+
Zwei Türme von Notre-Dame und eine Rauchsäule über Paris - diesen Anblick hat der Youtube-Algorithmus offenbar für den Anschlag auf das World Trade Center 2001 gehalten.

Feuer in Notre-Dame

Youtube hält Brand von Notre-Dame für Anschlag auf World Trade Center

  • schließen

Youtube verwechselt den Brand von Notre Dame in Paris mit dem Anschlag auf das World Trade Center 2001 - und zeigt entsprechende Informationen an.

Aktualisierung vom 17.4.: In den Tagen, nachdem Youtube unter einem Livestream der brennenden Kathedrale Notre-Dame Informationen über den Anschlag auf das World Trade Center 2001 angezeigt hat, wird über Algorithmen und ihre Fähigkeiten diskutiert. Der Informatik-Professor Vagelis Papalexakis vermutet gegenüber dem britischen „Guardian“, dass die automatisierten Werkzeuge von Youtube die Bilder aus Paris mit denen vom Anschlag auf das World Trade Center verwechselt haben. Er sagt: „So lange wir automatisierte Methoden nutzen, um Inhalte zu drosseln, gibt es immer Spielraum für Fehler.“ Es handele sich um ein facettenreiches Thema: zum Einen ginge es darum, falsche Nachrichten zu entdecken, aber auch darum, dass etwas fälschlicherweise mit 9/11 in Verbindung gebracht wurde. „Wir müssen herausfinden, warum der Algorithmus etwas empfiehlt“, sagt die Machine-Learning-Spezialistin Caroline Sinders ebenfalls dem „Guardian“.

Youtube zeigt 9/11-Informationen unter Livestream von Notre-Dame an

Während am Montagabend in Paris die Kathedrale Notre-Dame lichterloh brannte, boten einige Fernsehsender Livestreams aus Paris auf Youtube an. Doch manche Nutzer dieser Livestreams dürften sich gewundert haben: Unter einigen wurde eine Infotafel mit weiterführenden Informationen zum Terroranschlag auf das World Trade Center in New York 2001 eingeblendet. Wie „Niemanlab“ berichtet, war die Infotafel zu 9/11 unter den Livestreams von France24, CBS News und NBC News zu sehen, möglicherweise waren weitere Livestreams betroffen.

Offenbar hatten Youtubes Algorithmen die Rauchsäule über Paris für ein Archiv-Video vom Anschlag 2001 gehalten - und aus diesem Grund die Infobox angezeigt. Doch in diesem Fall lag der Algorithmus weit daneben. „Die Anzeigen werden von einem Algorithmus ausgespielt und unsere Systeme entscheiden manchmal falsch“, heißt es in einem Statement von Youtube, aus dem mehrere US-Medien zitieren. Youtube hat die Infoboxen für Livestreams zum Brand von Notre-Dame nach eigenen Angaben mittlerweile deaktiviert.

Die Infotafeln mit weiterführenden Informationen zu einem Thema testet Youtube seit einiger Zeit in einem begrenzten Gebiet, bevor sie weltweit verfügbar gemacht werden sollen. Da Youtube dafür berüchtigt ist, dass dort viele Videos zu Verschwörungstheorien existieren, sollen die weiterführenden Inhalte dem Nutzer die Möglichkeit eines unabhängigen Faktenchecks bieten.

Paris entsetzt: Feuer in der Kathedrale Notre-Dame

Feuer in Kathedrale Notre-Dame
Paris ist entsetzt: Am 15. April 2019 bricht in der weltberühmten Kathedrale Notre-Dame ein Feuer aus.  © rtr
Die Ursache ist zunächst unklar. In der Kathedrale werden derzeit Renovierungsarbeiten durchgeführt.
Die Ursache ist zunächst unklar. In der Kathedrale werden derzeit Renovierungsarbeiten durchgeführt.  © rtr
Die Seine-Insel, auf der die Kathedrale steht, wird teilweise evakuiert. Trotzdem versammeln sich zahlreiche Menschen.
Die Seine-Insel, auf der die Kathedrale steht, wird teilweise evakuiert. Trotzdem versammeln sich zahlreiche Menschen.  © afp
Feuer in Kathedrale Notre-Dame
Das Entsetzen über den Brand der Kathedrale steht dieser Frau ins Gesicht geschrieben.  © afp

Youtube geht gegen Impfgegner und „Flacherdler“ vor

Youtube versucht derzeit einiges, um Verschwörungstheorien auf der Plattform einzudämmen. Im Februar wurde bekannt, dass Youtube Impfgegnern den Geldhahn zudreht. Vor Videos mit impfkritischen Inhalten sind künftig keine Anzeigen mehr zu sehen, außerdem sollen die Videos nicht mehr in Empfehlungslisten auftauchen. Auch hier sollen die Tafeln mit weiteren Informationen zu sehen sein.

Auch die Theorien der so genannten „Flacherdler“ haben auf Youtube regen Zulauf - und auch sie sollen künftig weniger Verbreitung finden. Um das zu umzusetzen, will Youtube dafür sorgen, dass Empfehlungen von Inhalten, die die User desinformieren könnten, zu verringern.

Soziale Medien haben Probleme mit dem Inhalt von Livestreams

Der aktuelle Fall zeigt jedoch auch wieder einmal, wie schwierig es für soziale Netzwerke ist, mit Livestreams richtig umzugehen und automatisiert zu erkennen, was im Video zu sehen ist. Der Attentäter, der im März in Neuseeland bei Anschlägen auf Moscheen 50 Menschen umbrachte, streamte seine Tat live auf Facebook. Wie lange genau das Video online abrufbar war, ist nicht bekannt. Es dauerte jedoch lange, bis Facebook darauf aufmerksam wurde und das Video löschte. Seitdem hat Facebook hat nach eigenen Angaben 1,5 Millionen Videos des Anschlags entfernt.

In den Jahren zuvor wurden immer wieder Fälle bekannt, in denen soziale Medien beim Umgang mit Livestreams versagten - beispielsweise gab es einen Fall, in dem eine Frau ihren Suizid über Periscope streamte, ein anderes Mal wurde eine Vergewaltigung live bei Facebook gezeigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion