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Der Kabarettist Helmut Schleich als „Maxwell Strauß“ in der Sendung „SchleichFernsehen“ im Bayerischen Rundfunk.
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Der Kabarettist Helmut Schleich als „Maxwell Strauß“ in der Sendung „SchleichFernsehen“ im Bayerischen Rundfunk.

Bayerischer Rundfunk

Blackfacing in Satiresendung: Kabarettist mimt im Bayerischen Rundfunk korrupten Diktator

  • Friederike Meier
    VonFriederike Meier
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Der bayerische Rundfunk steht nach einer Sendung des Kabarettisten Helmut Schleich wegen Blackfacing in der Kritik. Der Sender verteidigt die Entscheidung.

München – „Was wäre denn, wenn Franz-Josef Strauß bei seinen Besuchen in Schwarzafrika nicht nur einen bleibenden Eindruck, sondern auch einen Sohn hinterlassen hat?“, fragt der Kabarettist Helmut Schleich in der Sendung „SchleichFernsehen“, die am Donnerstagabend im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt wurde.

Es folgt eine Einblendung von Helmut Schleich, der sich als „Maxwell Strauß“, Diktator des fiktiven Staats „Mbogalo“ verkleidet hat. Er hat sich das Gesicht schwarz angemalt, trägt eine fiktive Uniform und wedelt, während er spricht, mit einem ausgestopften Krododil herum.

Kritik an Blackfacing bei Helmut Schleich im Bayerischen Rundfunk: „Afrika ist nicht nur Korruption“

Für den Beitrag, der das rassistische Blackfacing nutzt, wurde der Bayerische Rundfunk vielfach kritisiert. „Blackfacing“ hat seinen Ursprung in den „Minstrel Shows“, bei denen in den USA vor allem im 19. Jahrhundert weiße Schauspieler als Schwarze auftreten um sich über sie lustig zu machen. Dabei wurden häufig Stereotype über Schwarze bedient.

„Es wäre schön, wenn ich einmal einen öff.-rechtlichen Sender wie den BR einschalten könnte, einschalten könnte, ohne Angst zu haben, dass meine Vorfahren und ich rassistisch beleidigt werden“, schrieb der Marburger SPD-Politiker Liban Farah auf Twitter. „Afrika ist nicht nur Korruption, Diktatur, Bananenrepublik und blackfacing.“ Der Journalist Malcolm Ohanwe kritisierte: „Bevor im Bayerischen Fernsehen ein Schwarzer Mann eine Sendung moderiert, malt sich die Redaktion lieber Schwarz an und verarscht afrikanische Staaten. Muss man das verstehen?“

Blackfacing im Bayerischen Rundfunk: Bayerischer Rundfunkt verteidigt Helmut Schleich

Die Redaktion des Bayerischen Rundfunks hingegen hat die Sendung verteidigt. Eine Sprecherin des BR teilte mit, die Diskussionen zum Thema Blackfacing und der damit verbundenen Problematik seien der Redaktion bewusst gewesen und im Vorfeld der Sendung intensiv mit Helmut Schleich diskutiert worden. „In einem Satireformat muss dem Künstler aber auch ein bestimmter Freiraum für satirische Überhöhungen zugebilligt werden. Die künstlerische Freiheit ist ein hohes Gut, lotet aber manchmal auch Grenzen aus.“

Weiter teilte der BR mit: Die Kunstfigur Maxwell Strauß sei ausdrücklich eine Karikatur von Franz-Josef Strauß und sei als solche nicht losgelöst vom Text zu beurteilen: Inhalt des Beitrages sei das autoritäre Machtverständnis der Kunstfigur Maxwell Strauß.

Kritik an Blackfacing im Bayerischen Rundfunk: „Ungleichgewicht der Empörtheit“

Auf seiner Homepage schreibt der BR zur Sendung, Schleich scheue „auch vor den aberwitzigsten Kostümierungen nicht zurück“. Laut BR sagte Schleich zu dem Beitrag, als Kabarettist sei es seine Aufgabe, Dinge überspitzt darzustellen. „Gerade durch einen erfundenen Sohn Maxwell Strauß zeige ich den Import neokolonialer Strukturen aus dem globalen Norden nach Afrika auf.“

Auch an der Reaktion des Senders gab es wiederum Kritik. „Der WDR entschuldigt sich mit ~ Programm-Unterbrechung ~, weil in einem Song Omas als „Umwelt-Sau“ bezeichnet werden, der BR verteidigt ganz bewusst #Blackfacing um zu zeigen, dass man auch mal Grenzen ausloten dürfen soll“, schrieb Malcolm Ohanwe auf Twitter und bezeichnete dies als „Ungleichgewicht der Empörtheit“. Er spielt auf das satirische Lied „Meine Oma ist ‚ne alte Umweltsau“ an, das Ende 2019 für mangelnden Respekt vor den Älteren kritisiert wurde. Der WDR hatte sich mit einer Sondersendung entschuldigt. (Friederike Meier, mit dpa)

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