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Carnival of Monsters: Monsterjäger reisen um die Welt. 

Tipps für spannende Brettspiele

Monster jagen? Oder lieber nach Schätzen tauchen? Tipps für spannende Spiel-Runden

Sie suchen noch ein grandioses Strategie-Spiel? Wollen mit Monsterjägern um die Welt reisen? Oder nach verborgenen Schätzen tauchen? Hier finden Sie eine subjektive Auswahl feiner Brettspiele. 

Neben den absoluten Highlights der Spieleverlage gibt es noch viele weitere Spiele, die ungeheuer Spaß machen und reizen können. Für diejenigen, die nicht selbst zur Spielemesse „Darmstadt spielt“ kommen und verschiedene Spoiel einfach mal ausprobiern können, präsentieren wir hier eine kleine, subjektive Spiele-Auswahl. 

„Little Town“: Figuren geschickt platzieren - und kassieren 

Früh übt sich: So könnte das Motto für das Mini-Strategiespiel Little Town lauten. Man kann es fast als Tutorial bezeichnen, um den in Vielspielerkreisen bestens bekannten Mechanismus „Worker Placement“ plastisch und geradezu spielerisch zu erläutern. Worum geht es? Jeder Akteur hat Arbeiter, die er auf bestimmten Aktionsfeldern in einem Spiel einsetzt. Dann führt er die Aktion aus – und das Feld ist für den Rest der Runde blockiert.

Little Town führt das paradigmatisch vor: Jeder Teilnehmer hat fünf Arbeiter. Reihum setzt jeder einen entweder auf dem Spielplan mit 54 quadratischen Feldern ein. Auf dem Spielfeld erntet er Ressourcen wie Holz, Stein und Fisch. Auf dem für alle zugänglichen Bauplatz erschafft er kleine Gebäude, mit denen er einzelne Felder auf dem Spielplan überdeckt. Die bringen, so ein Arbeiter sie aktiviert, höhere Erträge oder wandeln – beispielsweise – Ressourcen in Siegpunkte um. Hübsch: Aktiviert ein Konkurrent ein Gebäude, muss er dafür einen Obolus entrichten. Das ist schon alles – jetzt muss man nur noch klug und strategisch vorgehen, um seine Gebäude an die lukrativsten Stellen zu setzen und dann die Arbeiter ordentlich (Siegpunkte) anschaffen zu lassen. 

Little Town: 2 – 4 Spieler (ab 10 Jahren), 45 Minuten, ca 25 Euro (Verlag Iello)

„Crystal Palace“: grandios verzahntes Strategiespiel

Wer auf die Weise vorbereitet ist – wird sich wahrscheinlich nicht unmittelbar an Crystal Palace wagen. Denn das ist ein 3-Stunden-Kracher. Thema ist die erste Weltausstellung in London 1851, für die eine wahre Glaskathedrale, der seinerzeit unfassbar beeindruckende „Crystal Palace“, erbaut wurde. Jeder Spieler repräsentiert ein Land, das bei der Ausstellung mit den tollsten Erfindungen punkten will. Wer es dann schafft, eine so verrückte Erfindung wie den „Schallaufsauger“ zu erwerben und gleichzeitig Guiseppe Verdi als Freund gewinnt, kassiert ordentlich Punkte. 

Doch das Thema Weltausstellung spielt, ehrlich gesagt, nur am Rande eine Rolle. Vielmehr geht es um ein grandios verzahntes Strategiespiel, bei dem die Arbeiter in Gestalt von Würfeln daherkommen. Mit dem netten Clou: Wer einen machtvollen Arbeiter (eine „6“) will, muss 6 Pfund zahlen. Allerdings herrscht chronischer Geldmangel. Und so können, wenn alle knapp bei Kasse sind, auch Hilfsarbeiter mit einer „1“ wertvoll sein. Da heißt es perfekt zu kalkulieren, wie viel die anderen wohl ausgeben. Das spart Kosten – und bringt, sollt man die niedrigste Würfelsumme vorweisen, noch dazu den Vorteil des Startspielers ein. 

Crystal Palace: 2 – 5 Spieler (ab 14), 60 – 150 Minuten, ca 55 Euro (Feuerland Spiele)

„Cooper Island“: Grübel-Festival für Experten 

Ebenfalls um den Einsatz von Arbeitern geht es in Cooper Island. Hier kommen sie sogar in zwei Formen vor: als einfache runde Marker und als quadratische (Vorarbeiter). Beide dürfen natürlich nur auf passende Felder platziert werden. Doch das ist wahrlich nur ein Aspekt in „Cooper Island“. Vielmehr versucht jeder, eine (Halb-)Insel zu erforschen, dabei die meisten Rohstoffe abzuschleppen, um erfolgreich Siedlungen zu bauen, Kunstwerke zu errichten oder Frachtschiffe zu beliefern. Das beschert einem zugleich Bewegungsfreiheit für die beiden eigenen Erkundungsboote, die rund um das Atoll segeln. Je weiter die vorstoßen, desto mehr kleine Vorteile spielen sie einem ein, um wiederum neue Rohstoffe zu erzeugen, Siedlungen zu bauen usw. 

Man sieht: Alles beeinflusst alles und ist hochkomplex verzahnt – ein Grübel-Festival, wie es für viele Experten-Spiele typisch ist. Ein Aspekt aber gibt „Cooper Island“ eine besondere Note: „Insel erforschen“ bedeutet, sechseckige Landschaftsplättchen auszulegen. Anders als sonst, kann man die aber, nach gewissen Regeln, übereinander stapeln. Je höher die Ebene, desto lukrativer wird das! 

Cooper Island: 2 – 4 Spieler (ab 12), 75 – 150 Minuten, ca 50 Euro (Frosted Games/Pegasus Spiele)

„Azul – der Sommerpavillon“: Fortsetzung des „Spiels des Jahres“

Bevor nun die Zahnräder im Kopf heiß laufen, hier ein Blick auf ein paar „Leichtgewichte“, die aber alle ihren eigenen Reiz haben. Azul – der Sommerpavillon ist die bereits zweite Fortsetzung des mega-erfolgreichen „Spiel des Jahres“ 2018 „Azul“. Wie bei beiden Vorgängern schnappen sich die Spieler nach bestimmten Regeln aus einer gemeinsamen Auslage die hübsch gestalteten Spielsteine. Sollten die im Erstling Kacheln darstellen für den portugiesischen Königspalast und im zweiten Spiel Glasbausteine sein, so pflastert man nun den Sommerpavillon mit Rautenmustern. Gravierender Unterschied: Bisher musste man das eingesammelte Material sofort auf dem eigenen Tableau verbauen, sprich ein passendes Legemuster arrangieren. Nun warten die Spieler bis zum Ende einer Runde – und können dann nach strategischen Gesichtspunkten an den Innenausbau gehen. 

Erfolgsautor Michael Kiesling zeigt, wie man eine Grundidee so clever variieren kann, dass jedes Mal wieder ein Spiel herauskommt, das (mindestens) die Fans sofort haben müssen. 

Azul – Sommerpavillon: 2 – 4 Spieler (ab 8), 30 – 45 Minuten, ca 40 Euro (next move games/Pegasus Spiele)

„Deep Blue“: Tauchen nach verborgenen Schätzen 

Ebenfalls kein vollständig neues Szenario präsentiert Deep Blue. Schätze suchen oder – wie hier – danach tauchen, ist sogar ein recht beliebtes Spielesujet. Liegt auch auf der Hand, denn es lassen sich viele Spannungselemente attraktiv miteinander verbinden: Die Suche unter verdeckten Karten (oder Stanzteilen), mal gibt’s Jubel, mal ein enttäuschtes „Och nee“. Der Wettlauf hin zu den Orten, wo man die größten Schätze vermutet. Gefahren, die es abzuwehren gilt – wer würde nicht gerne den Indiana Jones geben? 

Deep Blue verknüpft auf sehr hübsche Weise mehrere Spielmechaniken, die sich in jüngster Zeit großer Beliebtheit erfreuen. Da ist zum Beispiel das partizipative Element: Wenn sich einer zum Schatztauchen anschickt, können die anderen auf dem großen, weiten, blauen Meeresspielplan hinzueilen und mitmachen. Oder das „Deckbuilding“: Jeder stellt mit Karten, die er erwirbt, eine Mannschaft zusammen, die möglichst vielen Gefahren trotzt. Denn das Hauptelement beim Tauchen ist eine „Versuch dein Glück“-Variante: Aus einem Beutel werden so lange glitzernde Steine gezogen, bis es dem Expeditionsleiter zu gefährlich wird. Die gezogenen Steine stellen verschiedene Schatzarten dar – oder unterschiedliche Gefahren. Mit den richtigen Karten auf der Hand wehrt man die ab und hat auch noch die passenden Experten parat, um die Schätze an Bord zu holen. 

Deep Blue: 2 – 5 Spieler (ab 8), 45 Minuten, ca 45 Euro (Days of Wonder)

„Tajuto“: flottes taktisches Spiel

Ein Beutel mit ungewissem Inhalt spielt auch die Hauptrolle bei Tajuto. Allerdings versetzt einen dieses neueste Werk vom Altmeister unter den deutschen Spieleautoren, Reiner Knizia, in ein meditatives Japan im 6. Jahrhundert. Als Mönche bauen die Spieler der dort neu aufkommenden Religion, dem Buddhismus, Tempel. Diese sechsstöckigen Pagoden gibt es in acht Farben – alle 48 Teile sind in besagtem Beutel und werden blind gezogen. Die Währung in „Tajuto“ sind „Meditationspunkte“, statt mit Siegpunkten gewinnt, wer die meisten „Erleuchtungspunkte“ sammelt. 

Mit nur drei Grund- und zwei Nebenaktionen knüpft Knizia ein flottes taktisches Spiel, bei dem nach Vollendung der vierten Pagode abgerechnet wird. Der Witz ist die flüssige Verknüpfung von haptischer Aktion – Teil erwühlen, Beutel weiterreichen – mit dem Management, diese zufällig erworbenen Pagoden-Stockwerke punkteträchtig zu verwerten. 

Tajuto: 2 – 4 Spieler (ab 10), 60 Minten, ca 50 Euro (Abacusspiele)

„Carnival of Monsters“: Monsterjäger reisen um die Welt

Thematisch viel dichter am Geschehen ist Carnival of Monsters. Wir befinden uns im viktorianischen England und haben einen besonderen Spleen: Die bis zu fünf Akteure reisen als Monsterjäger um die Welt und stellen jeweils am Ende der drei zu spielenden Runden der Monstrologischen Gesellschaft vor, was sie erbeutet haben. Dabei bedient sich „Carnival of Monsters“ des mittlerweile sehr beliebten „Draft“-Mechanismus, den spätestens seit „7 Wonders“ bestens bekannt ist. Hier erhält jeder zu Beginn einer Runde acht Karten, wählt eine und gibt die übrigen an den Nachbarn weiter. So geht es herum, bis alle je acht Karten in ihrer Auslage haben. Wichtig ist: Ohne die richtigen Landschaftskarten können keine Monster ausgespielt werden. Und die sind natürlich gefährlich – wer nicht die notwendigen Sicherheiten vorweist, verliert Punkte. 

Das ist sehr hübsch konstruiert und das Karten herumreichen geht flott von der Hand. Der Clou aber sind Autor und die sieben Illustratoren: Erfunden hat das Spiel Richard Garfield, als Autor von „Magic: the Gathering“ sozusagen Gottvater aller Sammelkartenspiel. Und illustriert wurden die über 200 Karten von der Riege der namhaftesten deutschen Spieledesigner, unter anderem Michael Menzel, Dennis Lohausen und Franz Vohwinkel.

Carnival of Monsters: 2 – 5 Spieler (ab 12), 45 Minuten, ca 30 Euro (Amigo Spiele)

Autor: Alexander Kraft 

Weitere Brettspiel-Tipps

Das Brettspiel „Terramara“ bietet ein exzentrisch klingendes Szenario und ein ungewöhnliches Spielbrett. Doch das Spiel bedeutet Planung und Strategie pur.

Alles andere als ein Kinderspiel: Bei „Dinosaur Island“ baut jeder Spieler seinen Jurassic Park. Das will sehr gut geplant sein, sonst wird's gefährlich.

Im Brettspiel „Prêt-à-Porter“ geht es um Mode, Design, Shows, Ruhm und Preis - und Sieger wird, wer über die meisten Moneten verfügt. „Ein knallhartes Wirtschaftsspiel“, sagt Autor Ignacy Trzewiczek.

Das Brettspiel „Freshwater Fly“ setzt das Thema Fliegenfischen zauberhaft und 100-prozentig stimmig um. Es fehlt nur, dass die Spieler mit Angelruten am Tisch sitzen.

Ein Raumschiff auf dem Weg zu einem fernen Planeten: Bei „Black Angel“ müssen die Spieler clever planen, um am Ende nicht in einem defekten Blechkasten durchs All zu trudeln.

Wer viele, viele neue Spiele selbst mal ausprobieren möchte, hat dazu auf der „Darmstadt spielt“ Gelegenheit.Hessens größte Messe für Brett- und Gesellschaftsspiele feiert Jubiläum - und lädt alle Spiele-Freaks ans Brett.

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