1. Startseite
  2. Panorama

„Verlust der Naturgüter niemals zu ersetzen“: Braunkohleabbau in Lützerath bedroht Artenvielfalt

Erstellt:

Von: Jana Ballweber

Kommentare

Wenn in Lützerath die Schaufelradbagger anrollen, bedeutet das für viele Tierarten den Verlust von Lebensraum. Die Renaturierung hilft dagegen wenig, meint ein Experte.

Lützerath – Beim weiter andauernden Streit um einen möglichen Braunkohleabbau im nordrhein-westfälischen Dorf Lützerath sind die Fronten weiter verhärtet. Die Landesregierung aus CDU und Grünen pocht gemeinsam mit dem Energieunternehmen RWE darauf, die Braunkohle unter dem Dorf abzubauen. Klimaschützer:innen besetzen das Dorf, um den Abbau zu verhindern.

Doch neben den negativen Folgen für das Klima, wenn die Kohle unter Lützerath noch für die Energiegewinnung eingesetzt werden würde, belastet Braunkohletagebau auch unmittelbar die Umwelt. Riesige Schaufelradbagger tragen meterweise Boden ab, in dem sich die Kohle befindet.

Unter einem großen, gelben Banner mit den Worten „1,5°C heißt: Lützerath bleibt“ steht ein Einsatzwagen der Polizei und viele Beamte mit einer Leiter.
Wenn die Klimaziele eingehalten werden soll, muss die Kohle unter Lützerath im Boden bleiben, argumentiert die Klimabewegung. © IMAGO/Christoph Hardt

Braunkohleabbau in Lützerath belastet die Tierwelt

Eine Belastung für viele Tierarten, sagt Dirk Jansen, Geschäftsleiter beim BUND Nordhein-Westfalen: „Braunkohletagebau und alle damit bedingten Kollateralschäden stellen den größtmöglichen Eingriff in Natur, Landschaft, Wasserhaushalt und die gesamten Lebensgrundlagen dar“, sagte er dem Magazin National Geographic.

Wie groß die Belastung für die Artenvielfalt ist, sei bei jeden Tagebau unterschiedlich. Im Hambacher Forst habe man beispielsweise gerichtlich einen Rodungsstopp erzwingen können, weil der Wald Lebensraum zahlreicher bedrohter Arten war. 650 Hektar Wald konnten die Umweltschützer:innen dort retten.

BUND vermutet Artenvielfalt rund um Lützerath

In Lützerath sei die Lage anders. Denn um das Dorf herum gebe es vor allem landwirtschaftlich genutzte Flächen. Das bedeute aber keinesfalls, dass mit dem Dorf nicht auch zahlreiche Tiere verschwinden würden, so Jansen: „Trotz der intensiven Agrarnutzung ist die Gegend artenreich: Hier leben viele Vogelarten wie die Lerche, Grauammer, Steinschmätzer oder Braunkelchen“. Wegen der für diese Jahreszeit untypisch milden Temperaturen hätten schon viele Vögel, auch um Lützerath herum, angefangen, ihre Nester zu bauen.

Braunkohle
Wenn die Schaufelradbagger anrücken, bleibt von der Tier- und Pflanzenwelt nicht mehr viel übrig. © Peter Endig/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Genau könne derzeit keiner sagen, welche Tiere sich noch in der Umgebung von Lützerath befänden, so Jansen. Viele würden derzeit ahnungslos in ihrem Winterschlaf liegen. Andere bedrohte Arten, wie beispielsweise der Feldhamster, seien schon länger aus der Region mit zahlreichen Tagebau-Gruben verschwunden. Der Feldhamster könne beispielsweise nicht ohne das Löss-Sediment leben, das beim Tagebau gemeinsam mit der Kohle abgetragen werden.

Lützerath: Renaturierung von Tagebau-Gruben rettet Artenvielfalt nicht

Aus diesem Grund setzt Jansen auch nur wenig Hoffnung in die versprochenen Renaturierungsbemühungen der Energiekonzerne: „Egal wie gut eine zukünftige Rekultivierung auch sein mag – sie kann den Verlust der Naturgüter niemals ersetzen.“ Erfahrungsgemäß würden neu angelegte Waldgebiete ohne Totholz von vielen Arten nicht gut angenommen.

Optimistisch bleibt Jansen trotzdem. Die Lage würde noch viel schlimmer aussehen, wenn es die Klimabewegung nicht gebe, so der Umweltschützer. „Wir lassen uns natürlich nicht frustrieren, weil wir ja auch Erfolge zu verzeichnen haben“. (Jana Ballweber)

Auch interessant

Kommentare