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Die Corona-Krise bestimmt viele Briefe, die Kinder an den Osterhasen schreiben

Osterpostamt

„Bitte bleib gesund“

Nichts beschäftigt in diesen Tagen und Wochen die Gesellschaft so sehr wie die Corona-Krise. Das gilt selbst für das Postamt des Osterhasen, dem Kinder aus aller Welt schreiben. Auch, um ihr Herz auszuschütten.

Amelie hat dem Osterhasen das geschrieben, was in diesen verrückten Corona-Tagen ganz offensichtlich viele Menschen umtreibt. „Ich hoffe, Du bist gesund und kannst zu allen Kindern kommen“, heißt es im Brief der 14-Jährigen, den sie noch mit bunten Bildern illustriert und an Hanni Hase im niedersächsischen Ostereistedt abgeschickt hat - eine Tradition, die es seit fast 40 Jahren gibt. 

„Die Corona-Krise und Wünsche wie dieser bestimmen jetzt viele Briefe an Hanni Hase“, berichtet der langjährige Leiter des Osterpostamtes der Deutschen Post, Hans-Hermann Dunker. Derzeit erreichen viel mehr Einzelbriefe als sonst das Osterpostamt, bis jetzt über 23.000 aus 37 Ländern. Darunter sind Sendungen aus Taiwan, Russland, China, Neuseeland, Chile und von den Philippinen. In früheren Jahren haben ganze Kita-Gruppen oder Schulklassen Grüße meist verbunden mit Wünschen formuliert, in einen großen Umschlag gesteckt und dem Osterhasen geschickt. „Das ist jetzt vorbei, Kitas und Schulen haben ja geschlossen“, sagt Dunker, der sich umso mehr freut, dass die Kinder ihre Zeit zu Hause nutzen, um zu schreiben. Dabei geht es nicht selten um die Kontaktsperren zu Freunden, Mitschülern und vor allem zu den Großeltern, die Ältere vor dem Virus schützen sollen. 

So wie bei Hannes (5) und seiner kleinen Schwester Emma (3), die sich zusammengetan haben, um einen Brief auf den Weg zu bringen. Sie hoffen, dass sie Oma und Opa zu Ostern sehen können und wünschen sich, dass im Osterhasenland alle gesund bleiben. Und natürlich darf ein Wunsch an Hanni nicht fehlen, der Klassiker: „Bitte vergiss nicht, uns Ostern im Garten Eier zu verstecken.“ Auch Merlin (4) hofft, dass der Osterhase bei ihr vorbeigehoppelt kommt - „trotz Corona“. Felix, ebenfalls vier Jahre alt, ist traurig, weil er wegen der Epidemie zu Ostern seine Oma in Bayern nicht besuchen kann und hofft, dass Hanni Hase mitbekommen hat, dass er nun zum Fest in Köln bleiben muss. Nicht, dass am Ende die Ostereier noch im falschen Garten versteckt werden. Und wenn er dann kommt, soll er leise sein: „Im Baum brütet eine Amsel, die soll keine Angst bekommen.“

„Bitte bleib gesund“ - dieser Wunsch steht Dunker zufolge jetzt unter vielen Briefen. Materielle Wünsche dagegen seien im Vergleich zu früheren Jahren deutlich in den Hintergrund getreten, ergänzt der 81-Jährige ehemalige Postbeamte. In einem insgesamt zehnköpfigen Team sorgt er dafür, dass alle Briefe an den Osterhasen geöffnet und beantwortet werden. Und es seien nicht nur die Kinder, die zum Stift griffen. „Auch die Großeltern schreiben dem Osterhasen, dass sie auf ein Ende der Corona-Krise hoffen, damit sie ihre Enkelkinder wieder in die Arme nehmen können“. Übrigens arbeitet das Osterhasenpostamt in diesem Jahr mal wieder in dem 900-Seelen-Ort, wo in den 1980er-Jahren alles begonnen hat - in Ostereistedt. 

Adresse des Osterhasen:  Hanni Hase, Am Waldrand 12, 27404 Ostereistedt

Dort gibt es längst kein Postamt mehr, dafür aber ein Dorfgemeinschaftshaus. Der umgebaute Schafstall bietet genügend Platz für das Team von Hanni Hase, was den gebotenen Sicherheitsabstand untereinander angeht. Und auch sonst werden die Hygieneregeln eingehalten, betont Dunker. „Zur Begrüßung geben wir uns nicht die Hand, nehmen uns auch nicht in die Arme, sondern stupsen uns höchstens mit den Ellbogen an.“ Im vergangenen Jahr erreichten unter der Adresse Hanni Hase, Am Waldrand 12 in 27404 Ostereistedt mehr als 40.500 Sendungen Deutschlands ältestes und größtes Osterpostamt - und wurden auch beantwortet, meist mit einem vorgedruckten Brief, um die Flut überhaupt bewältigen zu können. Das soll auch in diesem Jahr so sein. „Damit das noch pünktlich klappt, sollte der Brief bis Montag, 6. April, bei uns in Ostereistedt sein“, bittet Dunker und ergänzt: „Absender nicht vergessen.“ 

22 Jahre hat er das Osterpostamt geleitet, nächstes Jahr übernimmt seine Kollegin Doris Kröger (60) diese Aufgabe. „Ich liebe Kinder. Es macht mir Freude, sie mit den Antworten glücklich zu machen“, meint die pensionierte Postfrau. Für sie und für alle anderen im Team wird 2020 wohl als ungewöhnlichste und aufregendste Ostersaison in Erinnerung bleiben. Mit Blick auf die Antwortbriefe betont Dunker: „Gerade in diesen herausfordernden Zeiten ist es besonders schön, die hoffnungsvollen Zeichen des Osterfestes weiterzugeben.“

(Dieter Sell,epd)

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