Die italienische „Immuni“-App ist seit knapp zwei Wochen verfügbar.
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Die italienische Corona-App „Immuni“-App ist seit knapp zwei Wochen verfügbar.

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Corona-Warn-App: Welche Erfahrungen andere Länder machen

  • Jakob Maurer
    vonJakob Maurer
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Im Kampf gegen das Coronavirus startet die lange geplante staatliche Corona-Warn-App für Smartphones. Andere Länder sind schon weiter.

  • Nicht nur in Deutschland gibt es Corona*-Apps.
  • Auch Island, Italien, Großbritannien, Spanien und Australien greifen auf die Warn-App zurück.
  • Wie weit sind diese Länder?

Deutschland - Viele Länder hoffen auf die Wirkung von Corona-Warn-Apps. Wenn es nach der EU-Kommission ginge, sollten die Apps auch beim Reisen in Zeiten der Pandemie helfen. Die Verbraucherzentralen des Bundes zeigen sich in dieser Frage jedoch skeptisch: Zwar funktioniere das Tracing der „Corona-Warn-App“ auch im Ausland, heißt es auf deren Website: Smartphones könnten Bluetooth-Signale auch dort austauschen. Eine Warnung bei Kontakt mit einer infizierten Person sei in diesem Fall aber nicht möglich, weil dies bislang nur national funktioniere. 

Corona-Warn-Apps in Deutschland und Schweiz sollen kompatibel werden

Geplant sei, dass zumindest die dezentralen Corona-Warn-Apps wie in Deutschland oder der Schweiz untereinander kompatibel werden. Allerdings würde die Kommunikation mit einer App mit zentralem Ansatz wie der „Stop Covid“-App in Frankreich „eher nicht funktionieren“. Es wird empfohlen: „Wer ins Ausland fährt, kann sich die autorisierte App des jeweiligen Landes herunterladen und nutzen.“

Corona-Warn-App in Island 

Island: Seit April ist die Corona-Warn-App „Rakning-Covid-19“ im Umlauf und rund 40 Prozent der gut 350 000 Isländer sollen sie nutzen. Sie verfolgt per Ortungstechnologie GPS, wo sich Personen aufgehalten haben und ob Kontakt zu Infizierten bestand. Berichten zufolge ist der Nutzen der App jedoch gering: Die GPS-Daten sind ungenauer als die Bluetooth-Technologie. Die App soll nun jedoch dem Chefepidemiologen Thorolfur Gudnason zufolge Touristen Tipps geben und zusammen mit einem Corona-Test die zweiwöchige Quarantäne bei der Einreise ersetzen.

Corona-Warn-App in Italien

Italien: Bereits über zwei Millionen Downloads zählt die italienische Corona-Warn-App „Immuni“-App, die seit knapp zwei Wochen verfügbar ist. Noch sind die Funktionen nicht landesweit aktiviert, das soll im Verlauf dieses Monats noch passieren. Wie in Deutschland ist der Quellcode der App offen verfügbar und basiert auf der Kontaktverfolgung über Bluetooth. Die Speicherung der Daten erfolgt dezentral. Die App fragt keine persönlichen Daten ab und, für Urlauber besonders wichtig, lässt sich unter anderem auf Deutsch bedienen.

Corona-Warn-App in Großbritannien

Großbritannien: Die britische Corona-Warn-App wird weiterhin nur getestet und hat mit Problemen zu kämpfen. Anders als in Deutschland verzichtet man hier bislang auf die technischen Vorgaben von Google und Apple für ein dezentrales System. Die BBC berichtet, dass beim seit Wochen laufenden Test auf der südenglischen Isle of Wight vergangene Woche eine zweite Version in Betrieb gegangen sei. Wegen des Alleingangs gebe es jedoch Probleme mit Apple-Geräten. Deswegen werde überlegt, das System gänzlich auf den dezentralen Ansatz umzustellen – was zu weiteren Verzögerungen führen dürfte.

Corona-Warn-App in Spanien

Spanien: Bisher wenig Zuspruch findet die Corona-Warn-App in Spanien, die seit April zur Verfügung steht. Angeboten in Kooperation zwischen der Regierung und dem Unternehmen Telefónica bietet sie im Verdachtsfall Selbsteinschätzungstests zu Symptomen und Kontaktdaten der zuständigen Stellen. Allerdings müssen die Nutzer dafür die Identitätsnummer ihres Passes, ihren vollen Namen und ihre Adresse angeben. Kontakte zu Infizierten werden über Bluetooth geprüft. Bei der Anmeldung muss einmalig die GPS-Berechtigung erteilt werden. Daten zu Infektionen sollen für maximal zwei Monate dezentral gespeichert bleiben.

Corona-Warn-App in Australien

Australien: 6,2 Millionen Australierinnen und Australier, rund ein Viertel der Bevölkerung, sollen sich die von der Regierung mit großer Hoffnung Ende April gestartete Corona-Warn-App „COVIDSafe“ installiert haben. Bislang, das berichtet das australische Fernsehen ABC, habe man mit Hilfe der Anwendung jedoch keine Infektion identifiziert, die nicht auch auf herkömmlichen Weg bekannt geworden sei. Behörden erklären dies mit den vergleichsweise geringen Corona-Zahlen: Die Johns-Hopkins-Universität notiert für Australien bislang nur gut 7300 bekannte Ansteckungen. (Clara Gehrunger, Jakob Maurer)

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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