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Warum Nancy Pelosis Taiwan-Besuch zu mehr Drogentoten in den USA führen könnte

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Von: China.Table

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Zwei Drogenabhängige auf einer Straße in Philadelphia
Mix aus Heroin und Fentanyl: Wird es nach Pelosis Taiwan-Besuch Drogen noch mehr Drogenabhängige in den USA geben - wie hier in Philadelphia? (Archivbild) © Spencer Platt/afp

Der Taiwan-Besuch von Nancy Pelosi belastet die Beziehungen zwischen China und den USA schwer. Und er könnte ungeahnte Folgen haben für Washingtons Kampf gegen die Drogen.

Peking – Die Regierung Chinas hat den USA nach dem Besuch Nancy Pelosis in Taiwan auf verschiedene Weise ihre Ablehnung gezeigt. Neben den Militäroperationen wurde beispielsweise die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Drogenhandels aufgekündigt. Speziell die Droge Fentanyl ist ein großes Problem in den USA. Durch das Ende der Zusammenarbeit könnte es in den USA zu noch mehr Drogentoten kommen.

Diese Gefahr ist der chinesischen Regierung bewusst, wie der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Wang Wenbin, bei seiner Erklärung zum Ausstieg zu verstehen gab: „Die Konsequenzen für die Untergrabung der bilateralen Beziehungen und die Beschädigung der China-US-Zusammenarbeit im Bereich der Rauschgiftbekämpfung sollen in vollem Umfang von der US-Seite getragen werden.“

China größter Lieferant von illegalem Fentanyl

Denn China ist laut einer Studie der US-amerikanischen Drogenbehörde DEA der größte Lieferant von illegal hergestelltem Fentanyl oder verwandten Stoffen. Der Vorwurf lautet, China flute den US-Markt mit der Droge, und Peking schaue dabei weg. Das synthetische Opioid, das ursprünglich zur Schmerzbekämpfung speziell von Krebspatienten entwickelt wurde, fand in den 2000er-Jahren seinen Weg auf den Schwarzmarkt – und treibt seither die Opferzahlen in die Höhe. Eine Überdosis Fentanyl ist in den USA eine häufige Todesursache.

Fentanyl hat eine 50- bis 100-Mal stärkere Wirkung als Morphium. Der Stoff ist deswegen bei Drogenkartellen beliebt. Sie mischen es anderen Substanzen wie Heroin oder Kokain bei, um deren Wirkung zu erhöhen. Da die Konsumenten oft nichts von der Beimischung wissen, kommt es immer häufiger zu unabsichtlichen Überdosierungen. Weitere Konsumenten sterben durch gefälschte, mit Fentanyl versetzte Medikamente, die ahnungslosen Kunden verkauft werden.

China sieht den Kern des Problems in den USA

Allein im letzten Jahr hat Fentanyl laut des US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) zu mehr als 100.000 Drogentoten geführt. Rahul Gupta, Direktor des Office of National Drug Control Policy, sagte als Reaktion auf Chinas Beendigung der Kooperation, China müsse in der Bekämpfung eine Schlüsselrolle spielen: „Zu einer Zeit, in der eine Epidemie der Überdosen alle fünf Minuten ein Leben fordert, ist es inakzeptabel, dass die Volksrepublik China ihre Zusammenarbeit zurückzieht – die helfen würde, jene Individuen, die diese illegalen Drogen verbreiten, zur Rechenschaft zu ziehen.“

Doch die Zusammenarbeit war auch vorher schon von Konflikten und Schuldzuweisungen geprägt. Einen vermeintlichen Durchbruch in der Kooperation hatte es 2019 gegeben. China hatte nach Zusagen von Präsident Xi Jinping beim G-20 Gipfel das Fentanyl stärker kontrolliert. Webseiten, die den Verkauf von Fentanyl offen betrieben, wurden geschlossen, Postsendungen strenger kontrolliert, und einige chinesische Staatsbürger wurden hart bestraft. Doch die Zahl der Drogentoten in den USA ging weiter in die Höhe.

Kooperation zwischen China und den USA seit längerer Zeit schon problematisch

Die chinesische Seite deutet das als klares Zeichen, dass sie mit dem Problem nichts zu tun habe. Dass es trotzdem einen Anstieg an Drogentoten gegeben hätte, zeige, dass die USA „die Crux des Problems nicht angegangen“ hätten, so der chinesische Botschafter in den USA.

Auch der Sprecher des Außenministeriums bekräftigte dies noch einmal bei seinem Statement zum Ausstieg: „Was den Fentanyl-Missbrauch in den USA betrifft, möchte ich betonen, dass die Wurzel dieser Krise in den Vereinigten Staaten liegt“, so Wang. Die Drogenbekämpfung in den USA sei einfach weniger effektiv als die in China.

Diese Aussage wirkt vor dem Hintergrund des in China staatlich propagierten Narrativs, dass die massenhafte Einfuhr von Opium durch die westlichen Kolonialmächte im 19. Jahrhundert der Hauptgrund für Chinas Opium-Krise war, fast zynisch.

USA halten Chinas Drogenbekämpfung für wenig effizient

Auch zeichnen US-Quellen ein anderes Bild der Effizienz des chinesischen Durchgreifens von 2019. Die internationalen Kartelle seien schlicht dazu übergegangen, statt Fentanyl als fertigem Wirkstoff einfach die Grundstoffe aus China zu beziehen. Das Endprodukt würde dann in den USA oder in Nachbarstaaten wie Mexiko hergestellt. Das chinesische Durchgreifen habe dazu geführt, „dass Lieferungen aus China in die USA auf nahezu Null fielen. Aber seit die Maßnahmen in Kraft sind, wurden die USA von Grundstoffen aus China überflutet und haben die internationalen Bemühungen damit erstickt“, so Gupta in einem Kommentar im Wall Street Journal.

Weiter wirft Gupta den Chinesen vor, den Besuch Pelosis in Taiwan nur als Vorwand genommen zu haben, um aus der Zusammenarbeit auszusteigen. Er sagte einen weiteren Anstieg von Fentanyl-Opfern weltweit voraus. Mittel und langfristig verstärkt Chinas Ausstieg damit die Eskalation zwischen den beiden Ländern. Denn auch die Todesopfer können in Zukunft als Vorwand für politische Maßnahmen seitens der USA herangezogen werden.

Von Gregor Koppenburg und Jörn Petring

Jörn Petring und Gregor Koppenburg leben seit einigen Jahren als freie Autoren in Peking. Seit Anfang 2021 berichten sie von dort auch für China.Table.

Dieser Artikel erschien am 2. September 2022 im Newsletter China.Table Professional Briefing – im Zuge einer Kooperation steht er nun auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.

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