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Vergiftete Elefantenkadaver gefressen - mehr als 500 Geier verendet

Touristenparadies Botswana

Vergiftete Elefantenkadaver - mehr als 500 Geier verendet

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Sage und schreibe 537 Geier sind in dem südafrikanischen Touristenparadies Botswana kläglich verendet, nachdem sie sich von drei mit giftigen Chemikalien behandelten Elefantenkadavern ernährt hatten.

Wie die Tierschutzabteilung der botswanischen Regierung jetzt bekannt gab, hatten Wilderer die Elefanten nach ihrem Tod mit dem Gift präpariert – vermutlich um zu verhindern, dass die Geier Ranger auf den Tatort der Wilderei aufmerksam machen.

Unter den getöteten Aasfressern sollen sich allein 468 Weißrückengeier befinden, die auf der roten Listen der akut gefährdeten Tierarten der Weltnaturschutzunion IUCN stehen. Nach Angaben von Naturschützern handelt es sich um eines der größten bisher bekannt gewordenen Massensterben unter den Greifvögeln, dem außerdem auch zwei Savannenadler zum Opfer fielen.

Wildhüter hätten den Tatort inzwischen dekontaminiert und Proben des Gifts in ein Labor geschickt, teilte die botswanische Regierung mit. Unter Tierschützern löste die Meldung Entsetzen aus: „Wir können es uns beim besten Willen nicht leisten, die wichtigsten Aasfresser zu verlieren, die unsere Umwelt funktionsfähig und von Seuchen sicher halten“, sagte Kerri Wolter von der Tierschutzorganisation VulPro. Erst kürzlich hatten Naturschützer aus aller Welt auf das alarmierende Geiersterben in Afrika aufmerksam gemacht.

In den vergangenen drei Jahrzehnten sei die Population der Greifvögel auf die Hälfte zusammengeschrumpft, hieß es. Weil Geier von Bakterien getötete Tiere verzehren, ohne dabei selbst zu sterben, wird ihnen eine wichtige Rolle bei der Vermeidung von Seuchen wie Anthrax, Tuberkulose oder Tollwut zugeschrieben.

Wilderei nimmt stark zu

Der Vorfall facht auch eine Debatte weiter an, die seit Wochen die botswanische Politik beherrscht. Präsident Mokgweetsi Masisi hatte Anfang Mai das von seinem Vorgänger erlassene Verbot der Elefantenjagd aufgehoben und seine Entscheidung mit der „Überpopulation“ der Dickhäuter begründet. Gleichzeitig dementierte Masisi Meldungen, wonach Botswana derzeit von einer Welle an Wilderei heimgesucht werde.

Sein Vorgänger Ian Khama hatte Masisi vorgeworfen, jahrelange Anstrengungen für einen verbesserten Naturschutz zunichte zu machen. Inzwischen verließ Khama die von seinem Vater gegründete Botswana Demokratische Partei (BDP) und schuf eine neue Partei, die Botswana Patriotische Front (BDF). An ihrer Spitze will Khama bei den Präsidentschaftswahlen im Oktober kandidieren: Erstmals seit der Unabhängigkeit des Landes vor 53 Jahren könnte die BDP ihre Macht verlieren – und das wegen des Naturschutzes, dem der Staat fast 20 Prozent seiner Wirtschaftskraft verdankt.

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