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Nachdem sich die Katholische Kirche bezüglich der Vergewaltigung einer Elfjährigen gegen eine Abtreibung ausgesprochen hat, halten zahlreiche Frauenrechtsorganisationen Proteste im Land ab. (Symbolbild)
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Nachdem sich die Katholische Kirche bezüglich der Vergewaltigung einer Elfjährigen gegen eine Abtreibung ausgesprochen hat, halten zahlreiche Frauenrechtsorganisationen Proteste im Land ab. (Symbolbild)

Bolivien

Elfjährige vergewaltigt – Kirche verhindert Abtreibung

  • Anna Charlotte Groos
    VonAnna Charlotte Groos
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Der Fall eines elfjährigen Mädchens sorgt für eine Grundsatzdiskussion über Abtreibungen in Bolivien. Die Katholische Kirche soll die Abtreibung bewusst verhindert haben.

La Paz – Die Katholische Kirche steht für ihre ablehnende Haltung gegenüber Schwangerschaftsabbrüchen schon länger in der Kritik. Nun hat jedoch der Fall eines elfjährigen Mädchens eine neue Diskussion über Abtreibungen in Bolivien entbrannt.

Die Elfjährige soll von ihrem Stiefgroßvater mehrfach vergewaltigt und daraufhin schwanger geworden sein, so die britische Tageszeitung The Guardian. Die Katholische Kirche in Bolivien spricht sich jedoch gegen eine Abtreibung aus. Ein Verbrechen könne nicht mit einem weiteren Verbrechen gelöst werden, äußerte die Kirche laut der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Nach Vergewaltigung einer Elfjährigen in Bolivien – Katholische Kirche spricht sich gegen Abtreibung aus

Die Elfjährige soll gemeinsam mit ihren Schwestern und ihrem 61-jährigen Stiefgroßvater, der jetzt wegen des Verbrechens im Gefängnis sitzt, in der ostbolivianischen Region Santa Cruz gelebt haben. Die Eltern des Mädchens sollen in einer anderen Stadt arbeiten, weshalb die Kinder in die Obhut des Stiefgroßvaters gegeben worden waren, so The Guardian.

Eine Abtreibung ist in Bolivien im Falle einer Vergewaltigung auch nach bis zu 13 Wochen Schwangerschaft legal. Das Mädchen soll sich den Berichten zufolge aber bereits im fünften Monat befinden. Dass sie schwanger sei, habe die Elfjährige zunächst aber gar nicht gewusst, erklärte Ana Paola García gegenüber The Guardian. Sie ist Geschäftsführerin von La Casa de la Mujer, einer bolivianischen NGO für Frauenrechte. „Sie erzählte ihrer Cousine, dass sie spürte, wie sich etwas in ihrem Bauch bewegte. Ihre Cousine erzählte es ihrer Mutter - der Tante des Mädchens - die es der Polizei meldete.“

Katholische Kirche soll Abtreibung bewusst verhindert haben

Das Mädchen wurde daraufhin am vergangenen Freitag (22.10.2021) in das Percy Boland-Frauenkrankenhaus in der Stadt Santa Cruz gebracht. Als minderjähriges Vergewaltigungsopfer hätte die Elfjährige laut Gesetz auch nach Ablauf der 13 Wochen noch einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen können. Nach einem Verfassungsbeschluss aus dem Jahr 2014 sei ein Schwangerschaftsabbruch im Falle einer Vergewaltigung legal, ohne dass eine gerichtliche Anordnung erforderlich sei, so die Geschäftsführerin der NGO.

