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Keine Lust auf Scheinwerfer: Mittlerweile lebt Bardot zurückgezogen mit ihren Tieren. 

Brigitte Bardot

„Ich habe meinen Ruhm nie begriffen“

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Früher die begehrte Schauspielerin, heute die ungeliebte Provokateurin – Brigitte Bardot wird 85 Jahre alt. 

Es scheint, als ließe sich Brigitte Bardots Leben in zwei Epochen einteilen. Die erste wäre demnach die Zeit der jungen, lebensfrohen Schönheit, die in den 1960er Jahren zur vergötterten Ikone mit Schmollmund wurde, zur „femme fatale“ schlechthin. Bis sie sich zu einer äußerst wütenden Vorkämpferin für den Tierschutz wandelte, die sich politisch am rechten Rand situiert und mehrmals wegen Volksverhetzung verurteilt wurde. Die Aufmerksamkeit, die ihr noch immer zuteil wird, verdankt sie dem Ruhm des Filmstars, der sie vorher war.

Ihrer eigenen Darstellung nach fand Bardot ihre eigentliche Bestimmung erst mit Mitte 30, als sie sich radikal vom Filmgeschäft abwandte. Der Rummel war ihr zuwider, wie sie es in ihrer 2018 erschienenen Autobiographie „Tränen des Kampfes“ beschrieb: „Ich selbst habe meinen Ruhm nie begriffen, und genau das hat mich gerettet“, steht da. 50 Jahre liegt dieser Wendepunkt jetzt zurück: Am heutigen Samstag wird „BB“, für die ihr früherer Liebhaber Serge Gainsbourg einmal das Lied „Initialen BB“ schrieb, 85 Jahre alt.

Noch in ihrer Jugend wurde die aus einem erzkatholischen Elternhaus stammende Bardot als Fotomodell entdeckt und kam rasch zum Kino. In ihrem Debütfilm „Und immer lockt das Weib“ ihres ersten Mannes, des Regisseurs Roger Vadim, liegt ihr Mythos als barfüßig tanzendes Sexsymbol begründet. Mit ihrer unschuldig-provokanten Sinnlichkeit galt sie als Modell einer befreiten Frau, die zwar Objekt der männlichen Begierde sein mag und doch selbstbestimmt lebt. Zahlreiche Affären hatte sie, viermal heiratete sie. „Ich liebe die Liebe und genau deshalb war ich so oft untreu“, erklärte sie selbst. In ihrer zweiten Ehe mit dem Schauspieler Jacques Charrier bekam sie ihren Sohn Nicolas-Jacques. Ihr dritter Mann war der deutsche Industriellenerbe Gunter Sachs.

Mehr als 80 Lieder nahm Bardot auf, über 45 Filme drehte sie, darunter Klassiker wie „Die Wahrheit“, „Die Verachtung“ und „Viva Maria“. Saint-Tropez, der Bikini, das Vichy-Karo – die blonde oder vielmehr blond gefärbte Französin war Trendsetterin und fühlte sich doch einsam, unverstanden, verfolgt. „Der Kult um meine Person und dieses Leben, in dem es immer nur um mich ging, nahmen mir die Luft zum Atmen“ – so beschrieb sie es später. Längst lebt sie zurückgezogen in ihrem Anwesen an der Côte d’Azur umgeben von ihren Hunden, Katzen, Schafen, Pferden, Wildschweinen und an der Seite ihres vierten Mannes Bernard d’Ormale.

Noch als Leinwand-Ikone hatte sie mit dem Kampf gegen die Robbenjagd begonnen und ließ sich auf dem kanadischen Packeis mit Robbenbabys ablichten, um Einfuhr-Verbot von Robbenbaby-Fellen nach Europa anzustoßen. Lautstark kritisiert Bardot Tierversuche und Zoos, hat sich mit ihrer 1986 gegründeten Organisation Fondation Brigitte Bardot dem Tierschutz vollständig verschrieben. Einer „so anmaßenden und blutrünstigen Gattung“ wie der menschlichen fühle sie sich nicht zugehörig, „solange Tiere als minderwertige Arten gelten“, erklärte sie.

Auch politisch provozierte Bardot mit ihren Warnungen vor einer „Islamisierung“ Frankreichs oder dem Wahlaufruf 2012 für die Rechtspopulistin Marine Le Pen. Die Kritik, die ihr das einbringt, nimmt sie hin: „So ist mein Leben nun einmal: alles oder nichts, strahlender Ruhm oder tiefste Verzweiflung, überbordende Liebe, die man mir entgegenbringt, und bisweilen grenzenlose Abneigung.“ Nur ungerührt lässt „BB“ noch immer kaum jemanden.

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