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Diskussion um generelles „Böllerverbot“ – Branche rechnet mit Rekordgewinnen

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Von: Katja Thorwarth

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Auch in Frankfurt darf in diesem Jahr wieder geböllert werden. (Archivbild)
Auch in Frankfurt darf in diesem Jahr wieder geböllert werden. (Archivbild) © Sebastian Gollnow/dpa

Die Debatte um das Silvesterfeuerwerk entbrennt alljährlich kurz vor Jahresende. Auch ein generelles „Böllerverbot“ ist in der Diskussion.

Berlin / Frankfurt - Zwei Tage vor Silvester starten - erstmals seit drei Jahren - die Verkäufe von Feuerwerk. Wegen der Corona-Pandemie war in den Vorjahren der Verkauf in Deutschland verboten worden. Viele Feiernde dürften es zu diesem Jahreswechsel wieder krachen lassen: Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) rechnet mit einem starken Umsatz von etwa 120 Millionen Euro. „Es zeichnet sich ab, dass die Nachfrage höher denn je ist“, sagte der Verbandsvorsitzende Ingo Schubert am Donnerstag (29. Dezember) im RBB-Inforadio.

Die vom 29. bis 31. Dezember angebotenen Feuerwerksprodukte müssen von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) oder einer vergleichbaren europäischen Behörde zugelassen sein. Die BAM empfiehlt allerdings, Feuerwerk nicht im Ausland zu kaufen. Käufer müssen mindestens 18 Jahre alt sein.

Böllerverbot: Städte richten Zonen ein

Jedoch haben viele Städte Böllerverbotszonen eingerichtet. Beispiel Hamburg: Hier bleibt das Abfeuern von Raketen und Böllern in der Silvesternacht rund um die Binnenalster und auf dem Rathausmarkt verboten. In Berlin herrscht ein Feuerwerks- und Böllerverbot unter anderem rund um den Alexanderplatz. In Frankfurt sind auf dem Eisernen Steg nur Knallerbsen, Wunderkerzen und ähnliches erlaubt.

Alljährlich werden gegen das Silvesterfeuerwerk Umweltbedenken vorgebracht. Rund 2050 Tonnen Feinstaub werden nach Angaben des Umweltbundesamts jährlich durch das Abbrennen der Böller freigesetzt. Außerdem werden das Müllaufkommen und die Belastung für Tiere durch Feuerwerk moniert.

„Spenden statt Böllern“ - Umwelthilfe fordert „Böllerverbot“ für Privat

Die Deutsche Umwelthilfe fordert entsprechend generell ein Verbot von privatem Feuerwerk. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) müsse wahrnehmen, dass Millionen Tiere und Menschen sowie die Umwelt unter der Böllerei litten und deshalb auch immer mehr Menschen dringend ein Verbot wollten. Die Organisation rief dazu auf, das Geld für Pyrotechnik für gemeinnützige Zwecke zu nutzen: „Spenden statt Böllern“.

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) spricht sich für ein Verbot aus, insbesondere mit Blick auf das hohe Unfallrisiko - vor allem unter Alkoholeinfluss - sowie auf Böller- und Raketen-Angriffe gegen Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst.

Warnungen vor illegalem Feuerwerk

Darüber hinaus gibt es immer wieder Warnungen vor illegalem Feuerwerk. „Illegale Knallkörper können zu erheblichen Verletzungen führen. Diese enthalten oft nicht nur Schwarzpulver, sondern sind mit einem viel stärker reagierenden Blitzknallsatz gefüllt oder enthalten eine deutlich größere Nettoexplosionsmasse“, warnt die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung. Außerdem sei nicht gewährleistet, dass vom Moment des Anzündens bis zum Zünden des Knallkörpers genügend Zeit bleibe, um den Sicherheitsabstand zu erreichen.

Pyrotechnik-Verbandsvorsitzender: Feuerwerk „schöner Brauch“

Zweimal war der Verkauf von Feuerwerk verboten worden. Grund war die Corona-Pandemie, da befürchtet wurde, volle Krankenhäuser zusätzlich mit Verletzungen durch Böller zu belasten. Als Folge der Verbote hätten viele pyrotechnische Betriebe schließen oder Personal entlassen müssen, betont hierzu der Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk (BVPK).

Verbandsvorsitzender Ingo Schubert sieht im Feuerwerk sowieso einen schönen Brauch: „Das Feuerwerk ist für mich persönlich ein schöner Brauch, um mit dem Jahr abzuschließen. Das Feuerwerk schafft es wie keine andere Unterhaltungsform, mit Emotionen zu spielen, weil es so groß ist, weil es so gewaltig ist.“ Auch mit Blick in die Zukunft spreche in dünner besiedelten Gegenden und in Vororten „überhaupt nichts“ gegen das Abbrennen von privatem Feuerwerk. Einzelne Verbotszonen in Ballungsräumen ergeben für den Verband aber „durchaus auch Sinn“. (ktho/dpa)

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