+
Der Koala ist in seinem natürlichen Lebensraum bedroht.

Verheerende Buschbrände in Australien

Buschbrände in Australien: Koalas „funktionell ausgestorben“

  • schließen
  • Stefan Krieger
    Stefan Krieger
    schließen
  • Christian Stör
    Christian Stör
    schließen

Während Australien Rekorddürre und Buschfeuer erlebt, ist die Koalapopulation mit ihrem Lebensraum dramatisch geschrumpft.

  • Verheerende Buschfeuer in Australien 
  • mindestens vier Menschen sind bei denBränden in Australien ums Leben gekommen 
  • Polizei hat zwei mutmaßliche Brandstifter gefasst 
  • zwei Bundesstaaten in Australien haben den Notstand ausgerufen 
  • Bewohner der Ostküste müssen ihre Häuser verlassen


Update, 25.11.2019, 11.30 Uhr: Die Vorsitzende der australischen Koala Foundation, Deborah Tabart, schätzt, dass mehr als 1.000 Koalas bei den verheerenden Bränden in Australien getötet wurden und dass 80 Prozent ihres Lebensraums zerstört worden sind. Damit wären die Koalas „funktionell ausgestorben“. Das funktionale Aussterben tritt ein, wenn eine Population so begrenzt wird, dass sie in ihrem Ökosystem keine bedeutende Rolle mehr spielt und die Population nicht mehr lebensfähig ist.

Andere Forscher weisen darauf hin, dass es schwierig sei, die genaue Anzahl der Koalas zu bestimmen. Die Population könnte viel größer als von der Koala Foundation vermutet. Tierschützer gehen davon aus, dass bei den verheerenden Buschbränden im November allein im Bundesstaat New South Wales hunderte Koalas verendeten. Eine Koala-Klinik nördlich von Sydney rettete zuletzt 31 der Beuteltiere. 

Bei einer Online-Spendenaktion für die betroffenen sind mehr als eine Million australische Dollar (rund 600.000 Euro) zusammengekommen. Die Sammelaktion habe mehr Spenden erzielt als jede andere derartige Kampagne in diesem Jahr, teilte die Plattform GoFundMe mit. Das ursprüngliche Ziel von 25.000 Dollar wurde damit weit übertroffen. Spenden kamen von mehr als 20.000 Menschen aus zahlreichen Ländern.

Buschbrände in Australien: Scott Morrison ignoriert Klimaschutz

Australiens Premierminister Scott Morrison wies derweil Vorwürfe zurück, wonach seine Klimapolitik die beispiellosen Feuer befördert habe. Australien trage "seinen Teil" zum Klimaschutz bei, sagte er am Donnerstag im Radiosender ABC. Morrisons Regierung hatte die Bedrohungen durch den Klimawandel in der Vergangenheit bereits relativiert.

Wissenschaftler, ehemalige Feuerwehrchefs und von den Feuern betroffene Bewohner verwiesen dagegen immer wieder auf einen Zusammenhang zwischen den schweren Bränden zu dieser Jahreszeit und dem Klimawandel.

Update, 15.11.2019, 7:49 Uhr: Mittlerweile sind in Australien mehr als 350 Häuser durch die gewaltigen Buschbrände beschädigt oder völlig zerstört worden. Im Bundesstaat Queensland an der Ostküste wurden Bewohner aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Auf Schildern war die Warnung „Leave now“ („Gehen Sie jetzt“) zu lesen. 

Nach Angaben der Behörden wüten in dem Bundesstaat jetzt mehr als 60 Brände. Die Bekämpfung wird durch hohe Temperaturen und heftigen Wind erschwert. Mehr als 1000 Feuerwehrleute sind im Einsatz.