Laut lokaler Medien soll sich das Mädchen ursprünglich für eine Abtreibung entschieden haben. Die Mutter des Kindes habe dann jedoch erklärt, dass das Mädchen seine Meinung geändert habe. Dabei sei sie in Begleitung einer Anwältin der Kirche gewesen. Die Elfjährige sei daraufhin aus dem Krankenhaus in ein kirchliches Zentrum für jugendliche Mütter gebracht worden. „Offensichtlich gibt es eine Manipulation durch die katholische Kirche, die das Mädchen praktisch entführt und die Mutter zum Schweigen gebracht hat“, sagte García gegenüber The Guardian. Susana Inch, eine Sprecherin der bolivianischen Bischofskonferenz, sagte am Mittwoch (27.10.2021) gegenüber lokalen Medien: „Wir haben die ethische und rechtliche Verpflichtung, das Leben des Babys zu schützen, beide Leben müssen geschützt werden.“

Proteste gegen Katholische Kirche in Bolivien – „Mädchen sind keine Mütter“

Die Katholische Kirche soll der Familie zudem ein Hilfsangebot unterbreitet haben, was von Frauenrechtsorganisationen als Manipulationsversuch betrachtet wird. Der Mutter des Mädchens soll eine Arbeitsstelle angeboten worden sein, damit die Familie für den Unterhalt des ungeborenen Kindes und dessen spätere Ausbildung aufkommen könne. Das berichteten lokale Medien. Das schwangere Mädchen solle sich dadurch ohne Angst vor den wirtschaftlichen Folgen einer Schwangerschaft entscheiden können. Weil die Kirche mit ihrer Haltung eine ungewollte und erzwungene Schwangerschaft mitzuverantworten habe, sollen ihr nun strafrechtliche Konsequenzen drohen. Die Kirche stritt jedoch ab, versucht zu haben, Einfluss auf die Familie zu nehmen.

Frauenrechtsorganisationen in Bolivien stellen sich nun gegen die Kirche und halten Proteste ab. „Mädchen sind keine Mütter“ heißt es auf Plakaten. Zahlreiche Demonstrantinnen forderten das Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper*. Sie seien nicht länger bereit, der katholischen Kirche die ethische Deutungshoheit bei diesem Thema zu überlassen, so die KNA. Gewalt gegen Frauen ist ein großes gesellschaftliches Problem im Land. Bolivien gehört zu den Ländern mit den höchsten Frauenmordraten und der höchsten Rate an sexueller Gewalt in Lateinamerika. Meist sind Familienangehörige die Täter. 2020 wurde offiziell an jedem dritten Tag eine Frau und an jedem siebten Tag ein Kind ermordet, so der Weltfriedensdienst e.V.

Mögliche Manipulation der Kirche – Ehemalige Gesundheitsministerin spricht von „Entführung“

Die ehemalige Gesundheitsministerin Gabriela Montano unterstützte in dieser Woche die Demonstrationen für die Frauenrechte in Bolivien. Sie sprach von einer Entführung des Kindes, um es zu einer anderen Entscheidung zu bringen, indem man das Mädchen in einer kirchlichen Einrichtung untergebracht habe, in dem weitere Opfer von Vergewaltigungen und Missbrauch betreut würden.

Zuvor hatte bereits die Regierung den Fall kommentiert. Innenminister Carlos Eduardo del Castillo schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: „Wenn ein elfjähriges Mädchen gezwungen wird, ein Kind auszutragen, das das Ergebnis einer Vergewaltigung ist, werden alle seine Rechte verletzt.“ Expert:innen rechnen nun damit, dass sich die bolivianische Justiz mit dem Fall befasst und eine Grundsatzentscheidung zum Abtreibungsrecht treffen wird.

Auch die USA meldeten sich inzwischen zu Wort: „Eine erzwungene Schwangerschaft eines Mädchens gilt als Folter“, hieß es in einer Mitteilung der UN in dieser Woche. Die Vereinten Nationen stellten klar, der Schutz der Rechte von Mädchen, die Opfer von sexueller Gewalt geworden sind, müsse respektiert werden. Auch in den USA sind Schwangerschaftsabbrüche derzeit ein großes Thema. Wegen des umstrittenen Abtreibungsgesetzes in Texas* hatten zuletzt viele Menschen demonstriert. (Anna Charlotte Groos mit kna) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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