Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Cantemir Gheorghiu vom Label "Papp up your life" in seinem Atelier in Berlin-Kreuzberg.
+
Cantemir Gheorghiu vom Label "Papp up your life" in seinem Atelier in Berlin-Kreuzberg.

Von der Schnapsidee zum Label

Brillen und Taschen aus Pappe

Am Anfang war es nur ein Gag: Als ironische Reaktion auf die bei Hipstern beliebten Hornbrillen bastelten zwei Berliner ein Papp-Gestell. Jetzt stellen sie die Kreationen ihres Start-Ups "Papp up your life" auf der Modefachmesse „Bread & Butter“ vor.

Mit einem Griff angelt er die Sonnenbrille vom Tisch. Dann lässt er den Arm nach hinten schnellen und schmeißt sie gegen die Wand. Cantemir Gheorghiu hebt die unversehrte Brille auf und hält sie triumphierend hoch: „Ich glaube, ich bin der erste Hersteller, der wandschmeißfeste Brillen macht“, sagt er und grinst. „Sieht genauso aus wie vorher. Da kann man sich auch drauf setzen und es passiert nichts.“

Mit ungewöhnlichen Accessoires haben sich die Berliner Cantemir Gheorghiu und Marc Aurel Hartung in der Modeszene und auf den Straßen der Hauptstadt einen Namen gemacht. Denn ihre Brillengestelle, Krawatten und Taschen fertigen sie nicht aus Plastik oder Leder, sondern aus Pappe und Papier.

In der kommenden Woche stellen sie ihre Kreationen auf der Modefachmesse „Bread & Butter“ vor. Auf dem Flughafen Tempelhof zeigen sie dann erstmals auch das neueste Produkt, eine Papp-Sonnenbrille mit Gläsern aus Sonnenvorstecker-Folie mit UV-Schutz.

Am Anfang war es nur eine Schnapsidee

Angefangen hat alles mit der Papp-Brille. „Das war ja eine Schnapsidee“, sagt Gheorghiu, der für das Design zuständig ist. Als Antwort auf die sogenannten Hipster, von denen manche Brillen mit Gläsern ohne Sehstärke tragen, bastelte er ein Papp-Gestell als ironische Reaktion auf die beliebten Hornbrillen. „Viele haben das als Sommer-Gag abgetan. Aber wir wollten nicht nur so ein Sommer-Hit sein“, erzählt er. „Und dann kamen auch all die Anfragen von überall her, immer mehr Brillen zu stanzen.“

Der studierte Kommunikationsdesigner läuft in seinem Kreuzberger Atelier umher und klaubt aus allen Ecken Accessoires zusammen. Auf dem Tisch türmen sich Brillen, Fliegen und Taschen mit Blumenmuster und Perlen, Gestelle mit Brillengläsern in Afrika-Silhouette und mit Berlin-Skyline. Auch das Logo einer Supermarktkette ist dabei, Anti-Atomkraft-Symbole und Slogans von Parteien.

Nach der Papp-Brille auch andere Accessoires zu entwerfen, hat sich bezahlt gemacht. In der Modebranche sind Gheorghiu und Hartung, die 2010 ihr eigenes Label gründeten, mittlerweile bekannt. Designer wie Ricardo Ramos oder Britta Uschkamp ließen ihre Models schon mit den Kreationen des Berliner Labels auf den Catwalks laufen.

„Accessoires erfahren gerade einen wahnsinnigen Zulauf“, erklärt André von Schúeck vom Verband Deutscher Mode- und Textildesigner. „Sie lassen sich wunderbar mit allen Outfits kombinieren.“ So entstehe ein individueller Look. Mode und Accessoires aus Papier oder Pappe hätten sich in der Vergangenheit jedoch nicht bewährt, fügt von Schúeck hinzu. „Die Produkte waren entweder nicht lange haltbar oder zu extravagant für den Mainstream.“

Zwar erhalten die beiden Berliner zumeist Aufträge von mehreren Tausend Stück ihrer Kreationen, da sich die Produktion bei dem günstigen Kaufpreis von oft nur ein paar Euro sonst nicht lohnt. Für den Mainstream sind die Brillen, Krawatten und Taschen aber dennoch nicht gemacht. „Unsere Accessoires sind ja eher ein Statement oder für einen bestimmten Anlass gedacht“, sagt Cantemir Gheorghiu.

Papp-Brillen sind bei einem breiten Publikum beliebt

Neben den großen Bestellungen vertreiben die beiden Studienfreunde ihre Brillen nach eigenen Angaben auch in etwa 200 Optikergeschäften in ganz Deutschland. Dort sind sie bei einem breiten Publikum beliebt: „Von jung bis alt, von normal bis flippig, von arm bis reich war schon jeder Käufertyp dabei“, erzählt Optiker Bernhard Cäsar, der in seinem Brillengeschäft im Prenzlauer Berg auch die Papp-Brillen anbietet. Häufig entdeckten die Kunden die Brille zufällig und kauften sie dann zum Beispiel als Geschenk.

Auch über die Grenzen Deutschlands sind die Papp-Accessoires mittlerweile bekannt. Vor allem der Zusatz „Made in Berlin“ habe den Künstlern ihrer eigenen Einschätzung nach Aufmerksamkeit beschert. Sogar im Schulunterricht kann man dem Label in Zukunft begegnen.

Nach den Sommer-Ferien liegt in den Klassenräumen die neue Ausgabe eines Schulbuchs für die Fächer Gemeinschaftskunde und Wirtschaft. Das Start-Up-Unternehmen ist darin ein Beispiel dafür, wie eine kreative Idee zum Erfolg führen kann. Immerhin können Gheorghiu und Hartung seit Kurzem von ihrer einstigen Schnapsidee leben. (dapd)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare