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Mindestens 22 Tote bei Polizeieinsatz in Rio de Janeiro

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Von: Lukas Zigo

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Tote bei Polizeieinsatz in Armenviertel von Rio de Janeiro
Ein Verletzter weint, nachdem er bei einem Polizeieinsatz in der Favela Vila Cruzeiro im Krankenhaus Getulio Vargas behandelt wurde. Augenzeugen zufolge war es in dem Armenviertel im Norden Rios zu heftigen Schusswechseln gekommen. © Bruna Prado/dpa

Bei einem Polizeieinsatz gegen Bandenmitglieder in einem Armenviertel von Rio de Janeiro sind mindestens 22 Menschen gestorben, darunter eine Anwohnerin.

Rio de Janeiro – Die brasilianischen Favelas sind Orte des Elends und der Kriminalität. Polizeieinsätze sind dort für Beamte wie Anwohner:innen gleichsam gefährlich. Bei einem solchen Polizeieinsatz im Armenviertel Vila Cruzeiro in Rio de Janeiro sind Medienberichten zufolge mindestens 22 Menschen gestorben. Nach Polizeiangaben hatten sich dort Anführer der Drogenbande Comando vermelho (Rotes Kommando) aufgehalten.

Bei dem Versuch, die Bandenmitglieder festzunehmen, sei es zu Feuergefechten gekommen. Ob es sich bei den Toten um Bandenmitglieder handelt, war zunächst noch unklar. Mindestens fünf weitere Menschen wurden den Angaben zufolge verletzt.

Brasilien: Behörden beschlagnahmen 13 Gewehre, vier Pistolen, zwölf Granaten und viele Drogen

Spezialeinheiten des Landes Rio de Janeiro und der Bundespolizei hätten diesen Einsatz länger im Voraus geplant, erklärte die Polizei. Die Verdächtigen seien auch für Überfälle auf Lastwagen verantwortlich. Am frühen Dienstagmorgen (24. Mai) seien 26 Polizeikräfte mit acht gepanzerten Fahrzeugen in das Gebiet vorgedrungen. Auch ein Hubschrauber sei eingesetzt worden. Kriminelle sollen Straßensperren errichtet haben, um die Polizei aufzuhalten. „Diese schlechten Leute wollen die Zukunft der Menschen in Rio de Janeiro zerstören. Wir werden keine Anarchie in unserem Staat zulassen“, schrieb Rios Gouverneur Cláudio Castro auf Twitter.

Eine 43 Jahre alte Bewohnerin wurde während der über zwölf Stunden andauernden Gefechte von Querschlägern tödlich verletzt. Laut Polizei wurden die Kugeln von Kriminellen abgefeuert. Bei zwölf weiteren Toten soll es sich um Bandenmitglieder handeln. Die Identifikation weiterer Toter dauert an. Die Behörden hätten 13 Gewehre, vier Pistolen, zwölf Granaten sowie eine große Menge an Drogen sichergestellt.

Brasilien: Kriminelle Banden seit Corona-Pandemie wieder auf dem Vormarsch

Die Polizei hatte das Gebiet bereits 2010 unter ihre Kontrolle gebracht und Drogenbanden vertrieben. In den vergangenen Jahren konnten diese jedoch wieder Fuß fassen. Rios Polizei machte am Dienstag das Oberste Gericht für das Wiedererstarken der Banden mitverantwortlich. Das Gericht hatte im Juni 2020 angeordnet, dass während der Corona-Pandemie Einsätze der Polizei in Armenvierteln eingeschränkt werden. Auch Kriminelle aus andern Gliedstaaten Brasiliens hätten seitdem in Rios Armenvierteln Unterschlupf gefunden, so die Polizei von Rio de Janeiro.

Tote bei Polizeieinsatz in Armenviertel von Rio de Janeiro
Anwohner protestieren gegen die Polizei in der Nähe des Getulio Vargas Krankenhauses nach einer Polizeirazzia in der Favela Vila Cruzeiro. Bei einem Polizeieinsatz in einem Armenviertel der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. © Bruna Prado/dpa

Menschenrechtsorganisationen kritisierten den Polizeieinsatz. Es gebe keine passenden Worte für die Absurditäten, die sich in Rio zutrügen, so die Direktorin von Amnesty International in Rio de Janeiro, Jurema Werneck. Vor einem Jahr starben bei einem Polizeieinsatz in dem Armenviertel Jacarezinho 28 Menschen. Im November wurden neun Leichen in einem Mangrovengebiet an Rios Peripherie gefunden. Im Februar kamen acht Menschen bei einem Polizeieinsatz ebenfalls in Vila Cruzeiro ums Leben. (lz/KNA)

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