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Papst Franziskus eröffnet die Familiensynode mit einem Gottesdienst im Petersdom.

Interview zur Bischofs-Synode

„Brüche gehören zum Leben dazu“

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Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau über die am Sonntag von Papst Franziskus eröffnete Bischofssynode.

Herr Glück, was ist die Mindesterwartung der vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken vertretenen katholischen Laien an die Bischofssynode in Rom?
Wir erwarten, dass die Synode Freiräume eröffnet, in denen die Ortskirchen auf unterschiedliche Entwicklungen und Herausforderungen reagieren können. So sollte die Deutsche Bischofskonferenz ihren mit großer Mehrheit gefassten Beschluss umsetzen dürfen, dass wiederverheiratete Geschiedene nach Prüfung der konkreten Situation die Kommunion empfangen und in vollem Umfang am Leben ihrer Gemeinden teilnehmen können. Eine solche Weichenstellung der Synode für mehr pastorale Freiheit ginge weit über die einzelnen Streitthemen hinaus und entspräche genau dem Bild von Kirche, das Papst Franziskus beständig zeichnet.

Nämlich welchem Bild?
Eine besser austariertes Verhältnis notwendiger zentraler Regelungen und größtmöglicher regionaler Freiheiten für eine Seelsorge unter verschiedenen Bedingungen. Mit einem Wort: Das Ziel der Synode muss der Abbau zentralistischer Detailregelungen und eine Stärkung der Ortskirchen sein. Eine neue Ausgestaltung von notwendiger Einheit der Weltkirche und regionaler Vielfalt der Seelsorge.

Glaubenswahrheiten, sagen die Gegner solcher Forderungen, lassen sich weder verhandeln noch regionalisieren.
Niemand stellt Glaubenswahrheiten infrage. An der Unauflöslichkeit der Ehe zum Beispiel halten auch die fest, die sich Reformen der kirchlichen Praxis wünschen. Aber sie treten ein für einen neuen, menschenfreundlicheren Umgang mit Brüchen im Leben und mit dem Scheitern von Beziehungen. Beides gehört nun einmal zum menschlichen und zum kirchlichen Leben. Spätestens seit dem II. Vatikanischen Konzil ist doch auch theologisch klar, dass die „kirchliche Lehre“ nichts Zeitloses ist. Zwei Beispiele: Die Religionsfreiheit und die Gewissensfreiheit hatten vor dem Konzil noch den Charakter der Irrlehre. Mit den Beschlüssen des Konzils gehören sie zu den wertvollsten Schätzen des kirchlichen Glaubensgutes. Mit dieser Erinnerung setze ich auf das Wirken des Heiligen Geistes auf der Synode 2015.

Auch was die Aussagen zur Homosexualität und zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften betrifft?
Hier stehen einem echten Wandel fundamentale Unterschiede in den kulturellen Prägungen entgegen – etwa in Westeuropa einerseits, in Afrika und in anderen Regionen der Welt andererseits. Das ist nicht nur in der katholischen Kirche so. Das hat zu schwersten Spannungen und Brüchen im Weltkirchenrat geführt und beispielsweise die Beziehungen der evangelischen Landeskirche Bayern mit Partnern in Afrika schmerzlich belastet. Teilweise zerbrechen die Beziehungen zwischen den Kirchen. Ich sehe da zurzeit keine ausreichende Übereinstimmung für eine Erneuerung der gesamtkirchlichen Position.

Die deutschen Bischöfe, die an der Synode teilnehmen, reden seit Monaten Reform-Impulse herunter, die von dem Treffen in Rom ausgehen könnten. Frustriert Sie das nicht?
Nein, ich verstehe die kirchenpolitische Situation. Wir unterschätzen in Deutschland die Wucht, mit der kirchenpolitische Lager, kulturelle Strömungen und auch gesellschaftliche Wirklichkeiten in der Synode aufeinanderprallen werden. Das belastet die Reformdynamik entscheidend und mag die deutschen Synoden-Bischöfe veranlasst haben, Erwartungen zu dämpfen, um so Enttäuschungen vorzubeugen. Wichtig ist aber auch: Die Synode hat nur beratenden Charakter. Die Entscheidungen trifft Papst Franziskus, und der hat seine innere Freiheit ja nun schon mehrfach bewiesen.

Entscheidet das Ergebnis der Synode über das ganze Pontifikat von Papst Franziskus?
Es hat zumindest prägenden Charakter, wobei der Papst seit seinem Amtsantritt bereits innerkirchliche Entwicklungen in Gang gesetzt hat, die nicht mehr zurückzuholen sind. Denken Sie daran, wie offen deutsche Bischöfe heute Reformvorschläge formulieren, für die sie vor Jahren direkt von Rom gemaßregelt worden wären. Papst Franziskus ist der Pionier für angstfreie Kommunikation in unserer Kirche.

Gibt es für Sie ein Prüfkriterium, an dem Erfolg oder Misserfolg der Synode zu messen sind?
Elf Kardinäle haben gerade gemeinsam ein Manifest der Erstarrung und des zähen Beharrens als Buch veröffentlicht. Sie fordern, in der Kirche müsse alles bleiben, wie es war, und sie bürsten die zutiefst christliche Achtsamkeit für die Zeichen der Zeit brüsk weg als oberflächliche Anpassung an den Zeitgeist und die säkulare Gesellschaft – beides natürlich prinzipiell negativ verstanden. Wenn ein solcher Kurs auf der Synode Mehrheiten fände, dann bliebe wirklich nur noch die Resignation. Aber das kann und will ich mir nicht stellen.

Interview: Joachim Frank

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