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"Die Bevormundung mündiger Bürgerinnen und Bürger muss ein Ende haben", fordern die Grünen.

Legalisierung

Cannabis-Konsum steigt

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Bei der Vorstellung des diesjährigen Drogen- und Suchtberichtes lehnt die Drogenbeauftrage Marlene Mortler eine Legalisierung wie jüngst in Kanada weiter kategorisch ab. Kritik gibt es von den Grünen.

Die Frage war betont offen formuliert, denn die harte Haltung der Drogenbeauftragten ist bekannt: Ob sie dem Beschluss Kanadas, Cannabis zu legalisieren, nicht doch etwas Gutes abgewinnen könne, wurde Marlene Mortler am Donnerstag bei der Vorstellung des diesjährigen Drogen- und Suchtberichtes gefragt. Doch die Antwort der CSU-Politikerin war wie bisher kompromisslos: „Ich halte die Entscheidung in Kanada für eine Kapitulation.“ Nach wie vor würden die Gesundheitsgefahren des Kiffens unterschätzt, warnte sie. Daher sei das „ein Schritt, der in die falsche Richtung geht“. Nur wenige Minuten später musste Mortler allerdings einräumen, dass der Cannabis-Konsum in Deutschland gerade bei Jugendlichen steigt – trotz der hiesigen Verbotspolitik.

Mortler begründete ihren Vorwurf der Kapitulation mit der Zahl der Cannabis-Konsumenten. Danach zählt Kanada mit einer Rate von fast 15 Prozent tatsächlich zur Welt-Spitzengruppe. Davor liegen nur Israel (27 Prozent), die USA (17 Prozent) und Chile (15,1 Prozent). Zum Vergleich: In Deutschland kiffen etwas mehr als sechs Prozent der Bevölkerung. Laut Drogenbericht ist die Tendenz hierzulande allerdings in allen Generationen steigend: Gaben 2015 noch 6,6 Prozent der 12- bis 17-Jährigen an, in den letzten zwölf Monaten Cannabis konsumiert zu haben, stieg der Anteil 2016 auf knapp sieben Prozent. Bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren wuchs die Rate in diesem Zeitraum von 16,3 auf 16,8 Prozent. Auch bei den Erwachsenen zeigen die Zahlen nach oben.

Mortler zeigte sich besorgt über diese Entwicklung. „Die Antwort kann aber nicht die Legalisierung sein“, sagte sie. Sie sprach stattdessen von einem „ganzheitlichen Ansatz“ und verwies unter anderem auf ein nationales Präventionskonzept, das gegenwärtig von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung für einen Millionenbetrag erarbeitet wird. Natürlich sei auch ihr klar, dass viele Menschen kein größeres Problem mit ihrem Cannabis-Konsum hätten. „Aber wir müssen die im Blick haben, denen es unter dieser Droge ohne Zweifel schlecht geht“. Sie verwies auf das Risiko einer Abhängigkeit und von psychischen Störungen. Cannabis sei unter allen illegalen Drogen nach wie vor der häufigste Grund, warum Menschen eine Suchtbehandlung begännen.

Im Drogenbericht wird in diesem Zusammenhang auf eine Entwicklung verwiesen, die nach Einschätzung Mortlers die Gefährlichkeit von Cannabis erhöht: So stieg den Angaben zufolge der Gehalt des Wirkstoffes THC in Cannabis in den vergangenen Jahren deutlich an. Er hat sich zwischen 1996 und 2017 in etwa verdreifacht. Gleichzeitig sank der Anteil von Cannabidiol, das die berauschende Wirkung von THC abmildern kann.

Als wichtigstes Ziel ihrer Politik nannte Mortler, die Drogensüchtigen generell deutlich früher als bisher mit Hilfsangeboten zu erreichen. Konkret schlug sie ein Verfahren wie in Portugal vor, um schnelle Hilfe zu gewähren und eine Kriminalisierung der Betroffenen zu verhindern: Wer mit Drogen zum Eigenkonsum erwischt wird, soll wählen können, ob er eine Strafe akzeptiert oder stattdessen Hilfe annimmt und sich einer Behandlung unterzieht. Mortler stellte aber klar: „Wir halten an einem Verbot von Cannabis fest“.

Die Gewerkschaft der Polizei unterstützte die Drogenbeauftragte. „Fällt ein Verbot, wird damit gleichzeitig suggeriert, dass etwas ja gar nicht so gefährlich ist, wie immer behauptet wurde“, sagte Gewerkschaftschef Oliver Malchow. Auch sei es ein Irrglaube, dass die Legalisierung eines verbotenen Stoffes die damit in Verbindung stehende Kriminalität reduziere.

Die Grünen warfen der großen Koalition dagegen vor, mit ihrer Verbotspolitik gescheitert zu sein. Die Drogenpolitikerin Kirsten Kappert-Gonther sagte auf Anfrage, die Legalisierung sei genau der richtige Weg, um den Gesundheits- und Jugendschutz zu stärken. “Die Bevormundung mündiger Bürgerinnen und Bürger muss ein Ende haben“, forderte sie.

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