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Brettspiel „Terramara“: Planung und Strategie in der Mittleren Bronzezeit in Norditalien.

Brettspiel „Terramara“

Brettspiel „Terramara“: Planung und Strategie pur

Das Brettspiel „Terramara“ bietet ein exzentrisch klingendes Szenario und ein ungewöhnliches Spielbrett. Doch das Spiel bedeutet Planung und Strategie pur.

Das Strategiespiel „Terramara“ schickt zwei bis vier Spieler in die Mittlere Bronzezeit nach Norditalien. Das klingt recht exzentrisch, erklärt sich aber schnell beim Blick auf die Namen des italienischen Autoren-Quartetts. Von denen sind zumindest Virginio Gigli und Flaminia Brasini seit einigen Jahren bei Spielenthusiasten bestens bekannt. Doch die eigenwillige Verortung in der Po-Ebene des Jahres 1500 v.Chr. ist gar nicht das entscheidende: Viel wichtiger ist das ungewöhnliche Spielbrett, mit dem die Italiener ihr Werk versehen.

Aus acht Teilen wird ein Rahmen zusammengepuzzelt, er lässt eine große rechteckige Fläche offen. Dort hinein werden insgesamt 14 weitere Teile eingelegt, und zwar in zwei Spalten mit je sieben Zeilen. Der Witz dabei, man ahnt es, ist die hohe Variabilität, sprich: Die länglichen Streifen sind austauschbar und je nach Anordnung und Auswahl ergibt sich stets ein anderes Spielbrett. Doch dessen Veränderbarkeit geht noch weiter! Die fünf mittleren Zeilen stellen gewissermaßen einen Rundenzähler dar. Am Ende des ersten Durchgangs werden die beiden Teile der ersten Zeile umgedreht und offenbaren auf einmal ganz andere Funktionen. Genauso nach der zweiten Runde und so fort.

Brettspiel „Terramara“: Jeder Spieler ist ein Stammesfürst

Wozu soll das nun gut sein? Bei „Terramara“ schlüpft jeder Spieler in die Rolle eines Stammesfürsten. Er verfügt über sechs Kundschafter und eine Häuptlingsfigur. Die kann er auf den einzelnen Aktionsorten des Bretts einsetzen. Damit erwirbt er Rohstoffe wie Stein, Holz, Erz oder Vieh. An anderer Stelle positioniert, veredelt man das zu Metall, Nutzholz, Quadersteinen oder Leder.

So weit, so viel klassisches „Worker Placement“. Doch im Unterschied zu anderen Spielen, bei denen man Figuren als „Arbeiter“ auf Aktionsfeldern platziert, die damit für die übrigen Teilnehmer blockiert sind, erlaubt „Terramara“ mehr. Auf viele Felder dürfen zwei Figuren – außer der „Häuptling“ macht sich da breit. Außerdem kann man seine Kundschafter auf die Aktionsstreifen der künftigen Runden entsenden. Da bringen sie zwar keinen unmittelbaren Vorteil, sichern aber zukünftige ab. Planung und Strategie pur!

Brettspiel „Terramara“: Stamm für Entwicklungsszenarien fit machen

Das Ressourcen sammeln und veredeln dient dazu, seinen Stamm im ersten Schritt für verschiedene Entwicklungsszenarien fit zu machen, dann um Siegpunkte zu generieren. So kann man seine Fähigkeit, Fernhandel bis zu den Alpen zu betrieben, verbessern. Oder durch immer ausgedehntere Reisen auf dem Po wertvolle Artefakte erwerben. Oder seine militärischen Fähigkeiten erweitern, um bei den anderen Ressourcen zu räubern. Das kostet aber „Militärpunkte“, die einem bei Bonusabrechnung am Ende vielleicht fehlen.

Ohne jetzt auf weitere Aspekte einzugehen wie die „Personenkarten“ (womit die Spieler je unterschiedliche Startfähigkeiten erhalten), fällt bei „Terramara“ eines besonders auf: Es bricht bekannte Spielschemata und damit Denkmuster auf. Das bedeutet, insbesondere für Vielspieler, eine hoch willkommene Abwechslung: „Worker Palcement“ funktioniert nicht wie sonst immer, sondern mit besonderem Kniff. Um dieses Spielbrett, das sich während der Partie sukzessive verwandelt, optimal zu bespielen, muss man ein paar Denkschrauben neu justieren.

Terramara, von Virginio Gigli, Flaminia Brasini, Stefano Luperto, Antonio Tinto, Illustration Michael Menzel; 2 – 4 Spieler (ab 12 Jahren), 120 Minuten; ca 60 Euro (Verlag: Quined Games)

Von Alexander Kraft

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