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Ukraine-Krieg: Putin „im Fieberwahn“ – Russland verbreitet Verschwörungserzählungen

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Von: Vincent Büssow

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Der Ukraine-Krieg ist auch ein Kampf der Desinformation. Der Zirkel um Wladimir Putin greift zu immer haltloseren Verschwörungserzählungen – mit realen Gefahren.

New York – In der Rechtfertigung des russischen Einmarschs in die Ukraine greift Wladimir Putin* immer tiefer in die Kiste der Verschwörungserzählungen. Während Moskau die Regierung in Kiew zuletzt noch als Nazi-Regime bezeichnete, das einen Genozid in den Regionen Luhansk und Donezk im Donbass durchführen würde, ist nun von Chemiewaffen in der Ukraine* die Rede. Westliche Staaten haben Russland deshalb „wilde Verschwörungserzählungen“ vorgeworfen.

Bereits vor Beginn des Ukraine-Kriegs* nutzte Russland Desinformation als Taktik. In einem Aufsatz, in dem Putin die „historische Einheit von Russen und Ukrainern“ beschwor, stellte er gleichzeitig die Nationalität des Nachbarlandes infrage. Historiker widersprachen dieser Auffassung vielfach. Auch die aktuelle Debatte hatte ihren Ursprung bereits im Februar, als US-Außenminister Anthony Blinken im UN-Sicherheitsrat davor warnte, Russland könnte das Argument der Chemiewaffen als Rechtfertigung für eine Invasion der Ukraine nutzen. Genau das ist jetzt geschehen.

Russlands Präsident Wladimir Putin
Putin greift zu ganz verschiedenen Verschwörungserzählungen, um den Ukraine-Krieg zu begründen. (Archivbild) © Mikhail Klimentyev/AFP

Ukraine-Krieg: Russland wirft Ukraine Experimente mit Chemiewaffen vor

Russland berief extra ein Treffen des UN-Sicherheitsrates in New York ein, um seine Vorwürfe zu äußern. Am Freitag (11.03.2022) behauptete der russische UN-Botschafter Wassili Nebensia vor dem mächtigsten Gremium der Vereinten Nationen, dass die Regierungen in Kiew* und den USA* gemeinsam Labore zur Herstellung von Chemiewaffen in der Ukraine betreiben würden. Dabei gehe es unter anderem um die Pest, Cholera und Anthrax. „Es wurden Experimente ausgeführt, um die Übertragung von gefährlichen Krankheiten durch aktive Parasiten wie Läuse und Flöhe zu untersuchen“, sagte der russische Botschafter. Die restlichen Mitglieder des Rates widersprachen vehement.

Ukraine-Krieg: UN-Botschafterin nennt Russlands Vorwürfe „kompletten Unsinn“

„Lassen Sie es mich diplomatisch ausdrücken: sie sind kompletter Unsinn“, sagte die britische UN-Botschafterin Barbara Woodward zu den Vorwürfen, für die Russland keine Belege hervorbrachte. Weiter nannte sie die Behauptungen „eine Reihe wilder, vollkommen haltloser und verantwortungsloser Verschwörungserzählungen“. Ähnlich äußerte sich die US-Botschafterin Linda Thomsa-Greenfield. Russland habe die Sitzung „zu einem einzigen Zweck beantragt, zu lügen und Falschinformationen zu verbreiten“, sagte sie. Aber auch wenn die Aussagen nicht auf wahren Erkenntnissen beruhen, könnten sie auf eine reale Gefahr hindeuten.

Der Vertreter der Ukraine hielt mit seiner Meinung auch nicht hinterm Berg. Russland habe sich mit diesem Treffen ins eigene Fleisch geschnitten, sagte Sergej Kyslytsya, Putin und seine Handlanger verbreiteten hier nur „irrsinnige“ Vorwürfe „im Fieberwahn“.

Ukraine-Krieg: UN befürchten Einsatz von Chemiewaffen

Die Anschuldigungen von Russland könnten nur der erste Schritt in einer Kampagne sein, die den tatsächlichen Einsatz von Chemiewaffen in der Ukraine zur Folge hätte. So warf Thomas-Greenfield Russland vor, derartige Angriffe offenbar selbst „unter falscher Flagge“ durchführen zu wollen. Ähnliche Vorwürfe äußerte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, die auf bisherige Einsätze von Chemiewaffen durch Russland, wie die Vergiftung des Putin-Kritikers Alexej Nawalny*, verwies. (vbu/afp) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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