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Bushido mit einem seiner Kumpels bei einem öffentlichen Auftritt

Vermögens-Vollmacht

Bushidos Familienbande

Rap-Star Bushido soll sein Vermögen einem berüchtigten Clan vermacht haben. Der gesamte Umfang der Vollmacht ist jedoch nicht bekannt. Politiker fordern, dass Bushido der Bambi aberkannt wird.

Von Andreas Kopietz

Rap-Star Bushido soll sein Vermögen einem berüchtigten Clan vermacht haben. Der gesamte Umfang der Vollmacht ist jedoch nicht bekannt. Politiker fordern, dass Bushido der Bambi aberkannt wird.

Er bekam den Integrations-Bambi und ließ sich mit Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) fotografieren. Deutschlands erfolgreichster Rapper Bushido gilt als Vorzeigebeispiel für gelungene Integration. Doch jetzt fordert Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU), dem Rap-Barden den Bambi abzuerkennen, den er 2011 erhielt.

Das Magazin Stern hatte zuvor berichtet, dass der Musiker Mitglied eines Mafia-Clans sei. Das Magazin zitiert aus einer Ermittlungsakte des Berliner Landeskriminalamtes. Sie enthält eine Generalvollmacht, die Bushido Ende 2010 seinem Freund Arafat A. erteilte. Der ist Mitglied einer polizeibekannten palästinensischen Großfamilie. Familienmitglieder sind laut Staatsanwaltschaft immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Viele von ihnen sind nach Erkenntnissen der Polizei tief in die organisierte Kriminalität verstrickt. Die Familie A., die in Berlin Hunderte Mitglieder hat, gilt als mächtigster arabischstämmiger Clan der Berliner Unterwelt.

Mafiöse Strukturen eindeutig vorhanden

Dreizehn solcher Familien mit palästinensisch-libanesischem und libanesisch-kurdischem Ursprung beschäftigen die Polizei seit Jahren. Sie sind zum Teil verfeindet und kämpfen um Einfluss im Türstehergewerbe, Drogen- und Rotlichtmilieu. Der Leitende Oberstaatsanwalt Andreas Behm sagte der Berliner Zeitung: „Die männlichen Mitglieder dieser Großfamilie agieren im Milieu der organisierten Kriminalität. Mafiöse Strukturen sind hier eindeutig vorhanden und gerichtlich festgestellt worden.“

Bushido selbst machte nie ein Geheimnis aus seiner Verbindung zu dem Clan, der ihn angeblich wie ein Mitglied behandelt. Der Stern behauptet, dass er seinem Freund mit dem Dokument eine umfassende Vollmacht über sein eigenes Vermögen einräume und die Vollmacht so etwas wie Bushidos Adoptionsurkunde für seine neue Familie sei. In der Vollmacht heißt es unter anderem, dass er Arafat ermächtigt, „jede Rechtshandlung, welche ich selbst vornehmen könnte, und bei welcher Stellvertretung gesetzlich zugelassen ist, für mich und in meinem Namen mit rechtsverbindlicher Kraft vorzunehmen.“ Der gesamte Inhalt und Umfang der mehrseitigen Vollmacht ist jedoch nicht bekannt, insbesondere mögliche Einschränkungen. Möglich ist auch, dass es sich um eine gewöhnliche Geschäftsbeziehung handelt.

Aberkennung des Integrations-Bambi?

Bushido, der mit einer frauen-, schwulen- und israelfeindlichen Attitüde immer wieder für Aufsehen sorgte, singt inzwischen mit Karel Gott oder Peter Maffay. Die Proteste, die es hagelte, als er 2011 mit dem Integrations-Bambi ausgezeichnet wurde, sind verhallt. Sein Leben wurde verfilmt, demnächst erscheint ein zweites Buch über ihn. Bundesinnenminister Friedrich, zuständig für Kriminalitätsbekämpfung, ließ sich 2011 mit Bushido fotografieren, als dieser ein Praktikum beim CDU-Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten machte.

Inzwischen ist es dem Minister peinlich. „Das war ein Schnappschuss aus der Situation heraus“, heißt es aus Friedrichs Umfeld. Sein Parteifreund Frank Henkel wird deutlicher: „Es ist fragwürdig, dass Bushido den Integrations-Bambi trägt“, sagte er der Berliner Zeitung. „Es wurde schon häufiger spekuliert, dass es engere Verflechtungen zwischen ihm und diesem Clan gibt, der eine Reihe polizeibekannter Mitglieder hat.“ Henkel forderte den Burda-Verlag, der den Preis vergibt, auf, eine Aberkennung zu prüfen.

Auch der Abgeordnete Hakan Tas (Linkspartei) sagt: „Menschen wie Bushido können kein Integrationsvorbild sein. Es ist schade, wenn Prominente mit fragwürdigen Vereinigungen zu tun haben und den Eindruck erwecken, es handele sich bei Kriminalität um erstrebenswerten Lifestyle.“ Burda sieht laut einer Sprecherin „derzeit keine Veranlassung“, Bushido den Bambi abzuerkennen. Der Rapper ließ über seinen Anwalt ausrichten, er wolle sich nicht äußern. Dieser sprach von haltlosen Anschuldigungen und falschen Tatsachenbehauptungen.

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