Raketenauto

Der Bluthund in der Wüste

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Brite will mit seinem Raketenauto den Geschwindigkeitsrekord brechen.

Auf den ersten Blick sieht die Szene gar nicht so ungewöhnlich aus. Ein Gefährt, das einem Düsenjäger ähnelt, rast über eine weite und leere Ebene. Wenn das Ding jetzt gleich abhebt, ist es der Start eines Jets, wie man ihn auf Flugplätzen oder in Filmen täglich miterleben kann. Doch das Ding hebt partout nicht ab. Es rast vielmehr immer schneller auf dem hellbraunen Terrain. Und die Staubwolke, die es zurücklässt, wird immer gewaltiger.

Untertitel geben an, dass das Gefährt jetzt eine Geschwindigkeit von mehr als 500 Meilen beziehungsweise 800 Kilometern pro Stunde erreicht hat. So schnell sind bislang weniger als zehn Bodenfahrzeuge in der Welt gefahren. Und dabei handelt es sich bei der Szene auf der „Hakskeen“-Pfanne in der südafrikanischen Kalahari-Wüste lediglich um einen Probelauf. Wenn alles gutgeht, soll der „Bluthund“ im nächsten Jahr mit 1300 Stundenkilometern den Weltrekord brechen. Oder gar – wie die britischen Konstrukteure träumen – mit mehr als 1600 Stundenkilometern sogar fliegenden Düsenjets den Rang abjagen.

Das Thermometer misst 36 Grad im Schatten (den es hier allerdings nicht wirklich gibt), die Windverhältnisse sind gut, der britische Kampfjet-Pilot Andy Green ist auch beim siebten Probelauf in dieser Woche noch bei bester Laune. Bei jedem neuen Versuch treibt er seinen mit einem Rolls-Royce-Düsentriebwerk EJ200 ausgestatteten Bluthund zu höheren Geschwindigkeiten: Erst 300, dann 400, dann 500 Meilen. Mehr als 500 Sensoren messen jede Kraft, die auf das knapp 13 Meter lange und auf vier Alluminium-Rädern rollende Gefährt einwirkt. Sämtliche Daten werden in Computer eingegeben und auf das erwünschte Tempo hochgerechnet. „Der erste Rekordversuch im digitalen Zeitalter“, sagt der 57-jährige Fahrer stolz.

Noch fehlt das Geld

Green ist bereits Weltrekordhalter. Mit seinem schwarzen „Thrust SSC“ entschied er 1997 den legendären Wettlauf gegen den US-Piloten Craig Breedlove um das schnellste Bodenfahrzeug der Welt für sich. Damals brach Green in der Black Rock Wüste im US-Staat Nevada als erster „Autofahrer“ die bei 1236 Stundenkilometern liegende Schallmauer – während Breedlove seinen „Spirit of America“ zu Bruch fuhr. Dass der Bluthund schließlich um rund ein Drittel schneller als der „Thrust“ rasen soll, wird er einem Raketen-Antrieb verdanken, mit dem die Eurofighter-Düse im kommenden Jahr noch angereichert werden wird. Das heißt, falls alle Probeläufe weiterhin gut verlaufen.

Zu Pannen kam es bisher nicht, sieht man von einem Feueralarm ab, der Green zum hastigen Verlassen seines Metallpfeils veranlasste. Er stellte sich allerdings als Fehlalarm heraus. Bedeutender waren die Schäden, die der aufgewirbelte Staub an der Karosserie des Fahrzeugs anrichtete, doch auch die waren schnell repariert. Nur eines könnte sich noch als tödlich für den Rekordversuch erweisen: Dass sich keine weiteren Sponsoren einfinden.

Schon vor einem Jahr wäre das bereits 2008 in Angriff genommene Projekt beinahe gescheitert, als Green und seine Techniker so gut wie Pleite waren. Damals sprang in letzter Minute noch der britische Geschäftsmann Ian Warhurst ein. Er soll einen siebenstelligen Pfundbetrag in den Rekordversuch investiert haben. Auch der reiche allerdings nicht aus, um der Rolls-Royce-Düse noch den Raketenantrieb der skandinavischen Rüstungsfirma Nammo hinzu zu gesellen, heißt es. Und ohne diesen wird der Bluthund die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen können. Bei den live im Internet verbreiteten Probeläufen handelt es sich also auch um eine Spendenkampagne.

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