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Invasion der Leuchtfische: Genetisch veränderte Arten gelangen in Brasiliens Gewässer

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Von: Monja Stolz

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Genveränderte Leuchtfische sind schön anzusehen, gefährden in der freien Natur aber andere Arten.
Genveränderte Leuchtfische sind schön anzusehen, gefährden in der freien Natur aber andere Arten. © David Blake/dpa

Die Zucht und der Verkauf genetisch veränderter Glofish ist in vielen Ländern dieser Welt verboten und das nicht ohne Grund – in Brasilien gefährden ausgebüxte Exemplare andere Arten.

Frankfurt – Kleine Zierfische, die im Dunkeln blau, rot oder grün leuchten – was utopisch klingt, ist schon seit Jahren ein Hit unter Aquarium-Liebhabern. Allerdings könnten genau diese sogenannten GloFish jetzt zum Problem werden: Laut science.org sind die genetisch veränderten Leuchtfische in Brasilien aus Fischfarmen ausgebüxt in die ohnehin schon unter Präsident Jair Bolsonaro leidende brasilianische Natur. Dort vermehren sich die Fische rasant und gefährden andere Arten. „Die Lage ist ernst“, sagte der Ökologe Jean Vitule von der Bundesuniversität von Paraná in Curitiba.

Die genetisch veränderten Fische wurden erstmals im Jahr 1999 an der Universität von Singapur gezüchtet. Damals wurden sie noch ausschließlich für die Forschung verwendet. Laut der Schweizer Zeitung Tierwelt hatten Forscherinnen und Forscher das für die Leuchtkraft verantwortliche Gen aus der sogenannten „Leucht-Qualle“ entnommen, um es in die Erbsubstanz eines Zebrafisches einzuschleusen. Zunächst leuchteten die Fische unter Schwarzlicht grün. Später wurden auch Gene aus anderen Quallen und Seeanemonen entnommen, um rote, blaue und gelbe Leuchtkraft herzustellen, so science.org.

Leuchtfische in Brasilien: Glofish – Von der Forschung auf den Tiermarkt

Die ursprüngliche Absicht der Forscher:innen war es, mithilfe der Fische Verunreinigungen im Gewässer aufzuspüren. Die Fische sollten in verschiedenen Farben aufleuchten, um bestimmte Schadstoffe anzuzeigen, berichtete Tierwelt. 2004 machte die US-Firma Yorktown Technologies die GloFish dann zum Kassenschlager. In den USA und in Asien fanden die ersten überhaupt erhältlichen Gentech-Haustiere unter Aquarium-Fans großen Anklang.

In der Europäischen Union sind die Fische verboten und das anscheinend nicht ohne Grund. In Brasilien wurden erstmals 2015 mehrere Gruppen von Leuchtfischen in der Natur entdeckt. Und das, obwohl der Verkauf in Brasilien ebenfalls verboten ist. Trotzdem gibt es in Brasilien einige Züchter:innen von Leuchtfischen. Aus extra angelegten Teichen waren wohl einige der Tiere entkommen. Da sie laut science.org in den brasilianischen Bächen keine natürlichen Fressfeinde hatten und schneller geschlechtsreif waren als ihre Vorfahren, vermehrten sie sich stetig. Inzwischen wurden sie in mehreren Gegenden des Landes gesichtet.

Glofish: In Brasilien spricht man inzwischen von einer Invasion der Leuchtfische

André Magalhães, Biologe am Hauptcampus der Bundesuniversität von São João del-Rei spricht inzwischen von einer Invasion. Schon bald könnten die Fische so zahlreich werden, dass sie sich direkt auf die einheimischen Arten auswirken. Die Leuchtfische könnten ihnen Nahrung wegnehmen und sie sogar jagen.

Vitule sieht zusätzlich eine Gefahr darin, dass die Leuchtfische ihre veränderten Gene an andere Fische weitergeben und diese somit auffälliger und damit angreifbarer machen. Diese Angreifbarkeit könnte allerdings ein Weg aus der Leuchtfisch-Invasion sein: Sollten die genveränderten Tiere in größere Gewässer übersiedeln, werden sie die dort lebenden Raubtiere schneller auf sich aufmerksam machen. (Monja Stolz)

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