China

China: Corona und Überschwemmungen - es droht die nächste Katastrophe

  • vonFabian Kretschmer
    schließen

In China verbreitete sich von der Provinz Hubei aus das Coronavirus – nun zerstören heftige Regenfälle die Ernten der chinesischen Region, die wichtiger Lebensmittellieferant für das ganze Land ist.

  • China erlebt neben dem Corona-Virus die nächste Katastrophe.
  • Durch starke Regenfälle und Überschwemmungen in der chinesischen Provinz Hubei wurden tausende Häuser bereits zerstört.
  • Durch die Überschwemmungen in China sind die Ernten in Gefahr. Die betroffene Region Hubei gilt auch als die „Kornkammern“ Chinas.

Wuhan - Die Provinz Hubei kommt sprichwörtlich vom Regen in die Traufe. Zu Beginn des Jahres verbreitete sich von jener chinesischen Region aus die Corona-Pandemie, die seine fast 60 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner zu einer über zweimonatigen Quarantäne zwang. Nun wird Hubei und deren Hauptstadt Wuhan von einer Naturkatastrophe heimgesucht.

Die Provinz leidet unter Regenfällen, wie sie laut Staatsmedien „nur einmal alle 200 Jahre stattfinden“. Der wirtschaftliche Schaden für die Region im Inneren von Zentralchina beläuft sich bereits jetzt auf 4,5 Milliarden Yuan, was umgerechnet etwa 570 Millionen Euro entspricht. „Ich finde das enorm tragisch. Das ist wie Öl ins Feuer gießen“, sagt Jürgen Ritter vom Deutsch-Chinesischen Agrarzentrum (DCZ).

Corona, Regenfälle und Überschwemmungen: Wirtschaftlicher Schaden für die Region Hubei in China

Angefangen von der Afrikanischen Schweinepest, die die Zuchtbestände in China zeitweise halbiert hat, über die coronabedingten Lockdowns bis hin zu den nun zerstörerischen Fluten im Einzugsgebiet des Jangtse-Flusses: Chinas Landwirtschaftssektor wird im Jahr 2020 von gleich drei schweren Krisen heimgesucht.

Besonders prekär an der Lage ist, dass ausgerechnet die „Kornkammern“ Chinas am stärksten von den Hochwassern betroffen sind, allen voran die für den Reisanbau wichtige Provinz Jiangxi. Dort hat die Lokalregierung formal den Kriegszustand ausgerufen, um zusätzliche Ressourcen zur Bewältigung der Lage freizusetzen.

Die Sommermonate Juni und Juli sind zwar in Südchina ohnehin traditionell die Regenzeit, in der monsunartige Niederschläge teilweise über Wochen hinweg das Land und seine Bewohnerinnern und Bewohner heimsuchen. Dieses Jahr jedoch scheint sich eine Jahrhundertflut anzubahnen.

Auch andere Regionen, wie hier Guangxi Zhuang, sind überflutet.

Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet von landesweit 212 Flüssen mit alarmierend hohen Wasserständen, 19 davon befänden sich derzeit sogar auf einem Allzeithoch. Am Sonntag hat das chinesische Ministerium für Wasserwirtschaft dann das Notfallsystem für den Hochwasserschutz auf die zweithöchste Stufe der Skala gesetzt.

China - Überschwemmungen kosten Millionen: Ernteausfälle und Notfallhilfen

Die Regierung in China hat unterdessen zudem Notfallhilfen in Höhe von 309 Millionen Yuan für die besonders schwer getroffenen Regionen locker gemacht, das entspricht umgerechnet knapp 40 Millionen Euro. Das Geld soll vor allem für den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur genutzt werden.

Bereits jetzt ist klar, dass die Fluten drastische Folgen für die diesjährigen Ernteerträge in China haben werden. In der Provinz Hunan in China hat die Lokalregierung die Bäuerinnen und Bauern dazu angehalten, die Reisfelder frühzeitig zu ernten, um die Schäden in Grenzen zu halten. Belastbare Zahlen haben die Behörden in China jedoch bislang noch nicht herausgegeben.

„Sicherlich ist ein großer Ernteausfall zu erwarten“, sagt Landwirtschaftsexperte Ritter vom Deutsch-Chinesischen Agrarzentrum (DCZ). „Aber die Ernährungssicherheit dürfte sicher gewährleistet sein, es sollten große Vorräte da sein“, meint er. Unter Mao Tsetung hatte die Volksrepublik China noch darauf abgezielt, in Bezug auf seine Ernährungssicherheit praktisch vollkommen autark zu funktionieren.

Wenn auch abgeschwächt, ist der Wille zur Selbstversorgung in Bezug auf Grundnahrungsmittel in China nach wie vor vorhanden. Laut einem aktuellen „White Paper“ vom Informationsbüro des Staatsrats heißt es, China „produziert derzeit 95 Prozent seines Eigenbedarfs für Getreide“.

Chinas Landwirte leiden, Tausende Häuser durch die Regenfälle zerstört

Für Millionen Landwirtinnen und Landwirte in der Region dürften die Fluten dennoch massive wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen. Allein in den Provinzen Anhui und Jiangxi in China mussten vergangene Woche zudem insgesamt rund 300.000 Menschen ihre Häuser verlassen.

Mindestens 2000 Häuser in der chinesischen Region wurden durch die Fluten bereits zerstört. In den sozialen Medien kursieren Tausende Videos von Rettungskräften in Booten, die Anwohnerinnen und Anwohner aus den Fenstern ihrer Heime in Sicherheit retten.

Rubriklistenbild: © Zhang Ailin/XinHua/dpa

Mehr zum Thema

Kommentare