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Hafen Yantian im Süden von China
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Ein Corona-Ausbruch am Hafen Yantian sorgt weltweite Behinderungen im Handel.

„Abwärtsspirale“ droht

Corona löst Containerstau in China aus - mit verheerenden Folgen für Deutschland

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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Der Handel gerät weltweit ins Stocken – wegen eines Containerstaus in China. Der deutschen Wirtschaft droht ein Verlust in Milliardenhöhe.

Shenzhen – Neue Infektionen mit dem Coronavirus in Asien sorgen für einen großen Stau im Containerschiffsverkehr. Das behindert massiv die weltweiten Güterströme. In Folge eines Ausbruchs am Hafen Yantian im Süden von China, der viertgrößte der Welt, sind Mitte Mai strikte Hygiene- und Quarantänemaßnahmen verhängt worden. Weitere Häfen machten aus Sorge vor dem Virus vorerst dicht.

„Die Anzahl wartender Containerschiffe im chinesischen Perlflussdelta ist ungewöhnlich hoch“, wie das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel berichtet. „Einzelne Häfen wie Yantian haben weniger als die Hälfte ihrer üblichen Containermenge verschifft.“ Auch für Deutschland hat das Folgen: Es kommt zu längeren Wartezeiten – und höheren Preisen.

Containerstau in China durch Corona: Weltweite Folgen für Handel und Wirtschaft

Längst gilt der Stau am Hafen Yantian, der seit Ende Juni wieder offen ist, als größeres Problem als die Blockade des Suezkanals durch das Containerschiff „Ever Given“ Ende März, dessen Havarie für lange anhaltendes Chaos gesorgt hatte. Maersk, die größte Container-Reederei der Welt, hatte ihren Kunden am vergangenen Freitag (2. Juli 2021) signalisiert, dass sich die Überlastung zwar allmählich auflöse, „aber es ist zu beachten, dass wenn ein Hafen betroffen ist, dies zu einer Abwärtsspirale für benachbarte Häfen werden kann“.

Mit einem neuen Analyse-Tool wertet das IfW weltweit Schiffsbewegungen aus, um Rückschlüsse auf die Entwicklung der globalen Handelsströme zu ziehen. Dabei werden an- und ablegende Schiffe in 500 Häfen auf der ganzen Welt erfasst. Zusätzlich werden Schiffsbewegungen in 100 Seeregionen analysiert, anhand des Tiefgangs wird zudem die effektive Auslastung der Containerschiffe gemessen.

„Gegenwärtig sind bereits knapp fünf Prozent aller Containerschiff-Kapazitäten durch Staus an den chinesischen Häfen gebunden. Das ist mehr als in der ersten Corona-Welle“, heißt es vom Kieler IfW. Im Roten Meer zwischen Nordafrika und der arabischen Halbinsel seien „aktuell zehn Prozent weniger Containerschiffe unterwegs als zu erwarten wäre“.

Corona behindert weltweit den Handel – und könnte für höhere Preise sorgen

In Europa hat der Mega-Stau am Hafen in China für Materialengpässe gesorgt. Beispielsweise kann die deutsche Industrie ihre prall gefüllten Auftragsbücher deshalb nur bedingt abarbeiten, wie Volkswirte einschätzen. Das Kieler IfW rechnet aufgrund solcher Engpässe mit einem Verlust für die Volkswirtschaft von rund 25 Milliarden Euro für das gesamte Jahr 2021.

Der deutsche Außenhandel rechnet dem Redaktionsnetzwerk Deutschland zufolge mit höheren Preisen von Konsumprodukten. Auch Auswirkungen auf das Weihnachtsgeschäft halte Klaus-Jürgen Gern vom IfW für denkbar, da zahlreiche Lieferungen von Gütern nicht wie geplant erfolgen können. Wie Bianca Illner vom Verband Deutscher Maschinenbauer (VDMA) gegenüber der Wirtschaftswoche behauptet, haben Produktionsbehinderungen mittlerweile „enorme Dimensionen“ erreicht.

Lieferengpässe durch hohe Nachfrage und Corona-Ausbrüche

Einige Unternehmen greifen daher auf einen Warentransport per Lkw über die neue Seidenstraße zurück, eine wahre Alternative stelle dies allerdings nicht dar. Der Transport per Lastwagen sei nicht nur teurer, sondern dauere auch länger. Der Weg mit dem Schiff oder Zug sei wegen fehlender Container oder langer Wartezeiten meist nicht möglich, klagt Illner – die Nachfrage nach Konsumgütern war in Zeiten von Corona-Lockdowns stark angestiegen.

Ein Ende des Chaos im globalen Handel ist noch nicht in Sicht, denn „selbst wenn es keine zusätzlichen neuen Störungsimpulse gibt, wird es viele Wochen dauern, bis die Logistik wieder weitgehend reibungslos funktioniert“, erklärt der Ökonom Gern. (Lukas Rogalla mit dpa)

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