Buschbrände in Australien: Zahl der Todesopfer steigt

Update, 14.11.2019, 7:20 Uhr: Die Zahl der Todesopfer bei den verheerenden Buschbränden in Australien ist auf vier gestiegen. Bei Löscharbeiten in Kempsey im Bundesstaat New South Wales sei die Leiche eines Mannes entdeckt worden, teilte die Polizei mit. Der Mann galt seit einigen Tagen als vermisst.

Die Behörden haben inzwischen zwei mutmaßliche Brandstifter festgenommen. Feuerwehrleute waren nach Angaben der Polizei bei einem Einsatz zur Rettung eines Gleitschirmfliegers aus einem Baum nahe Wollongong, knapp 80 Kilometer südlich von Sydney, auf einen 20-Jährigen aufmerksam geworden, der eben einen Buschbrand entfacht hatte. Der Brand sei umgehend gelöscht worden, da die Flammen nur einen kleinen Bereich erfasst hatten.

Ein weiterer mutmaßlicher Brandstifter sei am Mittwochabend gefasst worden, nachdem die Besatzung eines Armeehubschraubers verdächtiges Benehmen eines Mannes im Royal National Park bei Sydney beobachtet hatte. Die Soldaten unterstützten die Polizei bei der Suche nach dem Mann, der sich vor den Beamten versteckt hatte, berichtete der "Daily Telegraph" am Donnerstag.

Nach Dafürhalten der Behörden sind einige der vielen Buschbrände absichtlich gelegt worden. Die Flammen haben in New South Wales und im benachbarten Queensland bereits mehrere Tausend Quadratkilometer Buschland erfasst. Beide Regionen haben den Notstand ausgerufen. 

Buschbrände an der Ostküste: Evakuierungen an beliebtem Touristenort

Update, 13.11., 10.50 Uhr: Die Situation in Australien wird immer dramatischer. Die Buschfeuer sind weiter außer Kontrolle, mancherorts bleibt nur das Meer als Fluchtweg. So beispielsweise auch in Noosa North Shore, einem Strandort rund 150 Kilometer nördlich von Brisbane, der Hauptstadt des Bundesstaates Queensland. Das Feuer loderte weniger als einen Kilometer entfernt von einem Campingplatz an der Küste. Hier wie auch in anderen Gemeinden an der Ostküste haben die Behörden inzwischen Evakuierungen angeordnet. Es gilt die höchste Warnstufe der Feuerwehrbehörde, die zum sofortigen Verlassen der Gegend auffordert. Die Menschen sollen sich per Fähre in Sicherheit bringen, solange sie noch können. 

Lesen Sie auch: Brandrisiko: Australische Politiker bezeichnen Klimawandel als „Quatsch“

Ebenfalls in Queensland verunglückte ein Löschhubschrauber beim Einsatz gegen Buschbrände in Pechey, wie der australische Sender ABC berichtete. Den Angaben nach überlebte der Pilot den Absturz mit leichten Verletzungen. Auch in Pechey galt der Aufruf zur sofortigen Räumung. In ganz Queensland brannten am Mittwoch vier Buschfeuer als Notfall auf höchster Gefahrenstufe, darunter jenes in Noosa.

Wind und Temperaturen von fast 40 Grad heizen die Feuer immer wieder an. Bei den Löscharbeiten ist ein Hubschrauber verunglückt, wie merkur.de* berichtet.

Buschfeuer in Australien außer Kontrolle

Erstmeldung, 12.11.: Experten vergleichen die derzeitigen Bedingungen in Australien bereits mit dem sogenannten „Schwarzen Samstag“ des Jahres 2009, als 173 Menschen starben. Extreme Temperaturen gepaart mit trockenen Bedingungen und starken Winden haben fast 80 Feuer angefacht, von denen etliche außer Kontrolle geraten sind. 3000 Feuerwehrleute kämpfen derzeit gegen eine Feuerfront, die sich bereits über tausend Kilometer entlang der Ostküste Australiens zieht.

