Ganztagsbetreuung

Chancen für die Wirtschaft

Eine Studie zeigt: Eine breite Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder lohnt sich auch wirtschaftlich.

Eine breite Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder hat einer Studie zufolge positive Bildungseffekte und lohnt sich auch wirtschaftlich. Zum einen könnten vor allem sozial benachteiligte Kinder besser gefördert werden, ihre Chancen auf höhere Bildungsabschlüsse und ein später gutes Einkommen würden steigen. Eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung sieht zudem zahlreiche ökonomische Vorteile, auch für den Staatshaushalt.

Eltern, besonders Mütter, könnten häufiger und mehr arbeiten. Sowohl der Niedriglohnsektor als auch die Arbeitslosigkeit würden laut Prognose sinken. Bis 2025 könnten rund 37.100 Vollzeitstellen neu entstehen, bis 2030 rund 54.800. Infolge zusätzlicher und höherwertiger Jobs und eines stärkeren Wirtschaftswachstums geht die Berechnung von steigenden staatlichen Einnahmen und schrumpfenden Sozialausgaben aus.

Dafür müssten aber zuerst öffentliche Milliarden investiert und der Koalitionsvertrag umgesetzt werden. Dieser sieht für Grundschüler einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz ab 2025 vor. Kommen die vom Bund für die laufende Legislaturperiode bis 2021 in Aussicht gestellten zwei Milliarden Euro und gebe es in der folgenden Legislatur weitere zwei Milliarden, könnten bis 2025 rund eine Million neue Ganztagsplätze entstehen, prognostiziert die Untersuchung zweier Wirtschaftswissenschaftler im Auftrag der Stiftung.

Im Schuljahr 2017/18 hatten knapp 42 Prozent der Grundschüler einen Ganztagsplatz, wie Stiftungsexperte Dirk Zorn unter Berufung auf Zahlen der Kultusministerkonferenz sagte. Der Bedarf sei aber wesentlich höher, liege nach unterschiedlichen Erhebungen bei 70 bis 80 Prozent. Bis zum Schuljahr 2025/26 geht die Studie von rund 3,2 Millionen Grundschulkindern und einer geschätzten Lücke von mindestens 1,4 Millionen Plätzen aus – gemessen am aktuellen Stand.

Als ein wichtiger Baustein für mehr Chancengleichheit könnten zusätzliche Ganztagsplätze besonders Frauen mit Kindern, Alleinerziehenden und Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern helfen, heißt es. Auch die Armutsquote könne dadurch zurückgehen.

Neben dem Digitalpakt sei das Ganztagsprojekt derzeit das wichtigste schulische Reformvorhaben, sagte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Die Zahl, aber auch die Qualität der Ganztagsangebote müsse steigen – mit zusätzlichen Lehrern und pädagogischen Fachkräften.

Die Autoren bilanzieren: „Den Luxus, Kinder mehrheitlich mittags nach Hause zu schicken, kann sich Deutschland nicht mehr leisten.“ (dpa)

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