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China entführt kanadischen Milliardär – und verurteilt ihn zu 13 Jahren Haft und Millionenstrafe

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Vor fünf Jahren wurde er entführt, nun verurteilte ihn ein Gericht in China zu einer hohen Haft- und Geldstrafe: Der Kriminalfall Xiao Jianhua klingt filmreif.

München/Shanghai – Am chinesischen Neujahrstag vor fünfeinhalb Jahren ereigneten sich in einem Hotel in Hongkong Szenen, wie man sie sonst nur aus einem Hollywood-Film kennt: Mehrere Männer drangen an jenem Februartag im Jahr 2017 in ein Zimmer im Four-Seasons-Hotel ein und entführten den Bewohner. Zunächst brachten sie ihn aus der Stadt, anschließend offenbar über die Grenze und in die chinesische Stadt Shenzhen. Das Opfer: Xiao Jianhua, ein kanadischer Milliardär chinesischer Abstammung.

Xiao Jianhua
Xiao Jianhua muss für 13 Jahre in Haft. © dpa

Am Freitag (19. August) wurde der heute 50-Jährige von einem Gericht in China wegen Bestechung, Veruntreuung und anderer Finanzverbrechen zu 13 Jahren Haft verurteilt. Die Investmentgruppe Tomorrow Holding des Finanziers, der umfangreiche Beziehungen in die Elite der Kommunistischen Partei unterhalten hatte, muss ferner 55 Milliarden Yuan, umgerechnet acht Milliarden Euro, an Strafe bezahlen, wie das Erste Volksgericht am Freitag in Shanghai verfügte.

China: Gericht verurteilt Milliardär wegen Bestechung und Verstößen gegen Vorschriften

Das Gericht verhängte zudem eine persönliche Geldstrafe von 6,5 Millionen Yuan (945.000 Euro) gegen Xiao. Er habe sich schuldig bekannt und sei kooperativ gewesen. Deswegen sei das Urteil „gnädig“ ausgefallen. Von 2001 bis 2021 hätten die Tomorrow Holding und Xiao Jianhua eine Reihe von Staatsbediensteten mit Anteilen, Wohnungen, Bargeld und anderem Eigentum im Wert von insgesamt 680 Millionen Yuan (98 Millionen Euro) bestochen. Zweck sei es gewesen, sich der Finanzaufsicht zu entziehen und andere „unangemessene Vorteile“ zu erhalten, teilte das Gericht mit. Die bestochenen Staatsdiener hätten sich in anderen Verfahren verantworten müssen.

Die Investmentgruppe und ihr Chef hätten mit ihren Machenschaften „gegen Finanzwirtschaftsrecht und Aufsichtsvorschriften verstoßen“, befand das Gericht. Auch hätten sie „ernsthaft die Finanzordnung untergraben und die finanzielle Sicherheit des Landes gefährdet“. Teile der Tomorrow Holding waren bereits in staatliche Hand übergegangen.

China: Entführter Milliardär galt zunächst als verschwunden

Nach der Entführung im Jahr 2017 blieb Xiao zunächst verschwunden. Seine Firma veröffentlichte anschließend Zeitungsanzeigen, in denen es hieß, Xiao befindet sich zur „medizinischen Behandlung“ im Ausland. Wenig später teilten chinesische Behörden mit, der Milliardär sei „überzeugt“ worden, Hongkong zu verlassen, um mit den Ermittlern in China zusammenzuarbeiten. Vor zwei Jahren berichteten Chinas Staatsmedien schließlich, Xiao werde wegen Bestechung und Börsenmanipulation angeklagt.

Bei einer Anhörung des Shanghaier Gerichts im Juli hatte die kanadische Botschaft vergeblich Zugang erbeten. Außenamtssprecher Wang Wenbin sprach vor der Presse in Peking bei Xiao Jianhua von einer doppelten Staatsangehörigkeit, die China nicht anerkenne. Laut einem Bericht der South China Morning Post besaß Xiao außerdem einen Diplomatenpass für den Karibikstaat Antigua und Barbuda. (sh/dpa)

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