+
Fünf afghanische Schülerinnen wollen aus gebrauchten Autoteilen ein kostengünstiges Beatmungsgerät entwickeln.

Afghanistan

Afghanische Schülerinnen entwickeln Beatmungsgeräte – und bekommen Unterstützung aus Harvard

Beatmungsgeräte sind in der Corona-Krise überlebenswichtig. Junge Afghaninnen wollen nun eigene Modelle entwickeln – Hilfe kommt von der Top-Uni Harvard.

Angesichts des Mangels an Medizintechnik in ihrem Land wollen fünf afghanische Schülerinnen aus gebrauchten Autoteilen ein kostengünstiges Beatmungsgerät entwickeln. „Das Team arbeitet mit lokalen Gesundheitsspezialisten sowie mit Experten der Harvard-Universität zusammen, um den Prototyp nach einem Entwurf des Massachusetts Institute of Technology herzustellen“, sagte Roja Mahbub, Leiterin einer Technologiefirma, die die zwischen 14 und 17 Jahre alten Forscherinnen finanziell unterstützt. 

Hat das Team Erfolg und bekommt die Genehmigung für seinen Prototyp, könnte dieser für nur 300 Dollar (gut 270 Euro) nachgebaut werden – während Beatmungsgeräte normalerweise rund 30.000 Dollar kosten. Laut einem Sprecher des Gesundheitsministeriums in Kabul muss der Prototyp von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie vom Ministerium genehmigt werden, bevor die jungen Forscherinnen mit der Produktion weiterer Geräte beginnen können. 

Selbstaufblasender Plastikbeutel ist Herzstück

Für ihr Beatmungsgerät benutzen die findigen Schülerinnen Motor- und Batterieteile des auf afghanischen Straßen allgegenwärtigen Pkw-Modells Toyota Corolla. Mit dem Bau ihres Prototypen begannen sie schon, als der Gouverneur ihrer Heimatstadt Herat, dem Ausgangspunkt der Epidemie in Afghanistan, eindringlich um die Lieferung von mehr Beatmungsgeräten bat. 

Herzstück des selbstgebauten Beatmungsgeräts ist nach Angaben seiner Erfinderinnen ein selbstaufblasender Plastikbeutel, der vom medizinischen Personal benutzt wird, um den Patienten beim Atmen zu helfen. Der Prototyp der Mädchen verwendet ein mechanisches System, um den Beutel automatisch und präzise zu bedienen. 

„Der komplizierte Teil besteht darin, Zeitpunkt und Druck des Pumpens genau einzustellen, da die Patienten je nach Alter und Schwere ihrer Erkrankung unterschiedliches Luftvolumen und unterschiedlichen Luftdruck benötigen“, sagte die 17-jährige Leiterin des Teams, Somaja Faruki.

Gruppe hochbegabter Schülerinnen

Faruki und ihre Kolleginnen gehören zu einer Gruppe hochbegabter Schülerinnen, die als „Afghan Dreamers“ bekannt sind. Sie gerieten 2017 in die Schlagzeilen, nachdem ihnen das Visum für die Teilnahme an einem Roboterwettbewerb in Washington verweigert worden war. US-Präsident Donald Trump griff damals schließlich ein und genehmigte ihre Einreise. 

Bei einer Bevölkerung von 35 Millionen Einwohnern verfügt Afghanistan nur über etwa 300 Beatmungsgeräte. Bis Mittwoch wurden mehr als 780 Infektionsfälle mit dem neuartigen Coronavirus in Afghanistan bestätigt, bislang starben dort 24 Menschen an der durch das Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Dunkelziffer weitaus höher ist, da die afghanischen Gesundheitseinrichtungen nur über eine sehr begrenzte Kapazität an Tests verfügen. (afp)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare