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Wildtiere im Zirkus: Tierschützer kritisieren die Bedingungen bei der Haltung.

Circus Krone

"Die Branche hat ihren schlechten Ruf verdient"

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Jana Mandana Lacey-Krone, Direktorin des Circus Krone, spricht im Interview mit der FR über ihre Führungsrolle und Tiere in der Manege.

Frau Lacey-Krone, wann standen Sie zum ersten Mal in der Manege?
Mit drei Jahren. Das war natürlich Spielerei, ich habe ein Pony „ins Bett gebracht“, es zugedeckt, ihm den Wecker gestellt und solche Sachen. Frau Sembach-Krone hat da genau geschaut, dass auch alles ordentlich ist. So ein bisschen mehr Leistung habe ich das erste Mal mit neun gebracht, auf dem Pferd, und ab 14 bin ich dann täglich aufgetreten, als Reiterin und mit der Freiheitsdressur.

Christel Sembach-Krone ist 2017 gestorben, sie war Ihre Adoptivmutter. Wie war Ihr Verhältnis?
Ich war schon über 20, als ich adoptiert wurde. Da war schon klar, dass ich den Circus Krone mal weiterführen sollte. Es ging darum, dass der Name erhalten bleibt. Aber sie hat mich von klein auf miterzogen und war ein dritter Elternteil für mich. Ich habe sie „Mapa“ genannt, Mama und Papa zusammen. Das tun wir unter den Mitarbeitern noch heute.

Und Ihre leibliche Familie?
Meine Eltern kommen aus der Schweiz und waren schon lange mit der Familie Krone befreundet. Nach München sind sie gezogen, weil mein Vater eine Stelle bei der Firma Bogner bekommen hatte. In München wurde ich auch geboren, aber meine Mutter hat sich dort nicht wohlgefühlt. Sie stammt aus dem Iran, und damals war es nicht so einfach, fremd auszusehen. Außerdem war mein Vater beruflich oft unterwegs. Deshalb hat sie beschlossen: Sie fährt einfach beim Circus Krone mit, zusammen mit meiner Schwester und mir. Und für mich gab es bald nur noch den Zirkus.

Und jetzt sind Sie seit einem Jahr selbst die Direktorin des Circus Krone. Wie fühlt sich das an?
Ich wurde mein ganzes Leben lang auf diese Rolle vorbereitet, und mir wurde immer schon viel Verantwortung übertragen. Aber es ist immer noch komisch für meinen Mann Martin Lacey und mich, dass die Mapa nicht mehr da ist. Die Frage „Wie hätte Mapa das gemacht?“ hilft mir oft weiter. Und mein Team unterstützt mich auch voll und ganz.

Sie hatten ein paar schlechte Schlagzeilen im Sommer. Im Juli ist in Osnabrück ein Elefant aus der Manege gestürzt, ein Zuschauer wurde leicht verletzt. Was ist da passiert?
Im Grunde war’s ein Kampf um die Rangordnung, die anderen zwei Elefanten haben den dritten gerammt. Es ist natürlich ein Fehler der Tiertrainer gewesen, den Schuh muss ich mir anziehen. Normalerweise wissen wir genau, wie die Tiere drauf sind, und entscheiden entsprechend, wer auftritt. Nach dem Motto: Die ist heute sauer? Dann nehmen wir einen anderen. Dafür haben wir ja Auswahl unter den Elefanten.

Werden die Elefanten bestraft, wenn so etwas passiert?
Nur durch Zurückweisung, da sind sie bestraft genug. Tiere können ja auch Körpersprache lesen, und ich zeige denen schon, dass ich jetzt nicht schmusen mag, und dass ich traurig bin, dass sie uns hintergangen haben. Aber man muss auch sagen, das richtet sich nicht gegen uns Menschen. Die wissen ja nicht, dass sie uns verletzen können mit so etwas.

Aber wie sorgen Sie jetzt dafür, dass die Zuschauer keine Angst haben müssen?
Wir haben jetzt erst mal nur noch einen Elefanten in der Show, damit das nicht noch mal passieren kann. Das ist zwar schade – sieht natürlich toller aus, wenn da fünf Elefanten auf einmal die Manege betreten. Aber Zeit ist jetzt die beste Heilung, auch bis die das unter sich geklärt haben mit der Rangordnung.

Einen Monat zuvor gab’s ja auch einen Elefanten-Zwischenfall.
Ja, in Neuwied. Die „Kenia“ war spazieren (lacht). Das war ja noch ganz nett dagegen, aber trotzdem saublöd für uns. War leider auch menschliches Versagen: Beim Saubermachen hat ein Tierpfleger die Tür hinter sich nicht zugemacht. Sie ist gleich hinterher und einfach losgelaufen durch die Stadt.

Aber könnte nicht auch mal ein Tiger ausbüxen?
Nein, da sollte nichts passieren. Mein Mann legt wahnsinnig Wert auf Sicherheit: mehrere Schleusen an den Käfigen, und Türen, die zum Teil nur er öffnen kann. Zum Vorfall in Neuwied aber noch mal: So etwas darf nicht passieren. Aber es ist wenigstens ein Beweis dafür, dass unsere Elefanten nicht „ständig in Ketten liegen“, wie manche Tierrechtler behaupten.

Circus Krone steht unter Beschuss wegen seiner Wildtierhaltung. Können Sie die Proteste verstehen?
Ich verstehe es grundsätzlich schon, und wir wollen auch niemanden zwingen, der einen Zirkus mit Tieren nicht unterstützen will. Aber unsere Trainings sind öffentlich, es gibt keine Gewalt und keine Grausamkeit bei uns. Immer am ersten Tag kann jeder gratis aufs Gelände kommen und sich ganz genau anschauen, wie unsere Tiere gehalten werden. Es gibt Leute, die vorm Eingang protestieren und sagen „Circus Krone quält Tiere“, aber aus Prinzip keinen Fuß aufs Gelände setzen. Das finde ich persönlich beleidigend. Natürlich hat sich die Branche ihren schlechten Ruf verdient, ich kenne die Bilder doch auch. Aber ich bin die Erste, die sagt, dass wir strengere Gesetze brauchen, um die schwarzen Schafe aus dem Geschäft zu kriegen.

Aber Sie gehören nicht dazu?
Nein. Wir werden in jeder Stadt vom Veterinäramt kontrolliert, darauf bestehen wir selbst. Wir haben seit Jahren keinen Eintrag bekommen. Die Tiere, ihr Schutz und ihre Gesundheit haben bei Circus Krone oberste Priorität. Wir haben im Sommer und Winter geeignete Unterkünfte und die finanziellen Möglichkeiten, jedes Tier nach seinen Bedürfnissen zu versorgen. Wir kennen jedes einzelne auswendig, die gehören zu unserer Familie. Das kann jeder nachvollziehen, der zu Hause einen Hund hat. Und sie sind auch unser Kapital, der Hauptgrund, warum die Leute zu uns kommen. Wenn wir wollen, dass die Tiere mit uns arbeiten, dann müssen sie gesund, gepflegt und gut drauf sein. Und vor allem dürfen sie uns nicht fürchten.

Interview: Margarethe Gallersdörfer

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