1500 Fisch- und 400 Korallenarten leiden unter dem Klimawandel, Abwässern und den Dornenkronenseesternen. 
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1500 Fisch- und 400 Korallenarten leiden unter dem Klimawandel, Abwässern und den Dornenkronenseesternen.

Great Barrier Reef in Gefahr

Das bunte Riff soll auf die Rote Liste

  • vonBarbara Barkhausen
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Umweltschützern gehen Australiens Bemühungen zum Schutz des Great Barrier Reef nicht weit genug. Um den Druck zu erhöhen, fordern sie von der Unesco, das Riff als „gefährdetes Welterbe“ einzustufen.

Umweltschützer aus Australien und den Vereinigten Staaten drängen darauf, dass die Unesco das Great Barrier Reef bei ihrer anstehenden Überprüfung als „gefährdetes Welterbe“ einstuft. Die Organisationen Earthjustice und Environmental Justice Australia machen die australische Regierung in einem Bericht für das Sterben der Korallen verantwortlich, da sie keine ausreichenden Maßnahmen gegen den Klimawandel ergriffen habe. Das Riff wird derzeit von einer dritten Massenbleiche innerhalb von fünf Jahren heimgesucht.

Die Unesco hatte bei ihrer letzten Überprüfung vor fünf Jahren nach einer massiven Kampagne der australischen Regierung noch davon abgesehen, das Riff auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes aufzunehmen. Diese Nachsicht muss den Umweltschützern zufolge ein Ende haben: Beim nächsten Treffen müsse das Welterbekomitee die australische Regierung zur Rechenschaft ziehen, sagte Noni Austin, eine Anwältin des internationalen Programms von Earthjustice. Australien müsse „starke Klimaschutzmaßnahmen“ ergreifen, dazu gehöre auch der schrittweise Verzicht auf fossile Brennstoffe.

„Unsere rechtliche Analyse macht sehr deutlich, dass Australien gegen seine gesetzlichen Verpflichtungen aus der Welterbekonvention verstößt“, bestätigte auch Ariane Wilkinson, eine Anwältin der Organisation Environmental Justice Australia. „Australiens Pro-Kopf-Treibhausgasemissionen werden voraussichtlich bis mindestens 2030 weltweit zu den höchsten gehören, und es ist nicht auf dem richtigen Weg, seine unglaublich niedrigen Emissionsminderungsziele für 2020 oder 2030 zu erreichen.“

Die Umweltschützerin erinnerte daran, dass Australien einer der weltweit größten Exporteure von Kohle und Flüssigerdgas ist. Die Pläne, diese Exporte weiter auszubauen, würden in den kommenden Jahrzehnten weitere Treibhausgase in die Atmosphäre pumpen, warnte Wilkinson. „Das wird die Zerstörung des Great Barrier Reef beschleunigen.“

Bisher hat die australische Regierung einen Plan für das Riff bis ins Jahr 2050 vorgelegt. Mehr als zwei Milliarden Australische Dollar (umgerechnet mehr als 1,2 Milliarden Euro) sollen für die Korallen ausgegeben werden, vor allem um sie widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen. Unter anderem fließt das Geld in die Kontrolle der Dornenkronenseesterne, die die Korallen abfressen, sowie in die Verbesserung der Wasserqualität.

Würde das Riff in die Rote Liste aufgenommen werden, so würde dies den Druck auf die australische Regierung erhöhen, noch mal mehr und vor allem schneller Maßnahmen zum Schutz des einzigartigen Ökosystems zu ergreifen, glauben die Umweltschützer. Laut Noni Austin erfüllt das Riff aufgrund seiner „schlechten Gesundheit“ und der „Bedrohung durch den Klimawandel“ die Kriterien für eine Aufnahme.

Das Great Barrier Reef ist das größte Korallenriff der Erde. Es erstreckt sich über 2300 Kilometer an der Nordostküste Australiens und besteht aus mehr als 3000 Einzelriffen, die die Heimat von 1500 Fisch- und 400 Korallenarten bilden. Die Gesundheit der Korallen ist seit Jahren ein Thema: Neben Abwässern aus der Landwirtschaft und den Dornenkronenseesternen schwächen Stürme und Sedimente aus Hafenanlagen die Nesseltiere.

Zudem führte der Klimawandel in den vergangenen Jahren zu einer Erwärmung der Meere. Die erhöhten Wassertemperaturen haben häufigere Bleichen zur Folge, ein Prozess, bei dem die Symbiose der Nesseltiere mit einer Algenart, die die Korallen mit Energie versorgt und ihnen die bunten Farben verleiht, unterbrochen wird. Zwar können sich die Tiere von Bleichen auch wieder erholen, doch wenn diese zu lange andauern oder zu häufig wiederkehren, sterben die Korallen oft ganz ab. Nachdem Australien in den vergangenen Jahren mehrere Hitzerekorde gebrochen hat und das Riff bereits zweimal in Folge bleichte, sind bereits Tausende Korallen abgestorben.

In den vergangenen Monaten machten Forscher nun erneut schockierende Beobachtungen: So stellten sie bei Untersuchungen von mehr als 1000 Einzelriffen fest, dass eine „weitere starke Bleiche alle drei Regionen des Great Barrier Reef getroffen“ habe, „den nördlichen, zentralen und einen großen Teil des südlichen Sektors“, wie Terry Hughes, Korallenexperte der australischen James-Cook-Universität, erklärte. Der südliche Teil war bei den vergangenen zwei Bleichen 2016 und 2017 verschont geblieben.

Die schlechten Nachrichten aus den ersten Monaten des Jahres 2020 haben die Umweltorganisationen nun dazu animiert, die Unesco auf den Plan zu rufen. Sollte das Riff auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt werden, wäre dies eine Blamage für Australien, eine Überraschung wäre es aber wohl nicht. Denn ein Bericht, verfasst von der australischen Regierung, zeichnete schon 2019 ein düsteres Bild für die Zukunft des Riffs. So stufte man die Aussichten für das Great Barrier Reef von „schlecht“ auf „sehr schlecht“ herab.

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