Indien

Bitte nicht lächeln

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Die Flughafenkontrollen in Indien sind ab sofort weniger freundlich.

Sicherheitsvorkehrungen wie die Gepäckdurchleuchtung und das Abtasten sind heutzutage fester Teil der notwendigen Plagen bei der Abfertigung Flugreisender. Unnötiger Befehlston und rüdes Auftreten von gestressten Sicherheitsbeamten machen solche Prozeduren bisweilen zur Tortur. Da lobte sich unsereins indische Flughäfen: Diese sind überfüllt, laut, oft schmutzig und haben gerne auch einen etwas eigenartigen Geruch. Aber die Kontrolleure der für Sicherheitsmaßnahmen verantwortlichen „Central Industrial Security Force“ (CISF) waren stets freundlich: Sie lächelten unentwegt, auch im größten Chaos und Gedränge.

Leider ist es damit nun vorbei. Generaldirektor Rajesh Ranjan verfügte kurzerhand, das ab sofort der finstere Blick die wichtigste Charaktereigenschaft seiner Mannschaft im ganzen Land sein soll. Man werde von einem „System des breiten Lächelns“ zu einem „System des ausreichenden Lächelns“ übergehen, verkündete der Beamte gegenüber der Tageszeitung „Indian Express“.

Um eine Begründung für die verordneten Miesepetermienen an den Flughäfen war der Beamte nicht verlegen. Nette und freundliche Gesichter an Röntgenapparaten und bei der Gepäckdurchsuchung würden ein höheres Risiko von Terrorattacken mit sich bringen.

Da könnte man argumentieren, dass ein netter, aber gründlicher Sicherheitsbeamter kaum einen Unterschied macht. Aber der CISF-Boss hält ein schier unschlagbares Argument bereit: Die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA seien nur dank „übertriebenen Vertrauens auf passagierfreundliche Prozeduren“ möglich gewesen.

Diese Erkenntnis reifte in Indien 17 Jahre. Doch zukünftig können Indiens Flugreisende endlich aufatmen. Denn bis zu dieser Erkenntnis mag es zwar etwas gedauert haben, aber nun wird sie per Befehl landesweit und ohne Ausnahme umgesetzt. Mundwinkel nach unten lautet ab sofort der Tagesbefehl.

Dabei zeigt eine oberflächliche Recherche über Indiens Flugverkehr, dass in diesen Tagen die Gefahr aus anderen Ecken droht: Mal prügeln sich Piloten im Cockpit, dann vergisst eine Besatzung, vor der Landung einen Schalter umzulegen und bereitet den Passagieren Atemnot wegen Sauerstoffmangels. Andernorts fällt eine Stewardess schlicht aus einem geparkten Flieger und ein betrunkener Pilot konnte nur mit Mühe vom Steuerknüppel in die Ausnüchterungszelle geschleppt werden – ob mit oder ohne Lächeln ist nicht überliefert.

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