Mehr als 600 Schulen blieben am Dienstag geschlossen, einige mussten während des Unterrichts evakuiert werden. In den vergangenen Tagen schon rückten die Feuer immer näher an die Millionenmetropole Sydney heran, eine Region, in der etwa sechs Millionen Menschen leben.

Gladys Berejiklian, Ministerpräsidentin des Bundesstaates New South Wales, in dem auch Sydney liegt, hat einen siebentägigen Ausnahmezustand ausgerufen. Sie sagte am Dienstag, es gehe darum, „Leben zu schützen, Eigentum zu schützen und dafür zu sorgen, dass jeder so sicher wie möglich ist“.

Verschärft der Klimawandel die Situation bei Sydney?

Bisher sind bei den Feuern drei Menschen ums Leben gekommen und fast 200 Häuser abgebrannt. Die Außenbezirke Sydneys wurden am Dienstag aufgerufen zu evakuieren. Einige Buschfeuer brachen auch direkt in der Stadt aus, die von Nationalparks durchzogen ist.

Bewohner bei Sydney bringen ihre Ponys in Sicherheit.

Vor allem in den ländlichen Gegenden strömten viele Frauen und Kinder teils mit ihren Haustieren in Evakuierungszentren, während die Männer sich oftmals dafür entschieden, zu bleiben und ihr Haus und Gut gegen das Feuer zu verteidigen. „Mein Mann ist immer noch im Haus und wird alles im Auge behalten“, sagte eine Frau aus der Gegend von Hillville lokalen Medien.

Einer der Orte, der besonders schlimm betroffen ist, ist Tenterfield, etwa 700 Kilometer nördlich von Sydney. Christian Uhrig, ein deutscher Auswanderer, der dort mit seiner Frau zusammen ein deutsches Café betreibt, schrieb, dass er sehen könne, wie ein starker Wind eine große schwarze Wolke vor sich her gen Osten treibe. „Diejenigen, die ihr Haus und Hab und Gut verloren haben, sind in Schock“, sagte er. „Und diejenigen, auf die das Feuer zubrennt, in großer Angst und zumeist schon evakuiert in eines der Massenlager oder bei Freunden.“ Obwohl die kleinen Kommunen zusammenhalten und sich gegenseitig bestmöglich unterstützen würden, sei es doch schwer zu ertragen und die langfristigen Folgen seien nicht absehbar. An Normalität sei derzeit nicht mehr zu denken.

Während die Feuerwehr gegen die Katastrophe kämpft, wird in der Bevölkerung wie auch in der Politik darum gestritten, ob der Klimawandel die Situation verschärft. Grundsätzlich sind sich die Wissenschaftler einig, dass die höheren Temperaturen und die zunehmende Trockenheit die Feuer intensivieren, auch wenn sich einzelne Ereignisse nicht eindeutig als Folge des Klimawandels interpretieren lassen.

Australien: Buschbrände wüten im Südosten

Die Feuerwehr in Australien hatte gewarnt

Trotzdem weigerte sich der australische Premierminister Scott Morrison diese Woche, Fragen zum Klimawandel zu beantworten und sandte nur seine „Gedanken und Gebete“ an alle Betroffenen. Kritiker verglichen dies mit der Rhetorik in den USA, wenn nach Amokläufen Waffenreformen abgelehnt werden. Der stellvertretende Premierminister Michael McCormack ging sogar so weit, den Klimawandel völlig als ein Gespinst der „verrückten, innerstädtischen Linken“ abzutun. „Wir hatten in Australien schon immer Feuer“, sagte er gegenüber Medienvertretern.

Die Feuerwehr hingegen stellt sich auf die Seite der Wissenschaft. Bereits im April veröffentlichten 23 ehemalige Feuerwehrchefs und Einsatzleiter einen Brief, in dem sie die Regierung vor „zunehmend katastrophalen Extremwetterereignissen“ warnten. Sie forderten ein Treffen, das von der Regierung abgelehnt wurde.

(Von Barbara Barkhausen)

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion