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Die tatkräftigste aller Brautjungfern: Melissa McCarthy.

Gilmore Girls Melissa McCarthy

Brüllend komisch

Seit über zehn Jahren ist Melissa McCarthy Dauergast im US-Fernsehen, sei es in der Serie "Gilmore Girls" oder in "Samamtha Who?". Ihr Beispiel zeigt, dass auch kräftigere Frauen Erfolge in Hollywood feiern können.

Von Patrick Heidmann

Seit über zehn Jahren ist Melissa McCarthy Dauergast im US-Fernsehen, sei es in der Serie "Gilmore Girls" oder in "Samamtha Who?". Ihr Beispiel zeigt, dass auch kräftigere Frauen Erfolge in Hollywood feiern können.

Keine Fragen zu ihrem Gewicht!“ Die Ansage der amerikanischen Presseagentin kommt ebenso scharf wie unerwartet. Niemand hatte vorgehabt, Melissa McCarthy im Interview zu fragen, wie viele Kilo sie auf die Waage bringt. Schließlich wäre das weder höflich noch für das Gespräch besonders interessant gewesen. Über die Sichtweise allerdings, die sowohl die Medien als auch ihre Arbeitgeber auf die Schauspielerin lange Zeit hatten, sprach die dringende Aufforderung Bände.

Im US-Fernsehen ist McCarthy schon seit über zehn Jahren Dauergast. Sieben Staffeln lang war sie als Sookie St. James in den „Gilmore Girls“ zu sehen, zwei weitere neben Christina Applegate in der Sitcom „Samantha Who?“. In Nebenrollen durfte sie immer wieder für ein paar flotte Sprüche sorgen, ansonsten aber hatte sich nicht allzu viel zu tun. Zum Star wird man mit solchen Jobs nicht, aber wenn man Glück hat, merken sich die Zuschauer zumindest das Gesicht. Oder eben den Körper. Denn McCarthy war nun einmal, um es uncharmant auszudrücken, die lustige Dicke vom Dienst.

Harmlos lustig

Daran änderte auch die halbstündige Comedy-Serie „Mike & Molly“ nicht viel, die voraussichtlich in diesem Herbst auch im deutschen Fernsehen auf Kabel eins zu sehen sein wird. McCarthy alias Molly lebt darin noch mit Mutter und Schwester unter einem Dach. Als Mike in ihr Leben tritt, hat aber zumindest das Singledasein ein Ende. Die beiden lernen sich in einer Selbsthilfegruppe für Dicke kennen. Da war sie also wieder, die Sache mit dem Gewicht, präsent wie eh und je. Doch immerhin: Die konventionelle und auf harmlose Weise lustige Sitcom bot McCarthy die erste echte Hauptrolle. Und eine erfolgreiche dazu. Nicht lange nach der Premiere entwickelte sich „Mike & Molly“ zu einer der meistgesehenen neuen Shows der Fernsehsaison 2010/11 und erfreut sich bis heute bester Quoten.

„Mike & Molly“ war noch nicht auf dem Bildschirm, als sich „der Glücksfall“, wie McCarthy selbst sagt, ereignete. Ihre Freundinnen Kristen Wiig und Annie Mumolo, die sie in den gemeinsamen Jahren bei der legendären Improvisationstheatergruppe „The Groundlings“ in Los Angeles kennen gelernt hatte, verfilmten ihr erstes Drehbuch. Die meisten Rollen gingen an langjährige Wegbegleiter wie McCarthy, selbst wenn deren Kinoerfahrung eher überschaubar war. „In typischen Hollywoodkomödien ist für Komikerinnen wie Melissa oder mich meistens kein Platz, doch genau das wollten wir ändern“, sagt Wiig mit Blick auf ihre Freundin. „Denn ich wusste immer, wie sehr das Publikum sie liebt. Bei ‚The Groundlings‘ standen die Leute in langen Schlangen für Tickets an, wenn sie auf der Bühne stand.“

„Brautalarm“ wurde – entgegen aller Erwartungen – die Kinosensation des vergangenen Jahres, erreichte 2011 mehr Zuschauer als „Kung Fu Panda 2“ oder „Thor“ und gilt inzwischen als die erfolgreichste Frauen-Komödie aller Zeiten. Als selbstbewusste Brautjungfer Megan, die sich hemmungslos daneben benimmt und dennoch nie der Lächerlichkeit preisgegeben wird, entpuppte sich die Amerikanerin dabei als Publikums- und Kritikerliebling. Auch innerhalb der eigenen Branche gab es nach Jahren in der zweiten oder dritten Reihe plötzlich ungeahnten Zuspruch.

Getragen von ihrem neuen Leinwanderfolg gewann McCarthy im vergangenen September für „Mike & Molly“ vollkommen überraschend einen Emmy, den wichtigsten Fernsehpreis der Welt. In diesem Jahr ist sie wieder nominiert. Anschließend durfte sie als Gastgeberin durch die legendäre Sketchshow „Saturday Night Live“ führen. Und schließlich folgte sogar eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin für „Brautalarm“, was angesichts der Deftigkeit ihrer Rolle einer kleinen Sensation gleich kam.

„Wirklich fassen kann ich noch nicht, was in meiner Karriere zuletzt alles passiert ist“, sagt die Mutter zweier Töchter, die seit 2005 mit ihrem Kollegen und „Brautalarm“-Partner Ben Falcone verheiratet ist. „Aber ich würde mir wünschen, dass diese Erfolge Veränderungen nach sich ziehen. Nicht nur im Bezug auf mich, sondern ganz allgemein in unserer Branche.“

Makellos langweilig

Damit zielt sie weniger in Richtung Fernsehen, wo stets Platz war für ungewöhnliche Frauen wie „Roseanne“ oder die „Golden Girls“. Vielmehr meint Melissa McCarthy Kino-Filme, wo sie selbst noch kürzlich höchstens als Stichwortgeberin für Jennifer Lopez oder Katherine Heigl in öden Romanzen zum Einsatz kam. „Irgendwann hat man in Hollywood leider beschlossen, dass in Komödien alle Frauen perfekt, stilisiert und makellos sein müssen. Aber damit raubt man ihnen doch jedes Potenzial, witzig zu sein. Mir geht es überhaupt nicht darum, dass ich selbst nicht unbedingt dem herkömmlichen Schönheitsideal entspreche. Sondern darum, dass doch jeder von uns so viele tolle und sicher auch mal komplizierte Frauen kennt, die brüllend komisch sind.“

Für sich selbst hat McCarthy bereits einen Ausweg aus der Situation gefunden. „Kristen und Annie haben gezeigt, wie es geht. Wenn man als Frau nach tollen Drehbüchern sucht, schreibt man sie am besten selbst!“ Und natürlich hilft der plötzliche Erfolg dabei, Türen zu öffnen. Aus zwei von McCarthy geschriebenen Drehbüchern sollen Filme gemacht werden, gemeinsam mit ihrem Mann bereitet sie eine neue Sitcom vor und in der vergangenen Sommerpause von „Mike & Molly“ stand sie außerdem für die neue Komödie von „Brautalarm“-Produzent Judd Apatow vor der Kamera. Nach ihrem Gewicht muss also niemand mehr fragen, wenn er mit Melissa McCarthy spricht. Genug Gesprächsstoff findet man auch so.

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