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Beim Absturz eines Militärtransporters vom Typ Airbus A400M sind in Spanien vier Menschen ums Leben gekommen.

Militärtransporter A400M

Bundeswehr zieht nach Absturz Konsequenzen

Die Entwicklung des Militärtransporters A400M wird von einer Serie von Pannen überschattet. Mit dem Absturz eines A400M in Spanien mit vier Toten erreicht das Projekt einen neuen Tiefpunkt. Die Bundeswehr zieht erste Konsequenzen.

Die Entwicklung des militärischen Transportflugzeugs A400M ist eines der bedeutendsten Rüstungsprojekte in Europa. Jahrelange Verzögerungen und Streitigkeiten um die Finanzen haben das Paradevorhaben jedoch zu einem Sorgenkind der europäischen Verteidigungspolitik gemacht. Der Absturz einer A400M am Samstag in Sevillabedeutet einen weiteren Rückschlag für das Milliardenprojekt des Herstellers Airbus.
Das Unglück mit vier Toten war der erste Crash einer Maschine dieses Typs, der als eins der modernsten Transportflugzeuge der Welt gilt.

Es dürfte die Sorgen der Verteidigungspolitiker in den Partnerländern des Projekts noch vergrößern. Wie gravierend der Rückschlag für das Vorhaben sein wird, dürfte maßgeblich davon abhängen, aus welcher Ursache die Maschine in Sevilla gleich nach dem Start abstürzte. Am Tag des Unglücks war noch völlig unklar, ob dabei ein technisches Problem oder ein Pilotenfehler eine Rolle gespielt hatte.

Die Bundeswehr hat davon unabhängig noch am Samstag Konsequenzen gezogen. Die Transportmaschine A400M der Bundeswehr muss erst einmal am Boden bleiben. Das entschied der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Karl Müllner, am Samstag nach Angaben eines Sprechers. Demnach soll das Flugzeug, das im vergangenen Dezember an die Bundeswehr ausgeliefert worden war, mindestens so lange nicht mehr verwendet werden bis die Ursache für den Absturz der Maschine in Sevilla geklärt ist.

Sorgen ohne Ende

In Deutschland benötigt die Bundeswehr die bestellten viermotorigen Turboprop-Flugzeuge eigentlich dringend. Die bisher genutzten Transall-Maschinen sind in die Jahre gekommen. Sie gelten zwar als grundsätzlich solide, aber bei den inzwischen bis zu 46 Jahre alten Fliegern häufen sich die Pannen.

Der Bau der A400M gehört zu den heißen Eisen unter den Rüstungsprojekten. Das Vorhaben wurde praktisch von Anfang an von einer Serie von Pannen und Streitigkeiten überschattet. In den Jahren 2009 und 2010 lieferten der Airbus-Konzern und die sieben Auftraggeber - Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Belgien, Luxemburg und die Türkei - sich einen heftigen Zwist um die Finanzierung. Das Vorhaben, an dem europaweit 40 000 Arbeitsplätze hängen, stand zeitweise am Rand des Abgrunds. Airbus drohte wiederholt mit einem Abbruch des Projekts.

Technische Probleme und Sonderwünsche der Kunden hatten immer wieder zu Verzögerungen geführt, die Kosten waren aus dem Ruder gelaufen. Schließlich einigte man sich auf eine abgespeckte Version des Projekts. Die bestellte Stückzahl wurde um zehn Maschinen auf 170 reduziert. Deutschland blieb mit 53 Maschinen der größte Abnehmer. "So einen Vertrag wie beim A400M unterschreiben wir nie wieder", sagte Airbus-Chef Thomas Enders dem Magazin "Cicero".

Die Sorgen hatten auch kein Ende, als die französische Luftwaffe 2013 das erste Serienmodell der A400M in den Dienst stellte. Die Bundeswehr erhielt im Dezember 2014 wenige Tage vor Weihnachten die erste der bestellten Maschinen - mit vier Jahren Verspätung.

Die Freude darüber sollte sich jedoch in Grenzen halten. Das Bundesverteidigungsministerium listete an dem ausgelieferten Flugzeug 161 Mängel auf. Dazu gehörten das Fehlen eines Schutzsystems für gefährliche Einsätze, Einschränkungen beim Absetzen von Personal und Material sowie beim Tiefflug und bei Landungen auf unbefestigten Pisten. Noch am Samstag entschied die Luftwaffe: Die A400M der Bundeswehr muss nach dem Absturz in Spanien vorerst am Boden bleiben. (dpa/zys)

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