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Politische Interpretinnen und Interpreten wurden keineswegs immer vom ESC ausgeschlossen. Ein Beispiel: Die ukrainische Vertreterin und Siegerin von 2004, Ruslana, galt in den Augen mancher als Symbolfigur der orangen Revolution in der Ukraine.
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Politische Interpretinnen und Interpreten wurden keineswegs immer vom ESC ausgeschlossen. Ein Beispiel: Die ukrainische Vertreterin und Siegerin von 2004, Ruslana, galt in den Augen mancher als Symbolfigur der orangen Revolution in der Ukraine.

Kommentar

Bloß nicht politisch sein?

  • VonAndreas Sieler
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Belarus – zero points. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) hat mit dem Ausschluss von Belarus vom Eurovision Song Contest (ESC) 2021 ihr Urteil im Vorfeld gefällt und „Galasy ZMesta“ als Unterstützer des Machthabers Lukaschenko ausgeschlossen. Die „nichtpolitische Natur des ESC“ sei mit dem Beitrag infrage gestellt. Der Kommentar.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Der Ausschluss von Belarus ist absolut richtig. Aber: Würde Belarus argumentieren, andere „politische“ Interpreten würden durchgewunken, müsste man einräumen: Das stimmt, zumindest teilweise. Russlands Starterin „Manischa“ setzt sich für Migrant:innen, Schwule, Lesben und gegen häusliche Gewalt ein und erfährt dafür in ihrer Heimat massiven Gegenwind von Konservativen sowie dem gesamten politisch rechten Spektrum. In Zypern gibt es eine Petition und eine breite Gegenbewegung gegen das diesjährige Lied „El Diablo“ der Sängerin Elena Tsagrinou. Christ:innen empfinden es als blasphemisch, andere gar als satanistisch, die rechtsextreme Partei Elam fordert, den Beitrag zu ersetzen. Die Rundfunkanstalt des Landes sieht sich seither Bedrohungen ausgesetzt, ihr Gebäude solle niedergebrannt werden. Auch in den vergangenen Jahren finden sich Beispiele – etwa die ukrainische Vertreterin und Siegerin 2004, Ruslana, die in den Augen mancher zur Symbolfigur der orangen Revolution aufstieg. Die zahlreichen Anti-Kriegs- und Friedenshymnen der Vergangenheit lassen sich genaugenommen ebenso als politische Botschaften einordnen – auch wenn sie zugegeben manchmal sehr weichgespült daherkommen.

Um zwei andere Debatten nicht zu vergessen: Länder wie Tunesien und Libanon – als EBU-Mitglieder teilnahmeberechtigt – haben dem ESC aufgrund der Teilnahme Israels eine Absage erteilt. Die Türkei hat nicht nur aufgrund der Erfolge homosexueller Künstler sogar die TV-Übertragungen eingestellt; man erkenne in der Veranstaltung eine ernste Gefahr für Anstand und Moral im Land.

Zudem gilt der ESC nicht umsonst in der LGBTI-Szene als beliebt. Wie es ein EBU-Sprecher einst formulierte: „Die Werte des Eurovision Song Contests sind Universalität und Inklusion sowie die stolze Tradition, Vielfalt mit der Musik zu feiern.“ Kurz: Der ESC polarisiert, weil er für Weltoffenheit, Toleranz und Vielfalt steht. In vielen gesellschaftspolitischen Themen hat sich der ESC also durchaus positioniert, was nicht ganz zur rigorosen „Bloß nicht politisch sein“-Haltung passen will. Davon abzurücken, gepaart mit einer klaren Absage an Nationalismus, Homophobie und Diskriminierung, würde der Realität etwas gerechter werden. Auch dann wäre das Urteil klar: Belarus – zero points.

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