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Bushido soll Bambi abgeben

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Bushido nach der Bambi-Verleihung.
Bushido nach der Bambi-Verleihung. © dpa

Nach Berichten über Bushidos Verstrickung mit einem Berliner „Mafia-Clan“, fordern Politiker jetzt die Aberkennung des Integrations-Bambis, den Bushido 2011 verliehen bekommen hatte.

Der Rapper Bushido hat nach Berichten über eine von ihm erteilte Generalvollmacht an eine Berliner Großfamilie scharfe Kritik aus der Politik auf sich gezogen. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) und Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) äußerten sich in der „Berliner Morgenpost“ vom Donnerstag empört. Aus CDU und FDP wurden Forderungen laut, Bushido den 2011 an ihn verliehenen Integrations-Bambi des Burda-Verlags abzuerkennen.

Das Magazin „Stern“ berichtet in seiner neuen Ausgabe, Bushido unterhalte enge Verbindungen zu einem Berliner „Mafia-Clan“. Der Rapper habe einem Mitglied einer libanesisch-palästinensischen Großfamilie im Dezember 2010 eine Generalvollmacht erteilt, die dem Mann den Zugriff auf Bushidos Geld, seine Immobilien und Firmen ermögliche.

Die notariell beglaubigte und beurkundete Vollmacht liegt dem Magazin nach eigenen Angaben vor. In einem im „Stern“ abgedruckten Faksimile der mutmaßlichen Vollmacht heißt es, der Bevollmächtigte werde ermächtigt, „jede Rechtshandlung“, die Bushido selbst vornehmen könnte, an seiner Stelle „mit rechtsverbindlicher Kraft“ vorzunehmen. Damit hätte der Bevollmächtigte umfassende Gewalt über den gesamten Besitz und alle Belange des Rappers.

Laut „Stern“ ermittelte die Berliner Kriminalpolizei bereits wegen des Verdachts auf zahlreiche Delikte gegen Mitglieder der Familie, unter anderem wegen Drogen- und Menschenhandels, Erpressung und Zuhälterei. Das Blatt zitiert einen Berliner Oberstaatsanwalt mit den Worten, die männlichen Mitglieder der Familie agierten „im Milieu der organisierten Kriminalität“.

Bambi aberkennen

Buschkowsky nannte das Ausstellen einer solchen Generalvollmacht „die Aufgabe des eigenen Willens, des gesamten Lebens“. Offenbar betrachte Bushido die Großfamilie als seine „Adoptiveltern“.

Der integrationspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Serkan Tören, schrieb laut „Bild“-Zeitung (Freitagsausgabe) an Verleger Herbert Burda, damit dieser Bushido den Integrations-Bambi wieder entzieht. „Ich bitte Sie eindringlich, ihm den Integrationspreis abzuerkennen“, schrieb Tören demnach. Wer „engen Kontakt“ zu den „Größen der Berliner Unterwelt pflegt“, sei kein Beispiel für Integration, sondern „das genaue Gegenteil davon“.

Auch Berlins Innensenator Henkel nannte es „fragwürdig“, dass Bushido den Integrations-Bambi tragen könne. Der CDU-Politiker forderte den Burda-Verlag auf, eine Aberkennung zu „prüfen“.

Eine Sprecherin des Burda-Verlags bestätigte den Erhalt von Törens Brief. Zugleich sagte sie der Nachrichtenagentur AFP: „Derzeit planen wir nicht, Bushido den Preis abzuerkennen.“

Burda vergibt den Bambi seit 1948 an nationale und internationale Persönlichkeiten. Berühmte Preisträger sind der frühere US-Präsident Bill Clinton und Box-Legende Mohammed Ali. Andere Preisträger des Integrations-Bambis sind der Fußballer Mesut Özil und der Berliner Rabbi Daniel Alter. In der Jury-Begründung zur Preisvergabe an Bushido hieß es 2011: „Bushido setzt sich ein gegen Gewalt und für ein respektvolles Miteinander in einer multikulturellen Gesellschaft.“ (afp)

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