Tourismus

Afrika in der Corona-Krise: Die Touristen bleiben aus

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
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In Teilen Afrikas beginnt derzeit ein atemberaubendes Naturschauspiel. Die Safari-Touristinnen und -Touristen aber fehlen – das Coronavirus droht einen für viele Staaten wichtigen Geschäftszweig zu zerstören.

  • Wegen Corona bleiben in Afrika die Touristen aus
  • Ohnehin arme Länder leiden unter den wirtschaftlichen Folgen
  • Auch der Tierschutz ist auf Gelder angewiesen

Bald beginnt eines der faszinierendsten Naturschauspiele der Welt. Wenn Hunderttausende von Gnus an der Grenze zwischen Kenia und Tansania in halsbrecherischer Hast den Mara-Fluss überqueren – die ersten werden gewöhnlich von Krokodilen gefressen. Dem Gedränge der Tierleiber pflegt in respektvoller Entfernung ein etwas bescheideneres Gedränge von Touristenleibern gegenüberzustehen.

Sie halten den spektakulären Höhepunkt der „Großen Migration“ für gewöhnlich mit ihren Kameras fest. Doch in diesem Jahr werden die Gnus unbeobachtet ihre Bahnen ziehen. „Gewöhnlich fliegen wir in dieser Zeit monatlich rund 10.000 Besucher in den Naturpark Masai-Mara“, sagt der Chef der kenianischen Fluggesellschaft Safarilink, Alex Avedi. „Alle unsere Flugzeuge stehen heute auf dem Boden.“

Das Coronavirus vernichtet die Prognosen

Selbst aus der Entfernung hat das Coronavirus dem afrikanischen Safaritourismus einen Schaden zugefügt, der das Blutbad der Krokodile im Mara-Fluss in den Schatten stellt. Jahr für Jahr setzte der Industriezweig fast zwölf Milliarden Euro in Afrika um. Für die kommenden Jahre hatte die Welttourismusorganisation der Branche beste Zuwachsraten prognostiziert. Corona vernichtete die rosige Aussicht in wenigen Tagen.

Bereits im März hagelte es Absagen. Inzwischen liegen sämtliche Lodges und Campingplätze in den Tierparks im Osten und Süden des Kontinents wie ausgestorben da. „Covid-19 hat unser Geschäft ruiniert“, sagt ein Reiseveranstalter, der anonym bleiben will. Obwohl Afrika – mit Ausnahme Südafrikas – vom Coronavirus bislang glimpflich behandelt wurde, sind die wirtschaftlichen Folgen schon heute verheerend.

Corona gefährdet auch die Tierwelt - weil die Gelder fehlen

In Staaten wie Tansania macht der Safaritourismus fast 18 Prozent der Gesamtwirtschaft aus und versorgt mit mehr als 1,1 Millionen Arbeitsplätzen rund zehn Prozent der Beschäftigten mit einem Job. Fast zehn Millionen Afrikanerinnen und Afrikaner verdanken dem Tourismus geregelte Einkünfte – bisher.

Die meisten Veranstalter haben dieses Jahr schon ganz abgeschrieben; ob sich die Branche im kommenden Jahr erholen wird, steht in den Sternen. Der tansanische Tour Operator Elia Richard berichtet: Frage er seine absagenden Gäste, ob er ihre Reservierung aufs nächste Jahr verschieben könne, erhalte er meist die Antwort: „Wer weiß schon, was nächstes Jahr sein wird?“

Der Totalkollaps hat nicht nur Reiseveranstalter und Besitzerinnen afrikanischer Lodges, Ranger, Kellnerinnen sowie Putzkräfte ins Nichts gestürzt. Auch die Wildtierreservate geraten ins Schlingern, weil die Kosten für deren Management größtenteils von den Einnahmen aus dem Tourismus beglichen werden. „Die Idee, dass man ohne diese Gelder die Artenvielfalt retten kann, ist illusorisch“, sagt Matthew Brown, Afrika-Direktor der US-Naturschutzorganisation Nature Conservancy.

Corona-Pandemie in Afrika: Virtuelle Safaris im Trend

Auf der Kostenkalkulation ganz oben steht der Schutz der Tiere vor Wilderern. Zwar sollen sich die Umtriebe internationaler Schmugglerringe während der Pandemie etwas beruhigt haben. Doch dafür steigt die heimische Wilderei bedrohlich an. Die zunehmende Not der Menschen verstärkt deren Anreiz, sich Wildtiere als Nahrung zu beschaffen. Ihre Not wird sich in den kommenden Monaten noch weiter vergrößern.

Spitzfindige Betreiberinnen und Betreiber privater Wildreservate suchen der Krise mit den Segnungen des Digitalzeitalters zu begegnen. Die Anbieter „virtueller Safaris“ schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Im Internet bieten sie „Game Drives“ mit ihren Rangern an, welche die Safari filmen und live kommentieren. Ein rühriger, aber nur halb überzeugender Lösungsversuch, der als langfristiges Geschäftsmodell gewiss nicht infrage kommt.

Unter der Krise scheint nur eine Partei des Safaritourismus nicht zu leiden: die Tiere. Sie fühlten sich wie die Chefs im Park, hätten sich auf dem Asphalt fläzend oder auf der Kreuzung hockend längst die leeren Straßen zu eigen gemacht. Für die Zukunft verheißt allerdings auch das nichts Gutes. Sollten sich hier irgendwann mal wieder Menschen einfinden, warnen Expertinnen und Experten, sei mit unfreundlichen bis feindseligen Reaktionen der Tierwelt zu rechnen.

Rubriklistenbild: © imago/blickwinkel

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