchterner: „Während die Kanzlerin jederzeit CT-Werte & Viruslast-Konzentrationskurven erklärt, gibt es nach 1,5 Jahren Pandemie noch immer Politiker, die weder Latenzzeit, verdecktes Wachstum, noch saisonale Effekte verstanden haben.“ Laschet gehöre zu diesen Politikern, so der Arzt. (tu)

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