Die Hände zum Himmel: Neujahr an der Copacabana in Rio.
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Die Hände zum Himmel: Neujahr an der Copacabana in Rio.

Silvester

So bunt und laut wie immer

Weltweit wurde 2020 mit fröhlichen und zumeist friedlichen Partys begrüßt – trotz aller Umweltbedenken auch mit reichlich Feuerwerk.

Mit Freude und Feuerwerk haben die Menschen in Deutschland den Jahreswechsel gefeiert und das Jahr 2020 begrüßt. Die größte Silvesterparty des Landes fand traditionell in Berlin am Brandenburger Tor statt: Zu der Partymeile kamen Hunderttausende und bejubelten das enorme Feuerwerk, das den Nachthimmel über der Hauptstadt erleuchtete. Der Andrang zu der Party war dabei erneut so groß, dass die Zugänge bereits gegen 20 Uhr geschlossen wurden.

Vor der Silvesternacht war bundesweit eine Debatte über den Sinn und Unsinn von Böllerei angesichts von Klimaschutz sowie Lärm und Aggressionen entbrannt. Zum ersten Mal waren in der deutschen Hauptstadt Raketen und Böller nicht nur auf der Partymeile verboten, sondern auch in einigen anderen Bereichen – unter anderen galt rund um den Alexanderplatz ein Böllerverbot. Die Berliner Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz, sprach aber von einem vergleichsweise normalen Einsatz-Aufkommen für einen Silvesterabend in der Hauptstadt. Während der Silvesterfeier am Brandenburger Tor wurden drei Verdächtige wegen sexueller Belästigung von Frauen festgenommen.

Die Berliner Feuerwehr war in der Silvesternacht 1523 Mal im Einsatz - das war deutlich häufiger als im Jahr zuvor mit 1385 Einsätzen. Laut Feuerwehr gab es 24 Übergriffe auf Einsatzkräfte, etwa halb so viele wie vor einem Jahr.

In Hamburg zündeten Unbekannte einen Streifenwagen mit Böllern an. Die Polizisten seien im Einsatz gewesen und nicht am Wagen, als die Täter zuerst eine Scheibe am Auto einschlugen, wie ein Sprecher sagte. Die Unbekannten hätten dann durch das kaputte Fenster Böller in den Wagen geworfen – dieser sei daraufhin komplett ausgebrannt.

Für mich soll’s bunte Flocken regnen: Eine Polizistin in New York.

Die neue Verbotszone für Silvesterfeuerwerk in der Münchner Altstadt wurde gleich im ersten Jahr von den meisten akzeptiert. Es sei nur vereinzelt Pyrotechnik gezündet worden, teilte die Polizei mit. „Einzelne dieser Fälle wurden von der Polizei mit Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen geahndet.“ Rund 20000 Menschen waren den Angaben zufolge in der Nacht auf dem Marienplatz und in den angrenzenden Fußgängerzonen unterwegs.

In Wels in Österreich hat sich in der Silvesternacht ein 22-Jähriger eine Feuerwerksrakete zwischen die nackten Pobacken klemmen und anzünden lassen – die Rakete hob aber nicht ab. Wie die Polizei mitteilte, habe sich der junge Mann nach eigenen Angaben erschreckt und daher die Gesäßbacken zusammengekniffen. Die Rakete explodierte daher unweit seines Hinterns. Der 22-Jährige verletzte sich bei dem kuriosen Vorfall und musste ins Krankenhaus gebracht werden.

In vielen Ländern der Welt begann das neue Jahr schon deutlich früher: Als weltweit Erste – bereits um 11 Uhr mitteleuropäischer Zeit – feierten die Menschen in Samoas Hauptstadt Apia den Jahreswechsel. Der Südseestaat liegt wie auch Kiribati gerade westlich der internationalen Datumsgrenze. Eine Stunde später gingen um 12 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Neuseeland die Feuerwerkskörper in die Höhe. In der größten Stadt Auckland strahlte die Harbour Bridge in Farbenwellen.

Umstritten war dagegen das Feuerwerk im australischen Sydney. Trotz verheerender Buschbrände im Land schossen um 14 Uhr mitteleuropäischer Zeit Feuerwerkskörper von der Harbour Bridge und ließen den Hafen samt dem bekannten Opernhaus zwölf Minuten lang in einem bunten Lichtspektakel erstrahlen. Zur großen Feier mit rund einer Million Besuchern wehten die Fahnen in Gedenken an die Brandopfer auf Halbmast. Angesichts der seit Wochen wütenden Buschbrände in der Region hatte eine Petition zur Absage der Pyro-Show Hunderttausende Unterzeichner gefunden. Doch die Feuerwehr erteilte eine Sondergenehmigung für das Feuerwerk.

Boot statt Böller: Neujahrsritual in Osio, westlich von Tokio.

In den folgenden Stunden begrüßten nach und nach die Länder in Asien das neue Jahr: In Japan erklangen um 16 Uhr MEZ die Glocken der buddhistischen Tempel 108 Mal. Dies entspricht nach dem buddhistischen Glauben der Zahl der irdischen Wünsche, die ein Mensch überwinden muss, um das Nirwana zu erreichen. Um 17 Uhr folgte der Jahreswechsel auf den Philippinen und in Malaysia.

In der russischen Hauptstadt Moskau lagen sich um 22 Uhr MEZ Zehntausende Menschen bei einem großen Fest am Roten Platz in den Armen. In der britischen Hauptstadt, die eine Stunde nach Berlin ins neue Jahr kam, gab es ein Feuerwerk am Riesenrad London Eye. In Rom feierten Zehntausende Menschen vor historischer Kulisse. Sie strömten zum Circus Maximus, wo das offizielle große Feuerwerk um Mitternacht losging.

Gewalttat zum Jahreswechsel in Johannesburg: Aus einem fahrenden Auto heraus schossen Unbekannte auf eine feiernde Menge und töteten dabei mindestens zwei Menschen. Sechs weitere Personen wurden bei der Gewalttat im populären Szeneviertel Melville verletzt, wie die Polizei mitteilte. Ein terroristischer Hintergrund wurde nach inoffiziellen Angaben zunächst ausgeschlossen. Die Polizei leitete eine Großfahndung ein.

In der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro begrüßten Hunderttausende Menschen das neue Jahr. Einheimische und Touristen verfolgten am Stadtstrand Copacabana das Feuerwerk über dem Atlantik. Bei der 14-minütigen Show wurden von zehn Flößen aus 16,9 Tonnen Feuerwerk in den Nachthimmel geschossen.

Eine Ausnahme bei all diesen Feierlichkeiten gab es in dem spanischen Dorf Villar de Corneja. Dort läuteten die Bewohner bereits Dienstagmittag das neue Jahr ein – in der Mini-Gemeinde sind nur rund 30 Menschen registriert, von denen die meisten über 80 Jahre alt sind. Die betagten Bürger wollen nicht bis Mitternacht wachbleiben und feiern den Jahreswechsel deshalb zwölf Stunden früher. (dpa)

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